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Interview mit Albert Märkl

„Kilometergeld für Bäume“

„Wohnmobil für Klimaschutz“ – so lautet die Initiative des 61-jährigen Reisemobilisten aus dem hessischen Niedernhausen. Was steckt dahinter?

RMI: Herr Märkl, Klimaschutz steht in Deutschland und Europa ganz oben auf der Tagesordnung. Nun wollen Sie die Initiative „Wohnmobil für Klimaschutz“ gründen. Was versprechen Sie sich davon?

Wohnmobilisten fahren aus Freude am Reisen und Entdecken zu den schönsten und nicht selten auch entlegensten Orten. Wir alle wissen aber, dass wir damit die Umwelt und das Klima belasten. Daher sollten die Wohnmobilbranche und jeder Eigentümer eines Wohnmobils einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz leisten, um eine intakte Natur zu bewahren.

RMI: Welche Grundidee steckt hinter der Initiative „Wohnmobil für Klimaschutz“?

Dass Eigentümer von Wohnmobilen als Mitglieder eines von mir noch zu gründenden Vereins jährlich auf freiwilliger Basis einen kilometerabhängigen finanziellen Beitrag leisten. Dieses Geld soll den Forstbehörden in den Bundesländern zur Verfügung gestellt werden, um damit neue Bäume zu pflanzen.

RMI: Die Reisemobilisten sollen also freiwillig bezahlen – damit sie weiter ihrem Hobby nachgehen können?

So würde ich das nicht ausdrücken. Niemand wird das Reisen mit dem Wohnmobil zukünftig aus Klimaschutzgründen ganz verbieten. Aber es sind außer den bereits bestehenden Dieselfahrverboten zukünftig durchaus weitere Einschränkungen vorstellbar – denken Sie nur an die Diskussion zu Inlandsflügen. Mir geht es darum, dass wir als Wohnmobilreisende einen eigenen sichtbaren Beitrag zur Bewahrung einer intakten Natur leisten.

RMI: Aber würden Sie mit einem solchen Konzept nicht den umstrittenen Plänen einer CO2- Steuer Vorschub leisten?

Das sehe ich nicht so. Mit Einführung einer CO2-Steuer werden Benzin und Diesel teurer. Die CO2-Steuer würde die Eigentümer von Wohnmobilen finanziell belasten. Ich kann verstehen, wenn der einzelne Reisemobilist meint, dass er damit einen ausreichenden Beitrag als Ausgleich für den CO2-Ausstoß geleistet hat. Man kann aber auch der Überzeugung sein, dass dieser Beitrag nicht genug ist – zumal es für die CO2-Steuer einen finanziellen Ausgleich geben soll. Aus diesem Grund basiert meine Initiative auf dem Prinzip der Freiwilligkeit.

RMI: Und Sie rechnen mit der Einsicht der Reisemobilisten? Sagen wir mal so: Das Geld soll zweckgebunden eingesetzt werden.

Einer Studie der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich zufolge bekämpft den Klimawandel nichts so effektiv wie Aufforstung.

RMI: Welche Zahlen legen Sie Ihrem Projekt zugrunde?

Mal angenommen, die durchschnittliche Jahresfahrleistung pro Reisemobil liegt bei 5.000 Kilometern bei einem durchschnittlichen Verbrauch von zwölf Litern auf 100 Kilometer. Dann ergibt sich beim aktuellen Fahrzeugbestand ein Jahresverbrauch von 320 Millionen Litern Diesel, umgerechnet fast 847.000 Tonnen CO2. Laut Dekra entstehen bei der Verbrennung von einem Liter Diesel 2,65 kg CO2. Umgerechnet sind das knapp 1.600 Kilogramm CO2 pro Wohnmobil.

RMI: Und wie wollen Sie diesen Ausstoß mit Bäumen kompensieren?

Eine 35 Meter hohe Fichte, die 100 Jahre alt ist, bindet 2,6 Tonnen CO2. Das bedeutet rein rechnerisch, dass der Baum durchschnittlich pro Jahr 26 Kilogramm CO2 absorbiert. Um den jährlichen CO2-Austoß eines Wohnmobils auszugleichen, müssten pro Fahrzeug pro Jahr 60 Fichten gepflanzt werden. Der Preis pro Pflanze liegt bei 2,50 bis 3,00 Euro. Macht pro Fahrzeug zwischen 150 und 180 Euro.

RMI: Erscheint Ihnen dasnicht als zu hoch für eine freiwillige Zahlung?

Ich sehe das so: Die Eigentümer von Wohnmobilen können sich als Mitglied in besagtem Verein verpflichten, jährlich einen kilometerabhängigen Mitgliedsbeitrag zu bezahlen. Vorstellbar wären ein oder zwei Cent pro gefahrenen Kilometer. Bei durchschnittlich 5.000 Kilometern pro Jahr wäre das ein Jahresbeitrag von 50 bis 100 Euro. Das Geld soll, wie gesagt, ausschließlich die Pflanzung von Bäumen in Deutschland finanzieren. Ein Kilometergeld für Bäume machte das Reisen im Wohnmobil zumindest in Teilen klimaneutral.

RMI: Welche nächsten Schritte haben Sie geplant?

Das Projekt steckt erst in den Anfängen. Ich habe die großen Wohnmobilhersteller angeschrieben und sie um Unterstützung gebeten. Gleichzeitig stehe ich mit Forstverwaltungen in Kontakt, um die Möglichkeiten und Rahmenbedingungen zu klären, wie das Geld in die Pflanzung von Bäumen fließen könnte. Großes Interesse habe ich natürlich an den Meinungen der Wohnmobilisten, also der Leser und Leserinnen von Reisemobil International, ob sie dieser Initiative beitreten würden. Ich bin daher sehr an Rückmeldungen interessiert. Entweder über die von mir auf Facebook eingerichtete Gruppe „Wohnmobil für Klimaschutz“ oder per E-Mail: wohnmobil.fuer.klimaschutz[at]gmail.com.

Redaktion
Claus-Georg Petri
Claus-Georg ist seit 1995 bei der Reisemobil International und ist Experte für Reisen und Hintergründe und alles Mögliche.
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