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Wandern im Harz Nationalpark

Lauter Extreme

Schnellstes Tier, größter Singvogel, einmaliges Wassersystem: Im Nationalpark Harz, einem der beliebtesten Wandergebiete in Deutschland, garnieren Superlative den Weg. Tipps für die schönsten Touren rund um den Brocken – auch für Aktive, die im Reisemobil unterwegs sind.

Wenn Heinz Melzer seinen Hut mit der runden, brettgeraden Krempe aufsetzt und die kakifarbene Jacke zuknöpft, steht sein nächster Rundgang an: Der 62-Jährige ist Ranger im Nationalpark Harz. Heinz Melzers Dienststelle steht auf 810 Meter über NN mit unverbaubarem Blick auf den knapp sechs Kilometer entfernten Gipfel des Brocken. Nicht selten allerdings ist die Rangerstation Altenau-Torfhaus vom Nebel umwabert. „Das gehört zur Atmosphäre im Harz einfach dazu“, lacht der Mann mit den zwei Ohrringen, Lauter Extreme Schnellstes Tier, größter Singvogel, einmaliges Wassersystem: Im Nationalpark Harz, einem der beliebtesten Wandergebiete in Deutschland, garnieren Superlative den Weg. Tipps für die schönsten Touren rund um den Brocken – auch für Aktive, die im Reisemobil unterwegs sind. „hier ranken sich viele Sagen und Legenden, die ihren Ursprung auch darin finden, dass die Gegend so schön rau ist.“ Das gilt besonders für den Brocken, der als Blocksberg seit jeher mit Hexen in Verbindung gebracht wird. Dass dieser Klotz von einem Berg Extreme beim Wetter verzeichnet – tiefste gemessene Temperatur minus 28,4 Grad, höchste Windgeschwindigkeit 263 km/h, bis zu 205 Tage im Jahr mit Schnee bedeckt–, macht die Menschen schon immer empfänglich für Furchteinflößendes wie Hexen.

Dem Brocken hat sogar Goethe in seinem „Faust“ ein literarisches Denkmal gesetzt. Kein Wunder, ist der Dichter doch selbst erstmals ab dem 10. Dezember 1777 von Torfhaus hinauf gewandert auf den Blocksberg. Noch heute zeugt der Goetheweg davon, den der 1886 gegründete Harzklub bereits 1891 befestigte und ausbaute. Wohl ein bisschen nach Gutdünken: „Wo der Dichter exakt gewandert ist, wissen wir nicht“, lacht Heinz Melzer, der seit 26 Jahren seinen Dienst versieht, „aber das ist wohl auch nicht ganz so wichtig.“

Als unheimlich, weil unergründlich galten über die Zeit auch Moore. „Dabei haben die Menschen sie schon im 16. und 17. Jahrhundert kräftig genutzt“, erklärt Heinz Melzer auf einem Bohlengang, der über das Große Torfhausmoor führt. Auf der 30 Hektar großen, waldfreien Fläche wachsen Moose und Wollgras, Besenheide und Zwergsträucher, umschwirrt von Libellen und anderen Insekten. In dem 10.000 Jahre alten Regenmoor mit seiner mehr als fünf Meter dicken Torfschicht quaken Frösche, und es gluckert.

Aus dem Rand des Moores strömt braunes, aber glasklares Wasser. „Es hat einen pH-Wert von unter 4“, erklärt der Ranger, „durch den nährstoffarmen Torf ist es so sauer wie Gurkenwasser.“ Es läuft in künstlich angelegte Kanäle, die Teil des sogenannten Oberharzer Wasserregals sind. Das zählt seit 31. Juli 2010 dank seiner Einmaligkeit als weltweit bedeutendstes vorindustrielles Wasserwirtschaftssystem des Bergbaus zum UNESCO-Weltkulturerbe. Vom 16. bis 19. Jahrhundert diente das weitläufige System – es besteht aus 143 Stauteichen, 500 Kilometer Gräben, 30 Kilometer unterirdischen Läufen sowie unzähligen Schleusen und Abzweigen – dazu, Wasser zu kanalisieren und zu speichern, um damit Wasserräder in Bergwerken anzutreiben.

„Hat sich nicht viel geändert“, weiß Heinz Melzer, „heute erzeugt das hier geleitete Wasser noch immer Strom, allerdings in modernen Turbinen. Jeder Tropfen bringt Geld.“ Dann läuft der Ranger weiter über den Wanderweg, der als Harzer Hexenstieg das Mittelgebirge sowie weite Teile des Nationalparks auf knapp 95 Kilometern in fünf Etappen durchquert. Rechts und links der Strecke ragen abgestorbene, kahle Bäume in den Himmel. Einige geben umgestürzt ein eher trauriges Bild ab.

Bildergalerie

„Müssen wir uns um unseren guten, alten Harz Sorgen machen?“ fragt ein älteres Ehepaar, das auch auf dem Hexenstieg wandert. „Keinesfalls. Die Divise lautet hier: Die Natur auch Natur sein lassen“, erklärt der Ranger, „Totholz ist Lebensraum.“ Tatsächlich sprießt zwischen den abgestorbenen Stämmen junges Grün. Die Ursache für das offensichtliche Waldsterben liege in der Monokultur, in den für die Höhenlage falsch angepflanzten Bäumen, den heißen, trockenen Sommern der letzten Jahre und auch im Befall durch den Borkenkäfer. „Ziel ist, den Wald sich selbst zu überlassen.“

Sieben schöne Wanderrouten durch den Harz

  • Durch das Ilsetal zur Plessenburg, aussichtsreiche Rundtour mit Einkehrmöglichkeit, geologischen und botanischen Sehenswürdigkeiten

    13 km, 3,5 Stunden, mittelschwer, Auf-/Abstieg 490 Hm, Nationalparkhaus Ilsetal, Tel.: 039452/89494.

  • Rund um Lonau, interessante Rundtour mit botanischen Highlights

    8,9 km, 2,5 Stunden, mittelschwer, Auf-/Abstieg: 364 Hm, Rangerstation und Nationalpark-Informationsstelle Lonau, Tel.: 05521/72653.

  • Unterwegs zu den Luchsen, aussichtsreiche Rundtour mit Einkehrmöglichkeit und Seilbahnaufstieg:

    8,8 km, 2,5 Stunden, leicht, Auf-/Abstieg: 393 Hm, Haus der Natur Bad Harzburg, Tel.: 05322/784337, www.haus-der-natur-harz.de; Nationalparkwacht Bad Harzburg, Tel.: 05322/53001.

  • Rund ums Große Torfhausmoor, interessante Rundtour mit botanischen und faunistischen Highlights:

    5,6 km, 1,5 Stunden, leicht, Auf-/Abstieg: 101 Hm, Nationalpark- Besucherzentrum Torfhaus, Tel.: 05320/331790, www.torfhaus.info

  • Rundwanderweg Oderteich

    4,3 km, gut eine Stunde, mittelschwer, Auf-/Abstieg: 59 Hm, Nationalparkhaus Sankt Andreasberg, Tel.: 05582/923074, www.nationalparkhaus-sanktandreasberg.de; NationalparkRevierförsterei Bruchberg, Klaus-Dieter Schultze, Tel.: 05328/321.

  • Durch das Eckerloch zum Brocken, aussichtsreiche Gipfel-Rundtour mit Einkehrmöglichkeit, geologischen und botanischen Highlights

    10,7 km, 2,5 Stunden, mittelschwer, Auf-/Abstieg: 500 Hm, Nationalparkhaus Schierke, Tel.: 039455/477; Brockenhaus, Tel.: 039455/50005, www.nationalpark-brockenhaus.de

  • Goetheweg zum Brocken, aussichtsreicher Rundweg mit Einkehrmöglichkeit

    17,9 km, knapp fünf Stunden, mittelschwer, Auf-Abstieg: 435 Hm, Nationalpark-Besucherzentrum Torfhaus, Tel.: 05320/331790, www.torfhaus.info; Brockenhaus, Tel.: 039455/50005, www.nationalpark-brockenhaus.de

In dem Wald leben auch Hirsche, Wildschweine, Rehe sowie Füchse. Und seit einiger Zeit auch wieder Luchse. Die sind im Harz erst erfolgreich ausgerottet, nun aber ebenso erfolgreich wieder ausgewildert worden. Ein weiteres Tier der Superlative macht auf sich aufmerksam: Der Kolkrabe ist während der Wanderung immer wieder zu hören. „Der größte Singvogel der Welt“, ordnet Heinz Melzer den hierzulande bedrohten Raben ein. Groß – okay: Der Kolkrabe erreicht eine Spannweite von bis zu 130 Zentimetern und ist damit größer als ein Mäusebussard.

Anthropogene Spuren, von Menschen geschaffene Hinterlassenschaften, sind auch an den Wegen immer wieder sichtbar. So führt Heinz Melzer Wanderer zu Gabelungen des Hexenstiegs und zu einem sogenannten Mundloch. „So heißen die Ein- und Austrittsöffnungen der Röschen.“ Dabei handelt es sich um jene Läufe besagten Oberharzer Wasserregals, die unterirdisch durch einen Berg führen. Es gibt viel zu sehen auf dieser Wanderung auf dem Hexenstieg. Kulturelle Spuren ebenso wie die Natur, die sich zurück kämpft in ihr einst angestammtes Gebiet. Damit in Zukunft das hochgesteckte Ziel des Nationalpark Harz verwirklicht wird: „Irgendwann wächst hier wieder ein unberührter Urwald“, ist sich Naturfreund Heinz Melzer sicher.

Stellplatztipps aus dem Bordatlas 2020

Altenau: Stellplatz an der Kristalltherme, Karl-Reinecke-Weg 35, Tel.: 05328/911570, www.kristalltherme-altenau.de und Stellplatz Alter Bahnhof, Rothenbergerstraße 52, Tel.: 0160/7997899, www.alterbashnhofaltenau.com (beide Plätze siehe Bordatlas Deutschland 2020 von Reisemobil International, Seite 8)

Goslar: Stellplatz Füllekuhle, Bertha-von-Suttner-Straße, Tel.: 05321/178060, www.goslar.de OT Vienenburg: Stellplatz Vienenburger See, Am Schacht 1, Tel.: 05321/704115, www.www.goslar.de (beide Plätze siehe Bordatlas, Seite 166)

Bad Harzburg: P Marienteichbaude 1, Tel.: 05322/5549544, www.marienteichbaude.de Stellplatz an der Sole-Therme, Nordhäuser Straße 10, Tel.: 05322/75397, www.wohnmobilstellplatz-bad-harzburg.de (beide Plätze siehe Bordatlas, Seite 29)

Wernigerode: P Am Katzenteich, Tel.: 03943/5537835, www.wernigerode-tourismus.de OT Darlingerode: Wohnmobilpark Harzblick, Hinter den Gärten 11, Tel.: 03943/607133, www.wohnmobil-harz.de (beide Plätze siehe Bordatlas, Seite 490)

Redaktion
Claus-Georg Petri
Claus-Georg ist seit 1995 bei der Reisemobil International und ist Experte für Reisen und Hintergründe und alles Mögliche.
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