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Reise Südtirol

Ladinien auf der Spur

Natur und Aussicht ziehen Wanderer in die Berge der Dolomiten. Wein und hausgemachte Schlutzkrapfen locken sie wieder ins Tal. Diese ladinische Lebenskultur erleben Urlauber in Südtirol.

Rums. Mit einem Ruck kommt die Seilbahn auf der Gipfelstation zum Stehen. Die Wandergruppe zieht die Reißverschlüsse ihrer Windjacken zu, dann geht’s raus. In zweieinhalbtausend Meter Höhe ist es fühlbar kälter, selbst bei strahlendem Sonnenschein.

„Hab ich euch zu viel versprochen?“, grinst Ralph in die Runde. Schon oft war der Hobbywanderer aus der Pfalz in Südtirol unterwegs. Die Urlauber stehen an der Gipfelstation des Secedas. Der Berg gehört zu der Südtiroler Region Gröden und somit zu Ladinien.

Dieser Sprach- und Kulturraum umfasst mitten in den Dolomiten das Gebiet rund um Bozen, Trient und Belluno. Waschechte Ladiner sprechen noch heute Ladinisch. Die Sprache stammt vom Volkslatein, das gegen Ende des römischen Reiches in den Alpen gesprochen wurde. Ladiner sind stolz auf ihre Sprache, Kultur und Tradition. So lernen die Kinder an Schulen Ladinisch, und in Funk und Fernsehen gibt es ladinische Programme.

Besonders für Wohnmobilisten ist Südtirol samt Ladinien eine Reise wert – trotz (oder wegen?) der vielen Serpentinen. Oft lässt es sich leicht Halt machen und so Land und Leute direkt erleben. Zudem bietet die Region eine gute Auswahl an Stell- und Campingplätzen. Die Wandergruppe etwa hat ihren Stellplatz beim Hotel Pontives aus östlicher Richtung über das Grödner Joch aus erreicht und die Reisemobile in St. Ulrich abgestellt.

Jetzt sind die Urlauber auf dem Seceda-Gipfel auf 2.519 Meter über NN. Hier eröffnet sich ihnen ein 360-Grad-Panorama. Die Dolomiten sind an ihren Spitzen mit Schnee besprenkelt. Unter ihnen liegen Wiesen, durchzogen von Wäldern und Wanderwegen. Hier und da steht eine Almhütte. In den Tälern sind Dörfer zu sehen, kitschig schön. „Hier sieht es aus wie auf einer Postkarte“, bemerkt eine Urlauberin begeistert.

Die Dolomiten mit ihren mehr als 142.000 Hektar zählen zu den schönsten Gebirgsketten der Alpen. Außer in Südtirol erstrecken sie sich bis in die südlicheren Provinzen Belluno und Trentino und reichen sogar noch ins österreichische Osttirol. Zu den höchsten und bekanntesten Gipfeln zählen die 3.343 Meter hohe Marmolata, höchster Gipfel des Massivs, und der Langkofel mit 3.181 Metern Seehöhe. Drei Zinnen, Rosengarten und die Geislergruppe erreichen die 3.000 Meter über NN. Im Jahr 2009 hat sich die UNESCO dazu entschlossen, die Dolomiten wegen ihrer geologischen und landschaftlichen Bedeutung zum Weltnaturerbe zu ernennen.

Nachdem der erste Eindruck verarbeitet ist, brechen die Wanderer auf gen Gipfel. Der Schotterweg hoch zum Panorama-Aussichtspunkt ist recht kurz, dafür steil. Schnaufend, aber glücklich erreichen die Wanderer in gut 15 Minuten das Gipfelkreuz.

Ihr Blick fliegt über die Secada Alm ins Tal. Links Geislerspitzen und Puezgruppe, mittig die Sellagruppe. Leicht rechts davon ragt der Langkofel in den Himmel. Schräg hinter ihnen erstreckt sich die Seiser Alm, größte Hochalm Europas, samt Rosengartengruppe auf der rechten Seite, es schließen sich die Sarntaler Alpen an. Wunderschön.

Jetzt erst geht die Tour richtig los. Ein kleiner Abstieg wieder zurück gen Gipfelstation, dann biegen die Wanderer ab, links auf Wanderweg Nummer 1. Die Beschilderung ändert sich nach kurzer Zeit von 1 in 2 B. Die Gruppe läuft rechts von den Geislerspitzen über Wanderwege, ohne große Anstiege zu nehmen.

Bald erscheint die Hütte der Troier Alm rechts von ihnen. Ein Stopp kommt nicht in Frage, schließlich haben die Urlauber noch ein gutes Stück Weg vor sich. Sie laufen weiter, vorbei an einem weiteren Einkehrort, dem Runcaudie-Hof. Hier folgt ein kurzer Anstieg, belohnt von einem kleinen Highlight: dem Piera Longia. Rund 50 Meter ragt dieser überhängende Felszahn auf 2.297 Meter Seehöhe himmelwärts. Bei gutem Wetter erklimmen ihn furchtlose Kletterer.

Ausblick und Wetter könnten besser nicht sein. Die Urlauber laufen weiter über den Wiesenboden Plan Ciautier. Von der Gipfelstation bis hierher hat die Gruppe gut eineinhalb Stunden gebraucht. Die Freude steigt, als die Wanderer das Schild der Wanderroute 13 in Richtung Regensburger Hütte erreichen.

Diese Schutzhütte heißt auf Italienisch Refugio Firenze, sie steht auf 2.040 Meter über NN. Ideal, um sich zu stärken. Auf der Sonnenterrasse lassen sich die Wanderer auf Holzbänken nieder, die aus halbierten Baumstämmen gefertigt sind. Kinder schaukeln auf dem Spielplatz nebenan, Kühe grasen in der Sonne.

Die Wanderer bestellen Südtiroler Schutzhüttenbrettle – Brotzeit auf Holzbrett mit Speck und Käse. Im Korb gibt’s dazu frisch gebackene Semmeln und Schüttelbrot. Das ist eine regionale Spezialität aus Fladenbrot, das so lange gebacken wird, bis es hart ist. Knusprig und sehr würzig, eine Herausforderung für Zähne und Kaumuskeln.

„Das tut gut“, schnauft Ralph. In geselliger Runde wird gegessen und getratscht, die Wanderer genießen den Ausblick. Gräser und Blumen neigen sich im leichten Wind auf der vor ihnen liegenden Alm.

Der Höhenunterschied zum Seceda ist fühlbar, es ist wärmer. Die Urlauber trinken ihr Gläschen St. Magdalener aus, einen trockenen Rotwein – perfekt zur leichten Mahlzeit. Kurz verschnaufen, dann binden sie die Schnürsenkel ihrer Wanderschuhe fest.

Weiter geht es über Wanderweg 4, vorbei an der Odles Hütte. Kurz danach passieren die Urlauber das Almhotel Col Raiser, eine weitere Einkehrmöglichkeit. Hier steht auch die Bergstation der Col Raiser-Kabinenbahn. Die Talstation befindet sich in dem kleinem Ort Plan Da Tieja östlich von St. Ulrich.

Der Weg verläuft in westliche Richtung, Schneereste auf der Puezgruppe glitzern in der frühen Nachmittagssonne. Das Bilderbuchidyll nimmt kein Ende.

Bald ist die Gamsblüthütte erreicht. Der Wanderweg wird breiter, verläuft weiter ins Tal entlang von Waldhängen, die immer wieder von Lichtungen durchsetzt sind, vorbei an dem Runcaudi-Hof. Nach weiteren zweieinhalb Stunden ist St. Ulrich in Sicht. Eine Wanderung mit tollen Ausblicken, die zwar mit fünf Stunden lang, aber für Wanderer mit durchschnittlicher Kondition gut machbar ist.

Die Stille der Berge ist vorbei, hier wuselt das Leben. Touristen fotografieren bunte Hausfassaden, Fachwerkhäuser und kleine Gassen vorm Alpenpanorama, kaufen Urlaubsmitbringsel und Leckereien. Die St.-Antonius-Kirche aus dem 17. Jahrhundert steht direkt im Zentrum am Antoniusplatz.

Von hier geht es mit dem Bus in 15 Minuten zurück zum Stellplatz. Geschafft vom langen Tag in den Bergen freuen sich alle Wanderer, als sie westlich vom St. Ulricher Zentrum direkt vor dem Hotel Pontives aussteigen. Es bietet Stellplätze ab 20 Euro samt Strom, Wasser und Entsorgungsstation.

Zum Abendessen bestellen die Wanderer im Restaurant des Hotels Südtiroler Schlutzkrapfen – kleine Teigtaschen, die im ersten Moment an Ravioli erinnern. Aber die Südtiroler Version ist vegetarisch und mit einer Spinat-Quark-Mischung gefüllt. Angerichtet werden sie in geschmolzener Butter, mit Parmesan und ein bisschen Schnittlauch. Lecker und nicht zu schwer. Als Nachtisch gibt es hausgemachten Apfelstrudel mit Sahneeis. Mit einem Weißburgunder lassen die Urlauber den Abend ausklingen.

Stellplätze

  • St. Ulrich

    Hotel Pontives, Tel.: 0039-0471/ 797854

  • Klausen

    Gasthaus und Camping Gamp, Tel.: 0039-04728/47425 (ca. 25 Min. Fahrzeit bis St. Ulrich)

  • Kollmann

    privater Stellplatz , 46°35‘15“N/11°31‘27“E, Tel.: 0039-0471/653040, roland.k@hotmail.it (ca. 20 Min. Fahrzeit bis St. Ulrich)

  • Selva

    Talstation Piz Sella, Tel.: 0039-0471/777900 (ca. 20 Min. Fahrzeit bis St. Ulrich)

  • Stern/La Villa

    Parking Odlina, Tel.: 0039-0471/844164 (ca. 60 Min. Fahrzeit bis St. Ulrich)

  • Wolkenstein

    Parkplatz an der Sesselbahn Ciampinoi, Tel.: 0039-0471/772111 (ca. 15 Min. Fahrzeit bis St. Ulrich)

Campingplätze

  • Corvara

    Camping Colfosco, Tel.: 0039-0471 836515 (ca. 50 Min. Fahrzeit bis St. Ulrich)

  • Klausen

    Camping Gamp, Tel.: 0039-0472/847425 (ca. 25 Min. Fahrzeit bis St. Ulrich)

  • Völs am Schlern

    Camping Seiser Alm, Tel: 0039-0471/706459 (ca. 30 min. Fahrzeit bis St. Ulrich)

Infobox

Den vollständigen Bericht lesen Sie in Reisemobil International 11/2015.

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