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Reise Istrien, Kroatien

Mitten ins Herz

Weit ragt Istrien in die Adria hinein: Die herzförmige Halbinsel ist bei Reisemobilisten ein beliebtes Ur- laubsziel. Kein Wunder, bietet dieser gut erreichbare Teil Kroatiens eine Mischung aus uralten Städten, glasklarem Wasser und angenehmen Campingplätzen.

Meer, endlich. Hier, unter dem Leuchtturm von Savudrija, klatscht und tost die Adria an eine felsige Klippe, auf der sich Reisemobile aus Deutschland und Europa säumen. Ein Stellplatz, von dem jeder Urlauber schon zu Hause schwärmt: Da will ich hin.

Obwohl ein Verbotsschild eindeutig regelt, dass an dieser Bilderbuchstelle Freizeitfahrzeuge von 21 bis 6 Uhr nichts zu suchen haben, wirken die Urlauber an ihrem Platz mit Blick aufs Meer mehr als entspannt: „Dass wir hier stehen, dulden sogar die Betreiber der zwei Campingplätze im Ort“, bestätigt ein Reisemobilist aus Köln. Tatsächlich scheucht hier niemand nachts die Gäste weg – jedenfalls nicht außerhalb der Hauptsaison.

Womöglich liegt das daran, dass die mobil Reisenden von ihrem Stellplatz aus durchaus im Shop des Camping IN Pineta einkaufen gehen: Brötchen und Oliven, Eis am Stiel und Sonstiges für den Tag am Meer. Besonders günstig: An der Rezeption dient sich ein Bankautomat an: 2.000 Kuna (275 Euro) sind die Obergrenze der Landeswährung pro Ziehung. Für manchen Neuankömmling im Norden Istriens gerade genug, um von hier aus nach Süden durchzustarten.

Mit dem Reisemobil nach Kroatien.
Foto: Claus-Georg Petri

Doch zunächst lohnt es sich, den Nordostzipfel der Halbinsel Istrien nördlich der Stadt Umag zu entdecken und sich so auf die hier übliche, eher gemütliche Gangart einzustellen. Außerdem kommt der längere Aufenthalt den freundlichen Gastgebern zugute. So schmeckt der fruchtig-bunte Cocktail in der Bar am nahen Kreisverkehr in Savudrija mit Blick aufs Meer oder der Fisch im Restaurant mit Seeblick einfach ein bisschen besser. Eben nach Urlaub.

Von beidem gibt es reichlich in Istrien. Es ist diese wohlausgewogene Mischung aus glasklarem Wasser der Adria, felsigen Küstenstrichen mit schattenspendenden Pinien und überschaubaren, mit Kultur, Restaurants und Straßencafés vollgepfropften Städtchen venezianischen Ursprungs, die den Reiz der Halbinsel ausmacht. Nicht zu vergessen natürlich das überaus gute Wetter, für das Istrien bekannt ist.

Das sind die besten Voraussetzungen, um mit dem Reisemobil das nur 80 mal 60 Kilometer große Istrien unter die Räder zu nehmen. Dabei lohnt es sich unbedingt, auf die Autobahn zu verzichten. Nicht nur wegen der hier fälligen Maut, auch wegen der unvermeidlichen Langeweile. Nicht so beim Bummeln über die durchaus gut ausgebauten Landstraßen in der abwechslungsreichen Landschaft.

Etwa bei der Fahrt von Savudrija gen Süden, immer entlang der Westküste. Vorbei führt das kurvige Asphaltband an sehenswerten Städten: Umag, Novigrad und Poreˇc bieten nicht nur einen Campanile, also einen dieser viereckigen, venezianischen freistehenden Glockentürme neben einem Gotteshaus. In den Zentren der alten Orte quetschen sich würfelige Häuschen an mit Kopfstein gepflasterten Gassen entlang.

Woher kommt dieser hier so durchgängig kultivierte Baustil? Sein Ursprung liegt in der 400- bis 600-jährigen Herrschaft der Republik Venedig über Istrien. Bis heute ist der Einfluss der benachbarten Region Venezien zu spüren – auch in der Sprache: Im kroatischen (überwiegenden) Teil Istriens sind Kroatisch und Italienisch die Amtssprachen. Straßenschilder und Hinweistafeln zum Beispiel auf Weingüter, Restaurants und Orte sind in diesen beiden Sprachen beschriftet. So heißt etwa die Stadt Vrsar auch Orsera.

Dieser pittoreske Ort wenige Kilometer nördlich des Meeresarms Limski-Kanal hat weit mehr zu bieten als seinen Campanile: eine empfehlenswerte Bleibe für mobile Gäste nämlich. In Laufnähe erstreckt sich Camping Orsera an einer weitläufigen Bucht. Der terrassenförmig angelegte Platz ist äußerst gepflegt, bestanden von vielen Bäumen. Von den 535 Parzellen erhaschen Urlauber stets einen Blick aufs türkisblaue Wasser.

Zu der Anlage gehört außer einem Restaurant und einem kleinen Shop ein Bootsverleih: Mit Tret- oder Paddelboot geht es dann zu einer der kleinen vorgelagerten Inseln.

Der Abstecher nach Vrsar lohnt sich auf alle Fälle, zumal die schummerige St.-Martin-Kirche am höchsten Punkt des 2.162-Einwohner-Städtchens in wenigen Minuten zu Fuß vom Reisemobil auf dem Camp aus erreicht ist. In dem Geflecht aus kopfsteingeflasterten Gassen und hochragenden Häusern eröffnen sich spannende Perspektiven: Segelboote und Fischerkähne im Hafen, Bänke unter schattenspendenden Bäumen.

Beliebtes Ziel internationaler Urlauber ist der Limski-Kanal. Dieser zehn Kilometer lange, durch den Fluss Pazinˇcica gegrabene Meeresarm erstreckt sich zwischen Vrsar und Rovinj. Sein Name stammt aus der Zeit der Römer vom Wort Limes für Grenze. Am Ufer des fjordartigen, dicht bewaldeten Gewässers sind Fisch- und Muschelzuchten angesiedelt, ebenso mehrere Restaurants und Souvenirläden.

Mit dem Wohnmobil nach Kroatien.
Foto: Claus-Georg Petri

Die Parkplätze dienen aber eher Bussen, die hier Urlauber abladen. Die begeben sich auf Ausflugsschiffe, um mit etwas Glück Delfine in dem grün schillernden Gewässer zu beobachten. Reisemobile indes dürfen hier nur tagsüber stehen.

Tipp: Wer sich schon aus der Ferne einen Überblick über den Limski-Kanal verschaffen will, hält bei einem Souvenirstand an der Hauptstraße nahe Krunˇci´ci: Dort lockt ein Aussichtsturm, der an einen hölzernen Wachturm der Römer erinnert – Honig mit Walnüssen und heimische Liköre warten in der Auslage auf kauffreudige Leckermäuler.

Von hier sind es noch gut 50 Kilometer über die Straßen 75 und 21 bis Premantura am Südzipfel Istriens. Gerade mal 850 Einwohner leben in dem Ort nahe des Naturschutzgebiets Kap Kamenjak.

Auf dem Campingplatz Stupice finden sich viele Surfer ein und Reisemobilisten, die gern eine gewisse Ursprünglichkeit genießen. Die Plätze möglichst nah am Wasser unter einer Pinie sind begehrt, entsprechend rar und immer ein wenig schräg. Auf einer kleinen, baum- und sogar strauchlosen Halbinsel stehen die Hartgesottenen Wassersportler in der prallen Sonne.

Allen Campern eröffnet sich ein weiter Blick über eine Bucht, in der Kitesurfer an ihrem Drachen hängen und Windsurfer über das blaue Meer zischen. Schnorchler ergründen das herrliche Nass mit dem Blick in die Tiefe. Wer sein Rad dabei hat, tritt in die Pedale zum Kap Kamenjak, an dem Istrien sein Ende findet.

Infobox

Den vollständigen Reisebericht finden Sie in der August-Ausgabe 2015 der Reisemobil International.

Redaktion
Claus-Georg Petri
Claus-Georg ist seit 1995 bei der Reisemobil International und ist Experte für Reisen und Hintergründe und alles Mögliche.
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