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Hersteller, Händler, Vermieter: So trifft die Corona-Krise die Branche

Große Pause

Die Caravaning-Branche leidet unter der Coronakrise. Doch erste zaghafte Lockerungen bringen Zuversicht – eine Momentaufnahme.

Es ist wie in einem Science-FictionFilm. Das Coronavirus löst im März 2020 eine Pandemie und damit eine weltweite Krise aus. Es bestimmt den Alltag der modernen Menschen. Sie kennen eine kontinentübergreifende Infektionskrankheit allenfalls aus den Geschichtsbüchern, müssen nun aber mehr und mehr eingeschränkt leben.

Europa und Deutschland sind davon stark betroffen. Die Regierungen leiten harte Gegenmaßnahmen ein: Ausgangssperren und Versammlungsverbote, Homeoffice und Kurzarbeit, geschlossene Grenzen und Reiseeinschränkungen.

1. Zulieferer und Hersteller

Unter all dem leidet auch die bis dato kraftstrotzende Caravaning-Branche. Im stark betroffenen Italien war das Fiat-Produktionswerk, in dem der Ducato vom Band läuft, wochenlang geschlossen – erst seit dem 27. April rollen wieder Fahrzeuge vom Band. Auch in China, dem Ursprungsland des Coronavirus, haben Fabriken geschlossen oder fertigen nur eingeschränkt. „Fast alle Zulieferer haben ihre Produktion drosseln oder einstellen müssen“, sagt Marc Dreckmeier, Sprecher des Herstellerverbands CIVD, bestimmte Teile seien nicht oder nur begrenzt lieferbar.

Die Krux: „Funktionierende Lieferketten sind die Hauptschlagader der Caravaning-Branche.“ Zahlreiche Hersteller wie Dethleffs, Hobby, Carthago, Knaus und Hymer stoppten vorübergehend die Produktion oder schränkten sie stark ein. Mitarbeiter wurden in Kurzarbeit geschickt oder bauten Urlaub und Überstunden ab. Unter strikten Hygienemaßnahmen wird vielerorts inzwischen wieder gearbeitet.

Solange die Produktion ruht, besteht keine Nachfrage nach Produkten von Zulieferern. Als Folge hat zum Beispiel Al-Ko Fahrzeugtechnik ab 1. April 2020 an allen deutschen Standorten Kurzarbeit eingeführt. Truma hat am 23. März die Produktion gestoppt bis zum 19. April.

Dank starker Vormonate und -jahre sowie gefüllter Auftragsbücher befinden sich die Reisemobilhersteller in einer vergleichsweise günstigen wirtschaftlichen Lage. Das bekräftigt der CIVD: „Wir sind langfristig gesehen vergleichsweise optimistisch.“ Tatsächlich war bis zum Coronavirus die Nachfrage nach Reisemobilen extrem hoch. So interessierten sich auf den Frühjahrsmessen wie der CMT rekordverdächtig viele Kunden für Freizeitfahrzeuge oder bestellten sofort eines.

Hamster-Währung: Toilettenpapier als Belohnung für jeden erteilten Werkstattauftrag bei Händler Euch.
Foto: Caravaning Euch

2. Caravanhändler

Auch für die Caravanhändler waren dank des sehr gut verlaufenen letzten Quartals 2019 und des sehr erfolgreich angelaufenen ersten Quartals 2020 die Auftragsbücher gut gefüllt. Dennoch konnten sie erst am 19. April wieder aufatmen: Am 15. April hatten Bundes- und Länderregierungen beschlossen, den Kfz-Handel bundesweit zu dem Tag wieder zu eröffnen.

Die Wiederaufnahme des Geschäftsbetriebes erfolgt unter strikten Auflagen: Hygieneregeln und physischer Abstand aller Personen sollen eine weitere Verbreitung des Coronavirus eindämmen und Kunden wie Mitarbeiter schützen. Seit dem 16. März waren deutschlandweit sämtliche Handelsbetriebe vorübergehend geschlossen. Bund und Länder hatten am 22. März darüber hinaus sogar soziale Kontakte beschränkt. Ihre Werkstätten durften die Handelsbetriebe dennoch weiter betreiben. Die Fahrten dorthin waren erlaubt.

Um Kunden mit einem Augenzwinkern zu belohnen, hat sich Reisemobile Euch aus Hochdorf-Assenheim einen Werbegag ausgedacht. Neben einen Stapel Toilettenpapier, der neuen Hamster-Währung, stellte der Händler ein Schild: „Ein Päckchen geschenkt zu jedem Werkstattauftrag.“ Und auf Facebook erklärte der Händler: „Gemeinsam meistern wir jede Krise.“

Tatsächlich glaubt Chef Matthias Euch, dass die Kaufentscheidungen nur verschoben sind: „Sobald die Beschränkungen gelockert werden und Reisen wieder möglich wird, ist das Reisen im Wohnmobil und dem eigenen Hygieneumfeld eine gute Alternative zu Kreuzfahrten und Hotels.“

Auf jeden Fall traf es die CaravaningHändler hart. Über das Verkaufsverbot hinaus mussten sie ihre schon geplanten Hausmessen zum Saisonauftakt absagen. Die ohnehin angespannte Lage verschärft, dass viele Kfz-Zulassungsstellen geschlossen sind. Über deren Öffnungszeiten entscheiden Städte und Gemeinden. Eine bundesweit einheitliche Regelung gibt es nicht. Manche Kunden, die ihr Reisemobil gekauft haben, können es deshalb nicht anmelden.

In der Folge bleiben in vielen Betrieben Reisemobile auf den Höfen stehen und kosten den Händler Geld für die Finanzierung. Laut einer Sonderbefragung des Marktforschungsinstituts cm&p anlässlich der Coronakrise wurden 2,8 Prozent der Kaufverträge storniert. Ohne Fahrzeugverkauf aber ist die Haupteinnahmequelle weggebrochen.

Dennoch herrscht ein gewisser Optimismus: „Sollte sich die Situation im Laufe dieses Quartals wieder beruhigen“, sagt Oliver Waidelich, Geschäftsführer des Händlerverbands DCHV, „sehen wir im Fahrzeugverkauf für das Gesamtjahr 2020 durchaus noch Chancen.“ Dass die Caravanhändler nun wieder geöffnet sind, begrüßt der Verband.

3. Vermieter

Komplett am Boden lag zu Ostern das Vermietgeschäft. Die wichtigen Einnahmen zum Saisonauftakt sind entfallen. Vorerst verhindern die umfassenden Kontaktbeschränkungen und die Aufforderung, sich möglichst zu Hause aufzuhalten, das Reisen im eigenen Land weiterhin – noch sind die Maßnahmen bis zunächst zum 3. Mai verlängert.

Die Bürger in Deutschland sollten weiter auf private Reisen und Besuche selbst von Verwandten verzichten – sowie auf überregionale tagestouristische Ausflüge. DCHV-Chef Oliver Waidelich bestätigt: „Die hohe Stornierungsquote zum Saisonbeginn tut den Unternehmen weh und wird sich am Jahresende in den Ergebnissen bemerkbar machen.“

Das spürt auch der Vermieter Mi-Mobile im schwäbischen Remshalden-Grunbach. Chef Matthias Sprenger schlägt vor, gegenwärtig nicht zu vermietende Reisemobile als Alternative zu häuslicher Quarantäne zu nutzen (siehe rechts). Obendrein setzt er auf den Einsatz der Vermietflotte als Homeoffice-Mobile.

Diese Idee wurde erstmals bei P-Concept aus Lagesbüttel (www.p-concept. com) umgesetzt. Geschäftsführer Marco Pengel erklärt in einem Youtube-Video, wie sein Unternehmen den Fahrzeugen einen neuen Zweck als Büromobil zugeführt hat. Er begründet seine Idee so: „Wir wissen, dass es extrem schwierig sein kann, von zu Hause aus zu arbeiten. Und dennoch sind wir gezwungen dazu.“ Da biete ein „Reisemobil in der Garageneinfahrt“ eine prima Alternative.

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