Laika Kreos 5010 im Test

Sinn für das Schöne

Schöne Autos kommen aus Italien. Alfa Giulia Sprint und Lancia Flaminia lehrten deutsche Autofahrer in den 1960er- und 1970er-Jahren das Träumen – und das Fürchten. Stand es doch mit der Fertigungsqualität und Haltbarkeit der blechgewordenen Stilikonen von der Apenninhalbinsel nicht zum Besten. Ein Umstand, der sich bis in die 1990er-Jahre hielt.
Laika aus dem toskanischen San Casciano Val di Pesa ist innerhalb der Caravaningbranche ebenfalls bekannt dafür, ansprechende Reisemobile mit formschöner Karosserie und ebensolchem Mobiliar zu bauen. Erleben Camper, die diesem Charme erliegen, ebenfalls ihr blaues Wunder? Entwarnung: Laika ist seit Jahrzehnten bekannt dafür, nicht ganz billige, dafür aber solide gebaute Mobile zu fertigen. Weil die Konkurrenz nicht schläft, versucht sich der toskanische Hersteller zusätzlich durch manches schöne und durchdachte Detail abzuheben.

Ob und wenn ja, wie Laika das gelingt und wie sich das Mobil aktueller Produktion im Campingalltag bewährt, soll der Praxistest des neuen Laika Kreos 5010 zeigen.

Der 7,69 Meter lange Teilintegrierte basiert auf dem Fiat Ducato mit Al-Ko-Fahrwerk und 3.500 Kilogramm zulässiger Gesamtmasse in der Basisversion. Das Testmobil rollte allerdings mit dem optionalen 4,5-Tonnen-Chassis durch die toskanische Landschaft. So knapp die Zuladung des serienmäßig auf drei Personen ausgelegten Mobils in der Version als 3,5-Tonner ausfällt, so üppig ist dieser Wert beim Testwagen. Da wäre dann auch das optional angebotene Hubbett, das den Kreos 5010 zum Familienmobil macht, kein Problem.

Ohne Hubbett empfiehlt sich der Teilintegrierte mit vollwertigem, isoliertem, beheiztem und bis zu 36 Zentimeter hohem Doppelboden als komfortables Reisegefährt für ein Paar. So zumindest lassen es die technischen Daten vermuten.

Dieser Eindruck bestätigt sich gleich beim ersten Rundgang durch den schmucken Italiener. Die Sitzgruppe vermittelt ein großzügiges Raumgefühl, das sich aufgrund der Innenhöhe bis zu 2,10 Metern in Verbindung mit den beiden Dachfenstern in 
Hutze und über 
der Sitzgruppe
 noch verstärkt.
 Hier bleibt jede
 Menge Platz, um die Beine auszustrecken und sich einfach mal gemütlich hinzulümmeln. Als besonderes Extra montiert Laika am Beifahrersitz ein elektrisch verstellbares Fußteil – angenehm nach einem langen Marsch durch die immergrüne Macchia.

Der Tisch mit Zentralfuß ist in der Höhe verstell- und in vier Richtungen verschiebbar, sodass jeder Urlauber, ob auf den Vordersitzen, auf der L-Sitzbank oder auf dem Seitensitz, eine Chance hat, direkt vor seinem Teller zu sitzen. An den Oberschränken und an der Gestaltung der Dachhutze ist der wertige und ansprechende Möbelbau gut zu erkennen. So öffnen etwa die seitlichen Oberschrankklappen der Dachhutze mit einer aufwendigen Kinematik. Andere Hersteller bauen an dieser Schräge lediglich offene Fächer ein, um diesen Aufwand zu umgehen. Die indirekte dimmbare Beleuchtung im Fahrzeug kostet Aufpreis, ergänzt die serienmäßigen LED-Lampen aber zu einem gelungenen, variablen Lichtkonzept.

Nächster Blickfang ist die Küche in Winkelform. Ihre Arbeitsplatte belegt Laika ohne Aufpreis mit Corian. Sogar das Abtropfbecken und den herausnehmbaren Tellerhalter fertigen die Italiener aus diesem Mineralwerkstoff. Die leicht überstehende Vorderkante stoppt verschüttete Flüssigkeit zuverlässig auf dem Weg in die geräumigen und stabilen Auszüge im Unterschrank. Mit elektrisch zündendem Dreiflammenherd, elektrischem Dunstabzug, gutem LED-Licht, 160-Liter-Kühlschrank, Gasbackofen und vernünftig platzierten Steckdosen lässt die Serienausstattung keine Wünsche offen. Einziges Manko: Wie auch schon bei anderen Modellen von Laika bemängelt, ist der Hebel der an sich hochwertigen Mischarmatur der großen Rundspüle so angeordnet, dass der Campingkoch beim Anheben des Spülendeckels leicht versehentlich den Hahn öffnet und sich dann das Wasser über den Deckel auf die Arbeitsfläche ergießt. Doch darauf beschränkt sich die Kritik an der Küche.

Das Raumbad hinter der Küche zeigt wieder einmal: Laika liebt es, mit Licht zu spielen. Die blau beleuchtete Duschkabine mit zwei Abläufen macht ganz schön was her und lässt genügend Bewegungsfreiheit. Allerdings sollte das Fahrzeug beim Duschen nicht nach rechts geneigt stehen, da der Duschwannenrand niedrig und die Tür nicht besonders dicht ist. Im WC-Raum gegenüber gefallen das große, gut abgedichtete Waschbecken und das Fenster. Ablagen hat Laika genügend montiert, und auf der Toilette verrenken sich auch große Camper nicht. Die Tür des WC-Raums schließt angenehm dicht und dient um 90 Grad geschwenkt als Trenntür zwischen Bad und Küche.

Das quer zur Fahrtrichtung eingebaute, 210 mal 150 Zentimeter große Doppelbett erreichen müde Camper über zwei schmale Stufen mit Staufach. Die 14 Zentimeter starke Kaltschaum-Matratze ruht auf einem Lattenrost, sodass der Liegekomfort sehr gut ausfällt. Als besondere Option ist die Liegefläche in der Höhe zwischen 75 und 135 Zentimeter Matratzenhöhe ab Boden verstellbar. Ein Elektromotor in der vorderen oberen linken Ecke der Heckgarage hebt und senkt sie per Schalterdruck zuverlässig über ein Gurtsystem. Egal, in welcher Höhe sich der Camper das Bett einstellt – es bleibt stabil, wackel- und geräuschfrei, als wäre es fest eingebaut. Logisch allerdings: Wer sich sein Bett extrem niedrig einstellt, für den bleibt in der Heckgarage weniger Stauraum.

Von ihrer Grundfläche her ist die serienmäßig zweitürige Heckgarage mit 217 mal 154/127 Zentimetern gut nutzbar. Ihre Höhe variiert je nach Bettstellung zwischen 84 und 134 Zentimeter. Die Ausstattung des Gepäckabteils ist überdurchschnittlich: Zusätzlich zu den mittlerweile üblichen verschiebbaren Zurrösen und dem Heizungsausströmer installiert Laika eine LED-Lichtleiste, eine LED-Schwanenhalslampe und eine 230-Volt- sowie eine Zwölf-Volt-Steckdose. Frisch- und Abwassertank im Doppelboden sind über eine breite Klappe in der Heckgaragenvorderwand gut zugänglich. Das Abwasserventil öffnet und schließt elektrisch. Das ist insofern praktisch, weil sich der Schalter direkt bei der Heckgaragentür befindet und der Schieber ein, zwei Sekunden zum Öffnen benötigt. So hat der Camper eine reelle Chance, sich und seine neuen Lederhalbschuhe in Sicherheit zu bringen.

Der Doppelboden ist von beiden Fahrzeugseiten her über Außenstauklappen erreichbar, die teils so groß sind, dass hier sogar kleinere Camping-Klappmöbel hindurchpassen. Sehr gut: bei geöffneten Klappen schaltet sich eine von der Bordbatterie gespeiste LED-Leuchte ein.

Enttäuschend, aber so in der Branche nach wie vor weit verbreitet: der ungeschützte Toilettenschacht mit offenen Möbelschnittkanten und frei liegenden Zwölf-Volt-Kabeln. Den vorschriftenkonform gestalteten Gasflaschenkasten mit guter Abdichtung zum Innenraum hin und ausreichend großer Bodenentlüftung stattet Laika mit einem Sicherheits-Gasregler aus, der Heizen während der Fahrt erlaubt. Das ist bei einem winterfesten Fahrzeug mit beheiztem Doppelboden und Alde-Warmwasserheizung konsequent. Ein Manko ist die schmale Tür mit Schwelle des Gaskastens, die einen Wechsel der hinteren Gasflasche nur nach Entfernen der vorderen zulässt.

Die gesamte Karosserie des hübschen Italieners ist gut verarbeitet: Sämtliche Fenster, Klappen und Dachhauben sowie die Aufbautür sind exakt eingesetzt. Alle Stöße des Aufbaus, etwa der Übergang vom Fahrerhausdach zur Dachhutze, sind sauber mit Dichtmasse verfüllt. Auch ein Bad im toskanischen Straßenstaub lohnt: Der Unterboden ist an allen Durchbrüchen versiegelt, die Kabel, etwa für die Heckleuchten, verlaufen ohne Scheuerstellen, und die Seitenschürzen befestigt Laika solide an genügend Haltern.

Die Qualität des toskanischen Teilintegrierten macht sich auch unterwegs bemerkbar: Wer die Schnellstraße zwischen Florenz und Siena kennt, weiß, dass sie einen Spitzenplatz unter Europas schlechtesten Schnellstraßen verdient hat. Selbst auf dieser Piste gibt sich der Laika auf Fiat Ducato und Al-Ko-Chassis verwindungssteif und entsprechend geräuscharm. Von einigen Klappergeräuschen bei besonders tiefen Schlaglöchern abgesehen bleibt auch das Mobiliar leise.

Gerade für die Version mit 4.500-Kilogramm-Fahrwerk ist der im Testwagen montierte 148-PS-Motor eine sinnvolle Option – voll beladen dürfte das 130-PS-Basisaggregat bereits in den Hügeln der Toskana an seine Grenzen stoßen.

In der Grundausstattung kostet der Laika Kreos 5010 ab 80.400 Euro. Nicht gerade ein Schnäppchen, doch erhält der Käufer ein solides, sehr gut ausgestattetes Mobil.

Fazit

Laika war noch nie bekannt dafür, besonders billige Reisemobile zu bauen – und
das muss auch gar nicht sein. Denn der
toskanische Hersteller legt seinen Fokus
ganz offensichtlich auf einen solide gefertigten Aufbau, auf hochwertiges und
ansprechendes Mobiliar und auf eine überdurchschnittliche Ausstattung. Dies
alles hat seinen Preis, den die Kundschaft
gerne bezahlt. Einziger Hinweis für den Käufer: Sobald einige Extras auf der Bestellung zusammenkommen, sollte eines davon auch das 4,5-Tonnen-Chassis sein.

Technische Daten

Fahrgestell: Fiat Ducato, 109 kW (148 PS), Al-Ko-Chassis, manuelles Sechsganggetriebe, Frontantrieb
Maße und Massen: (L x B x H): 769 cm x 230 x 300 cm, Radstand 450 cm, Stehhöhe: 210 cm, zul. Gesamtmasse: 4.500 kg, Anhängelast gebremst: 1.750 kg
Aufbau: Dach: GfK-Sandwich 40 mm, Wände: Alu-Sandwich 35 mm, Doppelboden mit Gfk-Sandwich-Unterboden, Gesamtstärke: 52 mm, Isolierung: Styrofoam, Aufbau ohne Holzleisten
Betten: Heckbett: 210 x 150 cm, Liegefläche Dinette: 190 x 136/80 cm
Füllmengen: Frisch-/Abwasser: 140/140 l, Gas: 2 x 11 kg, Kühlschrank: 160 l
Serienausstattung (Auszug): Alde-Warmwasserheizung, Heckgarage zweitürig, Backofen, Dunstabzug, LEDs
Extras (Auszug): 148 PS, 4,5-Tonnen- Chassis, Doppelbett elektrisch höhenverstellbar, Beifahrersitz mit elektrischer Fußstütze
Testverbrauch: 12,4 Liter/100 km Grundpreis: 80.400 Euro Testwagenpreis: 87.453 Euro

  • Info: Laika

  • Text: Mathias Piontek

  • Bild: Mathias Piontek

4 Kommentare

  1. Fred 17. März 2016 um 09:15 Uhr

    Wie soll das gehen? 7,69m Länge und 3,5 t. Diese inzwischen von fast allen WoMo-Herstellern praktizierte Fehlinformation ist für den Endverbraucher als klare Irreführung zu bezeichnen. Wenn ich den zulässigen Wert von 3,5 nicht überschreiten will, muss ich das blanke Fahrzeug untermotorisiert und ohne jegliches Zubehör sowie möglichst ohne Insassen betreiben! Genauso wird der Endverbraucher getäuscht bei der Gewichtsermittlung, wenn es um die Berücksichtigung des Wassers geht. Früher wurden 50 % eingeplant – heute nur noch 20% – allein um die 3,5 t auf das letzte Gramm hin zu unterschreiten. … und dann wird über die Polizeiabzocke bei Gewichtskontrollen geklagt. Hier liegt die Schuld ganz klar bei den WoMo-herstellern!

  2. Chris 17. März 2016 um 17:52 Uhr

    Nur dem WoMo-Hersteller die Schuld zu geben finde ich etwas zu einfach. Der liebe Konsument sollte seinen Hausverstand benutzen, dann würde er sofort erkennen das die Zuladung nicht reicht und sollte die Finger von solchen Mobilen lassen. Aber ich gebe dir recht, die Herstellerangaben sind zum Teil eine Frechheit.
    Ich suche die Schuld wenn überhaupt, dann beim TÜV. Wie kann man solche Mobile überhaupt für 3,5T zulassen.

  3. wolfgang huhn 17. März 2016 um 18:36 Uhr

    Ich kann mich nur meinem Vorredner anschließen ,bitte vor dem Kaufvertrag auf die Waage fahren ,sonst könnte es böse Überraschungen geben

  4. Thomas 12. April 2017 um 10:50 Uhr

    Ich fahre dieses Fahrzeug und es war von Anfang an klar, dass es nur mit 4,25 oder besser noch mit 4,5 to zu fahren ist. In der großen Garage wird ja oft ein Roller mitgenommen und mit Markise, Solar, SAT etc. erreicht man dann auch zwischen 4,25 und 4,5 to. Also auf keinen Fall für Leute, die ein 3,5 to Fahrzeug suchen.

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