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Wohnmobil nachrüsten

Reisemobile verschlimmbessern

Diese „Optimierungen“ sollten Sie vermeiden. Tipps zur fachgerechten Installation von Ablasshähnen und Solarpanels.

Hut ab vor Hobbybastlern. Nicht wenige avancieren, kaum im Besitz eines Reisemobils, zu engagierten Schraubern mit viel Sinn für Handwerksqualität. Mitunter ist der Spaß an handwerklichen Arbeiten der treibende Motivator, häufig jedoch der Frust über die teils hanebüchene Ausbauqualität sowie viele eher unpraktische Lösungen in und am Fahrzeug. So wird gebohrt, geschraubt, optimiert und verschönert. Regalsysteme werden installiert, Schubladen entklappert, mitunter in Eigenregie ein ganzes Chassis aufwendig rostversiegelt.

Natürlich unterstützt auch Reisemobil International immer wieder mit hilfreichen Praxistipps und Anregungen zu DIY-Projekten – denn viele Optimierungen wären, würde man das Fahrzeug hierfür in die Werkstatt bringen, schlicht unbezahlbar.

Leider kursieren im Internet und auf bekannten Video-Plattformen nicht nur kompetente und sinnvolle Tipps zum Wohnmobil nachrüsten. In einigen Channels trifft man auf gefährliches Halbwissen, das der Autor eigentlich nicht mit anderen, hilfesuchenden Personen teilen sollte.

Über zwei dieser vermeintlich kompetenten Tipps bin ich kürzlich gestolpert. Der eine blendet in geradezu fahrlässiger Art und Weise wichtige Gesundheitsaspekte aus, der andere zeugt von mangelnden Grundkenntnissen technischer Zusammenhänge.

Schlechter Tipp 1: Wir basteln uns einen komfortabel zu bedienenden Abwasserhahn für den Frischwassertank

Grundsätzlich eine gute Idee. Denn: Häufig muss zum Ablassen des Frischwassers am Tankboden ein Stöpsel gezogen werden. Das ist in der Tat umständlich und in vielen Fahrzeugen miserabel gelöst. Wer nun allerdings unterflur, am Ende des Ablaufrohrs, einen Gardena-Hahn installiert und den jetzt überflüssigen Stöpsel im Tank entfernt, nutzt quasi die Abwasserinstallation (Rohre) unterhalb des Frischwassertanks zum Lagern von Frischwasser. Diese Bauteile entsprechen in ihrer Qualität nicht den Vorgaben der Trinkwasser-Norm. Wenn Umbau, dann bitte nur mit lebensmittelechten Bauteilen.

Schlechter Tipp 2: Beim Verkleben von Solarpanels oder Solarhaltern Edelstahlmuttern als Abstandshalter verwenden

Beim Verkleben von Solarhaltern oder Flachmodulen muss eine gewisse Schichtstärke des Klebers (Sika oder Dekalin) unbedingt eingehalten werden. Wir reden hier von etwa drei bis fünf Millimeter. Damit Hobbybastler nun die Solarhalter oder Solarpanels nicht zu tief in den Kleber drücken und somit die nötige Schichtstärke unterschreiten, empfehlen „Experten“, kleine M6-Edelstahlmuttern in den Kleber zu legen.

Drückt man Halter oder Panel nun in den Kleber, liegen die Bauteile irgendwann auf der Mutter auf – die Mindeststärke Kleber ist garantiert. Aber: Der Kleber soll nicht nur eine hochfeste Verbindung garantieren, er dient auch – und das ist ein wichtiges Kriterium bei Schichtklebern – zum Entkoppeln und Schwingungsdämpfen – was die Muttern nun wirkungsvoll verhindern. Zudem: Wer ein derart verklebtes Flachmodul begeht, riskiert Schäden durch die punktuelle Belastung der Zellen.

Redaktion
Karsten Kaufmann
Karsten Kaufmann ist seit 2007 bei der Reisemobil International und ist Experte für Praxis und Zubehör.
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