Normen, Richtlinien, Verordnungen: Im Dschungel aus Amtschinesisch verirrt sich so mancher Reisemobilist hoffnungslos. Für Orientierung sorgen nicht einmal die Inhalte in den Zuladungsnormen EN 1645-2 und EN 1646-2, sie sind wachsweich formuliert und lassen viel Spielraum für Interpretation. Gerade die EN sollte aber bei Fahrzeugherstellern und Käufern für Sicherheit sorgen.

Die Paragraphen-Schubserei kann dem Reisemobilfahrer im Grunde auch egal sein. Geht es um Gewichte, sollte sein Interesse einem einzigen Wert gelten: der tatsächlichen Restzuladung seines Fahrzeugs. Was darf ich tatsächlich einpacken, ohne im In- oder Ausland einen deftigen Strafzettel für Überladung zu kassieren? Und unsere europäischen Nachbarn sind diesbezüglich nicht gerade zimperlich.

Doch die Zuladung  lässt sich gar nicht so einfach ermitteln. In den Katalogen der Hersteller ist oft nicht ersichtlich, welche Ausstattung schon bei der Masse im fahrbereiten Zustand berücksichtigt wurde. Der kleinste Motor im Basisfahrzeug womöglich? Ohne Klimaanlage, Markise und Fahrradträger? Sicherlich ohne Allrad. Wer später nicht übel überrascht werden möchte, greift rechtzeitig zu Stift und Taschenrechner und addiert jede noch so kleine Sonderausstattung des Basisfahrzeugs und die gewünschte Zusatzausrüstung wie beispielsweise Markise, Heckträger oder Klimaanlage. In der 3,5-Tonnen-Klasse gilt hierbei aber: Beschränken Sie sich aufs Wesentliche.

Seit dem 10.01.2014 muss der Hersteller dem Käufer ein CoC-Papier (Certificate of Conformity) aushändigen. Diese Übereinstimmungsbescheinigung muss unter Punkt 13.2 die tatsächliche Fahrzeugmasse aufführen, die Summe aus Masse in fahrbereitem Zustand und der vom Käufer gewünschten Zusatzausrüstung.

Die Crux: Die Masse im fahrbereiten Zustand ist ein dehnbarer Faktor. Sie darf laut Gesetzgeber um fünf Prozent abweichen, ohne dass sich daraus ein Sachmangel ergibt. Versichert Ihnen der Hersteller somit ein Fahrzeug mit 3.017 Kilogramm in fahrbereitem Zustand, darf das Fahrzeug nachher auch 3.167 Kilogramm auf die Waage bringen. Diese Diskrepanz reduziert die effektive Zuladung natürlich schmerzlich um kapitale 150 Kilogramm. Wer hiervon nicht überrascht werden will, rechnet die fünf Prozent von vornherein ein.

Fein raus sind übrigens Käufer von gebrauchten Fahrzeugen. Sie können die tatsächliche Fahrzeugmasse vom Händler fordern – und diese samt Wiegeprotokoll am besten unter „Sonstige Vereinbarungen“ im Kaufvertrag fixieren lassen.

Eine gewaltige Schiebemasse für die exakte oder weniger exakte Ausweisung der Masse im fahrbereiten Zustand schlummert im Frischwasser. Zwar liefert die Straßenverkehrszulassungsordnung § 42 Abs. 3 StVZO hierzu eine klare Aussage – der Frischwassertank ist zu 100 Prozent gefüllt, doch können Hersteller eine sogenannte Fahrbefüllung ausweisen. Diese liegt dann bei häufig nur 20 oder 30 Litern und kaschiert eine ansonsten recht enge Restzuladung. Ein Reisemobil, das allerdings nur mit faktisch leerem Frischwassertank auf die Straße darf, erfüllt sicherlich nicht den Anspruch der meisten Reisemobilisten. Daher sollten Sie diesen Punkt bei der Berechnung der Restzuladung kritisch begutachten.

Von Karsten Kaufmann
Foto: Heiko Paul

Den vollständigen Artikel mit weiteren Infos und Zuladungstabellen finden Sie in der Ausgabe 9/2015 von Reisemobil International.

2017-10-05T09:18:01+02:00Ratgeber|3 Kommentare