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Haltbarkeit und Winterfestigkeit von Dieseltreibstoff

Alter Diesel im Tank? Gefahr im Verzug

Coronabedingt stehen zahlreiche Reisemobile seit zig Monaten ungenutzt in der Garage oder unterm Carport – einige seit fast zwei Jahren. Reinhüpfen, Zündschlüssel drehen und los geht es? Keine gute Idee. Zumindest nicht, wenn der Diesel im Tank älter als sechs Monate ist.

Diesel hat die extrem unangenehme Eigenschaft, verhältnismäßig schnell zu altern. Innerhalb von wenigen Monaten bildet sich Ameisensäure und Wasser im Diesel. Ein fieses Gemisch. Es ist hochgradig korrosiv und setzt Metall sowie Dichtungen und Motorbauteilen extrem zu. Kurzum: Die alte Plörre sollte raus – und zwar möglichst schnell. Keine gute Idee wäre es hingegen, den alten Diesel zu verfahren. Eine Kurzstrecke in die Werkstatt geht gerade noch okay. Dann heißt es ablassen, neu betanken und Diesel mit einem Additiv haltbar machen, beispielsweise mit „Diesel Schutz“ von Liqui Moly.

Wer sein Fahrzeug im Winter bewegt, sollte auf eine andere Diesel-Eigenheit vorbereitet sein. Die wachsartigen Bestandteile des Diesels flocken bei frostigen Tieftemperaturen gerne einmal aus und verstopfen Leitungen und Kraftstofffilter. Motorstart? Fehlanzeige. Dann hilft nur eins: Reisemobil in eine beheizte Halle schleppen und auftauen.

Ein lästiges und zudem überflüssiges Szenario, das bei reinem, nicht wintertauglichen Sommerdiesel aber vorprogrammiert ist. Übergangsdiesel, der bis zu Temperaturen von minus zehn Grad Celsius keine Probleme machen sollte, ist erst ab Oktober verfügbar, ab Mitte November bis Ende Februar gibt es an Tankstellen richtigen Winterdiesel, der theoretisch bis minus 20 Grad Celsius problemlos zum Einsatz kommen kann. OMV, BP oder Aral bieten über das ganze Jahr Hochleistungsdiesel mit derselben hohen Qualität an. Die exklusiven Treibstoffe kosten aktuell satte 20 Cent mehr als „normaler“ Diesel. Dafür lassen selbst Temperaturen von minus 35 bis 40 Grad den Treibstoff unbeeindruckt.

Als Alternative bieten sich Additive für den normalen Diesel an. Ein Liter vom bewährten Wagner „Diesel Winter Frostschutz“ optimiert 500 Liter Winterdiesel für den Einsatz bei Temperaturen von bis zu minus 28 Grad, was durchaus ein solider Wert ist. Kostenpunkt: 20 Euro der Liter – oder umgerechnet vier Cent pro Liter Treibstoff. Noch günstiger wird es mit Fließ-Fit von Liqui Moly, das im Fünf-Liter-Gebinde nur rund 55 Euro kostet und den Liter Diesel – je nach Mischungsverhältnis – nur ein bis zwei Cent verteuert.

Harry Hartkorn, Anwendungstechniker von Liqui Moly: „Wenn Winter-Diesel nicht verfügbar ist oder ein kräftiger Temperatursturz droht, schaffen Fließverbesserer wie Diesel-Fließ-Fit von Liqui Moly Abhilfe. Je nach Qualität des Dieselkraftstoffes macht das Konzentrat diesen für Temperaturen von bis zu minus 31 Grad Celsius fit.“ Kurzum: Bei extremen Temperaturen empfehlen Motor-Experten grundsätzlich die Verwendung von Additiven oder Premium-Kraftstoffen, insbesondere wenn Fahrzeuge nachts im Freien stehen.

Last but not least ein Tipp von Marc Schulte, Pressesprecher von BP Europa: „Aufgrund längerer Standzeiten von Reisemobilen sollten Fahrzeuge nicht vollgetankt werden, wenn nicht geplant ist, längere Strecken zurückzulegen. Auch dann gilt: Erst volltanken, wenn das ganze System über die Rückflussleitung des Motors aufgewärmt und eventuell vorhandene Paraffine aufgelöst wurden. Das gelingt bei weniger Sprit im Tank schneller.“

Tipps für den problemlosen Wintereinsatz des Reisemobils

  • Kraftstofffilter (hier sammeln sich manchmal geringe Mengen Wasser) möglichst vor dem Winter ersetzen und Filtergehäuse trocken wischen.

  • Im Winter Fahrzeug nicht windexponiert parken, da hier Temperaturen noch deutlich tiefer absinken können.

  • Stehen immer nur Kurzstrecken an, sollte das Reisemobil nicht vollgetankt werden. Über die Rückflussleitung erwärmt sich der Diesel, im Idealfall taut schon versulzter Treibstoff schneller auf als ausgeflockte Paraffine Leitung und Filter zusetzen können.

  • Bei Temperaturen unter minus 10 Grad empfiehlt Reisemobil International vor dem Tanken ein Additiv zuzusetzen.

  • Finger weg von Petroleum oder Benzin – solche „Additive“ können moderne Motoren schädigen.

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Redaktion
Karsten Kaufmann
Karsten Kaufmann ist seit 2007 bei der Reisemobil International und ist Experte für Praxis und Zubehör.
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