Carado T 334 im Test

Allroundtalent

Sich zu entscheiden, fällt oft schwer. Vor allem, wenn es bedeutet, irgendwo Abstriche machen zu müssen. Längseinzelbetten, geräumiges Bad oder eine kompakte Gesamtlänge – was ist wichtiger? Carado hat sich entschieden: Der Schwerpunkt im T 334 liegt auf dem Raumbad.

Abstriche? Sind – wenn überhaupt – im hier montierten Heck-Querbett zu sehen. Ob das gefällt, ist Geschmackssache. Sicher ist: Es hilft, die Länge bei unter sieben Metern zu halten. Der Grundpreis für den T 334 liegt bei 39.999 Euro, das Testfahrzeug mit Hubbett und 130 PS kostet 52.975 Euro.

Seit 2007 rollen die Reisemobile der Einsteigerklasse zusammen mit den baugleichen Sunlight-Modellen im Capron-Werk im sächsischen Neustadt vom Band. Großzügige Raumbäder gehören in diesem Segment selten zum Standard. Im Fall des T 334 setzt Carado noch eins drauf: Mit den beiden bis unter die Decke reichenden Kleiderschränken jeweils rechts von Dusche und Toilettenraum dient das Raumbad zugleich als Ankleidezimmer.

Ist die im Testfahrzeug bereits deutlich verzogene Tür des Raumbads über den Gang hin geschlossen, lässt sich die Tür des Wäscheschranks allerdings nur noch rund 45 Grad weit öffnen. Dann stößt sie an den Griff der Badtür.

Die Dusche hat eine Grundfläche von 76 mal 57 Zentimeter und ist immerhin zwei Meter hoch – absolut ausreichend also. Das WC gegenüber lässt sich durchaus separat mit geschlossener Tür nutzen. Der Waschtisch-Unterschrank und der schmale Hochschrank nehmen von der Zahnpasta bis zur Haarbürste alles auf, was eine Familie benötigt. Vergessen hat Carado allerdings, eine Dichtungsfuge hinter dem Waschbeckenrand  zu ziehen – wenn hier Kinder plätschern, läuft Wasser hinters Mobiliar.

Im Wohnbereich befindet sich die Halbdinette, die eine Längsbank und die gedrehten Vordersitze zur Sitzgruppe für bis zu fünf Personen ergänzen. Gut gefallen die höhenverstellbaren Kopfstützen an der Sitzbank. Die ist dank schräggestellter Lehne auch bei längeren Fahrten bequem.

Das über der Sitzgruppe hängende optionale Hubbett ist mit 192 mal 140/110 Zentimetern groß genug für zwei Personen – die müssen aber statt Lattenrost mit einer Lochplatte und einer nur acht Zentimeter dicken Matratze auskommen. Einen Pluspunkt erhält die Bedienbarkeit: Einfach die Verriegelung mit etwas Druck nach rechts schieben und an den Griffen ziehen, schon gleitet das Bett nach unten.

Bereits erwähnt: das Querbett im Heck. Hier finden Reisemobilisten auf 210 mal 140/130 Zentimetern zwei weitere Schlafplätze. Die Matratzen ruhen auf einem Holzlattenrost und sind jeweils 13 Zentimeter dick.

Zwischen Raumbad und Sitzgruppe platziert Carado auf der linken Seite die ansprechend dimensionierte L-Küche mit reichlich Stell-, aber nur wenig Arbeitsfläche. Den Thetford-Kühlschrank (167 l) mit separatem Eisfach (29 l) lagert Carado in den raumhohen Vorratsschrank im Rücken des Kochs aus. Die Küche bietet mit drei tiefen, aber etwas wackeligen Schubladen und einem großen Schrank viel Platz für Geschirr. Dreiflammkocher ohne elektrische Zündung und Rundwaschbecken sind einfach gehalten, aber funktional.

Zurrösen in der Heckgarage erleichtern es, sperrige Gegenstände zu sichern. Über die Heckgarage sind Gasflaschenkasten und Heizung gut zugänglich. Für den Fahrrad-Transport ist die Heckgarage aufgrund ihrer Höhe von 104 Zentimetern (Stauraumtür 64 mal 94 Zentimeter) allerdings nur bedingt nutzbar.

Viel Stauraum gibt es auch im Innenraum. Neben den fünf Fächern über Sitzgruppe, Küche und Heckbett nutzen die Carado-Monteure nahezu jeden verfügbaren Platz, um dort weitere Fächer einzubauen. Beim Licht setzt Carado durchgehend auf Energie sparende LEDs – selbst in der Heckgarage. Nur in der Außenleuchte brennt noch eine Glühfadenbirne.

Ein Problem, das sich durch den gesamten Wohnraum zieht, sind Teile, die bei Nichtgebrauch lose herumliegen. Beispiel eins: Der Esstisch (103 mal 53/48 Zentimeter) wird mit einer zusätzlichen Tischplatte verlängert. Die Frage: Wohin damit, wenn sie nicht gebraucht wird?

Beispiel zwei: Während ein Druckknopf die vordere Duschtür festhält, wird die hintere Tür von einem Einlegebrett im Boden gehalten. Wohin damit, wenn der Reisemobilist duscht? Naheliegende Lösung: Beim Duschen drin lassen oder aufs Heckbett damit.

Beispiel drei: Zum Ausgleich des Höhenunterschieds zwischen Eingangsbereich und Sitzgruppe baut Carado ein Podest ein, das sich für mehr Stehhöhe herausnehmen lässt. Hier verschärft sich das Problem, da  die Auflagefläche des Podests sehr schmal ist und nicht über die gesamte Länge reicht. Tritt ein Insasse auf die Ecke, kippt das Podest ähnlich einer Wippe in die Höhe. Weil das nervt, lässt man es zu Hause – sicher nicht im Sinne des Erfinders.

Was sonst noch auffällt? Positiv: Der dreigeteilte Stoßfänger am Heck – bei Reparaturen deutlich günstiger, als wenn das gesamte Teil ausgetauscht werden muss. Negativ: der nicht abgedichtete Kasten der Toilettenkassette. Sollte hier einmal etwas heraussabbern, läuft alles in den Aufbau.

Auch während der Fahrt überzeugt der Carado. Klappern oder Knarzen der Möbel sowie Windgeräusche an den Mini-Hekis halten sich absolut im Rahmen. Das Testfahrzeug auf Fiat-Ducato-Basis und Fiat-Flachrahmen ist mit einem 2,3-Liter-Motor und 130 PS gut motorisiert, weniger Leistung sollte es aber auch nicht sein.

Insgesamt hinterlässt der T 334 einen guten Eindruck: Der Grundriss mit Raumbad vor dem Querbett überzeugt. Gut verarbeitet und anständig motorisiert, macht der Teilintegrierte einfach Spaß – während der Fahrt und beim Camping.

  • Info: Carado

  • Text: Maren Schultz

  • Bild: Hardy Mutschler

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