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Wohnmobil überladen

So bleibt Ihr Wohnmobil unter 3,5 Tonnen

Viele wollen es: ein Wohnmobil als 3,5-Tonner. Welche Tücken die Gewichtsbeschränkung hat, welche Vorteile sie im Gegenzug aber durchaus mit sich bringt, das klärt dieser Ratgeber.

Ein Reisemobil mit einer zulässigen Gesamtmasse von 3,5 Tonnen ist Fluch und Segen zugleich. Segen, weil die Gewichtsbeschränkung zahlreiche Vorteile mit sich bringt. Das Reisemobil ist in vielen Punkten einem Pkw gleichgestellt: Es darf so schnell fahren wie es die zulässige Höchstgeschwindigkeit erlaubt, auf Pkw- Parkplätzen parken – vorausgesetzt, seine Maße lassen dies zu –, zahlt häufig nicht mehr Maut als ein Kleinwagen und kann auch von Kindern und Enkeln gefahren werden, die ihren Führerschein nach dem 1. Januar 1999 erworben haben (Klasse B).

Der Fluch: die Gewichtsbeschränkung selbst. Denn 3,5 Tonnen sind gar nicht mal so viel. Trotz aller Leichtbaubemühungen der Hersteller hat man das Wohnmobil schnell überladen, vor allem, wenn viel Sonderausstattung und Zubehör an Bord ist. Manche Fahrzeuge scheiden daher von vornherein als 3,5-Tonner aus. Neben Linern und vielen großen Integrierten sind dies auch einige Teilintegrierte und selbst zahlreiche Kastenwagen – und nicht nur, wenn es sich um Mercedes-Benz Sprinter mit gewichtigem Allradantrieb handelt.

Trügerische Werte im Fahrzeugschein

Selbst wenn der Farbprospekt der Hersteller eine attraktive Zuladung verspricht – von diesem Wert sollten sich Interessierte und Käufer nicht blenden lassen. Denn was in der Theorie noch ganz einfach klingt (zulässige Gesamtmasse minus Masse in fahrbereitem Zustand = Zuladungsreserven), ist in der Praxis oft deutlich komplizierter.

Auch wenn der Hersteller beide Werte angeben muss und diese im Fahrzeugschein zu finden sind – vor allem die Masse im fahrbereiten Zustand hat ihre Tücken. Sie gibt lediglich Auskunft über die Daten eines einzelnen, vom Hersteller beim TÜV vorgeführten Modells mit Serienausstattung (inklusive 75 kg für den Fahrer).

Wer einen stärkeren Motor, Allradantrieb oder Luftfederung ordert, muss dieses zusätzliche Gewicht obendrauf rechnen. Dasselbe gilt für vom Händler oder Hersteller montierte Sonderausstattung wie Fahrradträger, Markise, Sat- und Klimaanlage oder verschiedene Chassis- oder Komfortpakete.

Wohnmobil überladen: Das Urlaubsgepäck wiegt schwer

Ein zweiter Punkt, den viele Reisemobilisten unterschätzen: das Gesamtgewicht ihres Gepäcks. Die paar Kleidungsstücke, Schuhe und Handtücher, die wenigen Töpfe und Lebensmittel und die drei Bücher, Tablets und Spiele – hier kommen erstaunliche Mengen zusammen. Fahrräder und Campingmöbel, Grill und Geschirr addieren sich noch dazu, möglicherweise sogar weitere Sportgeräte etc., etc. Reisemobil International hat deshalb bereits vor zwei Jahren die Probe aufs Exempel gemacht und das gesamte Gepäck von zwei Personen für zwei bis drei Wochen Sommerurlaub auf die Waage gestellt. Das Ergebnis: Knapp 180 Kilogramm kamen insgesamt zusammen.

 

Und welche Zuladungsreserven benötigt ein 3,5-Tonner tatsächlich, damit er sich in der Praxis als solcher nutzen lässt? Diese Frage lässt sich nur für jeden einzelnen Reisemobilisten individuell beantworten. Je nach Umfang des Gepäcks, Hobbys und Reisegewohnheiten benötigen die einen deutlich mehr Zuladung als die anderen.

Als grobe Faustregel lässt sich aber festhalten: Wiegt ein Fahrzeug samt Sonderausstattung mehr als 3.000 Kilogramm, taugt es als 3,5-Tonner maximal für zwei Personen. Wer mit drei oder mehr Personen auf Tour geht, benötigt ein deutlich leichteres Fahrzeug – oder wählt eins mit zulässiger Gesamtmasse von 3,8 oder mehr Tonnen.

Auch Auflastung birgt Nachteile

Wer sich für eine Auflastung – oder beim Neukauf gleich für einen 3,8- oder 4-Tonner – entscheidet, muss jedoch auch die Nachteile bedenken, die dieses höhere Gewicht mit sich bringt. Dazu zählen unter anderem teurere Strafzettel, in den meisten Ländern höhere Mautgebühren, Fahrverbote zum Beispiel in Innenstädten sowie Lkw-Geschwindigkeitsbegrenzungen und Überholverbote.

Was Sie auf keinen Fall tun sollten: den 3,5-Tonner bedenkenlos mit Sonderausstattung und Gepäck vollladen, mit den Schulter zucken und einfach auf gut Glück losfahren. Denn ein überladenes Fahrzeug birgt Sicherheitsrisiken. Die Fahrstabilität nimmt ab, das Reisemobil kann in Kurven ausbrechen, der Bremsweg verlängert sich deutlich. So unterwegs, ist das Fahrzeug nicht nur für die Insassen selbst eine Gefahr, sondern auch für alle anderen.

Infobox

Den vollständigen Ratgeber mit vielen Hintergrund-Infos und praktischen Tipps zum Thema 3,5-Tonnen-Beschränkung lesen Sie in der April-Ausgabe 2020 von Reisemobil International – jetzt am Kiosk oder als PDF.

Redaktion
Maren Schultz
Maren Schultz ist seit August 2014 bei der Reisemobil International und für die Themen Praxis & Zubehör zuständig.
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