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Colani-Wohnmobil: Hymermobil 660 im Erwin Hymer-Museum

Seine Welt war rund

„Spritsaufende, hässliche Ungeheuer“ – Luigi Colani hatte seinerzeit keine hohe Meinung von Reisemobilen. Seine Designstudie von 1993 war der Versuch, ihre Optik zu revolutionieren: weg von „Schweineformen entgegen aller physikalischen Gesetze“. Erwin Hymer gefiel das, er gab ein Mobil in Auftrag.

Ohne Zweifel, der deutsche Designer Luigi „Lutz“ Colani, der 2019 im Alter von 91 Jahren gestorben ist, war einer der bekanntesten und zu gleich einer der umstrittensten Designer seiner Zeit. Ein Philosoph zwischen Genie und Wahnsinn. Seine Designs provozierten, mit seiner Vorliebe für runde, natürliche Formen und seiner Abneigung gegenüber der damals vorherrschenden eckigen Umwelt stieß er auf nur wenig Gegenliebe.

Colani war ein Universaldesigner. Er entwarf Möbel, Flugzeuge und Alltagsgegenstände – und Autos. Er arbeitete für Fiat, Alfa Romeo und Lancia. Sein Design zeichnete sich aus durch runde, geschwungene und organische Formen. Rechte Winkel und gerade Kanten standen im Widerspruch zum Ergonomie-Verständnis Colanis. Seiner Auffassung nach war die einzig effektive und effiziente Gestaltung nur mit einer kurvenförmigen Linienführung, den Formen der Natur folgend, sinnvoll.

Hymermobil 660 als Basis

Erwin Hymer gab damals die Designstudie in Auftrag. Als Basis fiel die Wahl auf ein Hymermobil 660, einen 6,58 Meter langen Integrierten mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 4,6 Tonnen und Fünfzylinder-Dieselmotor (2.874 cm³) mit 95 PS. Die Planung sah vor, dass Colani in einem dreistufigen Prozess die Front, das Heck und abschließend den Innenraum des Integrierten gestaltet. Vermutlich aus finanziellen Gründen wurde die Studie aber bereits nach Stufe 1 abgebrochen. So entstand lediglich die Front samt Cockpit.

Bildergalerie

Eckig, rund, markant

Der Blick auf die Entwicklung von Wohnmobil-Designs in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zeigt, dass Colani mit seinen Ideen, seinen ausgefallenen und aerodynamischen Designs seiner Zeit voraus war. Aktuell lässt sich das sehr gut im Erwin Hymer Museum in Bad Waldsee erkennen: Hier ergänzt das Colani-Mobil den Kontext der Ausstellung „Quality Time on Wheels“, in der Designstudenten auf einer großen Panoramawand mit Modellen, Skizzen und Computeranimationen ihre Zukunftsvisionen über die Mobilität von Morgen präsentieren.

Zwischen dem Hymermobil von Colani stehen hier auch Exponate wie ein Niesmann+Bischoff aus den 80er-Jahren und der Hymer Vision Venture, den Hymer auf dem Caravan Salon 2019 präsentierte. Es fällt auf: In den Design-Ideen der Studenten, wie mobiles Reisen in Zukunft aussehen könnte, spiegelt sich vieles wider, was Colani schon Anfang der 1990er-Jahre bewegte: runde Formen und geschwungene Linien. Welchen Einfluss Colanis Design bis in die Gegenwart hat, zeigen auch die Luxus-Reisemobile von Marchi Mobile.

Redaktion
Philipp Pilson
Philipp Pilson unterstützt das Team der Reisemobil International seit Oktober 2018 und ist Online- und Social Media-Experte.
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