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Camping im Odenwald: Bergstraße-Odenwald mit dem Wohnmobil

Sagenhafte Winterreise

Der UNESCO Geopark Bergstraße-Odenwald lädt mit besonderer Natur und hübschen Fachwerkstädtchen zum Camping im Odenwald ein – sogar im Winter. Aber wie steht's um die Übernachtungsplätze? Eine Reise durch Zeit und Raum.

Es heißt, das Nibelungenland zwischen Rhein, Main und Neckar sei der Frühlingsgarten Deutschlands. Hier blühen bereits Kirschen, Mandeln und Magnolien, während sich anderenorts der Winter erst langsam verabschiedet. Die Metropolen Heidelberg und Darmstadt, die romantischen Fachwerkstädtchen, zahlreichen Burgen und der mystische Odenwald bezaubern aber auch in der kalten Jahreszeit.

Die Region Bergstraße-Odenwald lässt sich mit einem Wort beschreiben: vielfältig. Auf der einen Seite die Bergstraße, die mit ihrem milden Klima und mittelalterlichen Marktplätzen im Stil italienischer Piazzas lockt und mit dem Welterbe Kloster Lorsch eine Sehenswürdigkeit von Weltrang bietet. Auf der anderen Seite ragt aus der flachen Landschaft der sagenumwobene Odenwald empor, ein von Streuobstwiesen und Wäldern durchzogenes Mittelgebirge, das auch im Winter Aktivitäten wie Wandern oder Langlaufen ermöglicht. Dieser Odenwald und seine historischen Altstädte bilden die perfekte Kulisse für romantische Weihnachtsmärkte – und zum Aufwärmen geht es in die Odenwald- Therme. Doch auch das Kulinarische kommt nicht zu kurz: Die über die Grenzen der Region hinaus geschätzten Bergsträßer Weine, darunter die historische Rebsorte „Roter Riesling“, sind für Weinliebhaber ein ganz besonderer Genuss.

Foto: Odenwald Tourismus GmbH
Eberstadter Tropfsteinhöhle
Foto: Tourist Information Buchen

Eberstadter Tropfsteinhöhle: faszinierende Unterwelt

Los geht es im südöstlichen Odenwald an einem der offiziellen Eingangstore in den UNESCO Geopark Bergstraße-Odenwald: in Buchen. So schön es an der Oberfläche ist, die ersten Schritte dieser Tour führen unter die Erde. Tatsächlich ist ein Besuch der Tropfsteinhöhle im Buchener Stadtteil Eberstadt ein Muss. Egal, ob es in der dunklen Jahreszeit stürmt, schneit oder eisige Temperaturen herrschen: Hier unten herrschen konstante elf Grad bei 95 Prozent Luftfeuchtigkeit. Im Jahr 1971 wurde die Höhle durch Zufall bei einer Sprengung in einem Muschelkalksteinbruch entdeckt. Heute führt ein teilweise nur zwei Meter breiter Weg 600 Meter durch das bis zu zwei Millionen Jahre alte Naturdenkmal mit seinem Formenreichtum an Stalaktiten und Stalagmiten. Der Rundgang ist nur im Rahmen einer Führung möglich.

Junge Besucher können vor dem Eingang Steine klopfen oder sich auf dem Spielplatz austoben. Der große Besucherparkplatz bietet Platz selbst für größere Reisemobile. Ein offizieller, schön und ruhig am Waldrand gelegener Stellplatz mit Waldfreibad in direkter Nachbarschaft liegt nur wenige Fahrminuten im nahe gelegenen Buchen. Von hier aus führt die Tour tief hinein in den Odenwald, vorbei an Zeugnissen der römischen Vergangenheit. Einst gehörten Bergstraße und Odenwald zum römischen Imperium, und noch heute lassen sich Überreste des Odenwald-Limes erkunden. Einfach auf die Hinweisschilder am Straßenrand zu Kleinkastellen und Limes-Rekonstruktionen achten.

Fürstliche Abtei Amorbach
Foto: Kai Brücher_pixelio.de

Fürstliche Abtei Amorbach: barockes Schmuckstück

Nach kurvigen Kilometern auf der Landstraße passieren die Tester den hundefreundlichen Campingplatz in Kirchzell und erreichen nach wenigen Kilometern die Benediktinerabtei Amorbach. So schön und einladend sich die Abtei samt prächtiger Klosterkirche präsentiert, so trist ist die Atmosphäre des Stellplatzes. Keine Serviceeinrichtungen, nur Parkplatzflair. Dafür entschädigt die nahe Lage zur Abtei, die sich von hier aus fußläufig erkunden lässt.

Die im Originalzustand erhaltene Kirche ist – insbesondere seit dem Abschluss der Sanierungsarbeiten im Jahr 2015 – ein überaus sehenswertes und beeindruckendes Zeugnis barocker Kirchenkunst im Rokoko-Stil. Weiter geht es auf der B47 vorbei am Englischen Garten Eulbach, einem der ältesten archäologischen Parks Deutschlands. Das Kleinod romantischer Gartenbaukunst nach dem Vorbild englischer Gärten ist gespickt mit römischen Fundstücken des einst hier gelegenen Numeruskastells Eulbach. Der Park ist zugleich Landschaftstierpark mit Hirschen, Wildschweinen, Mufflons und Wisenten.

Fachwerk-Rathaus (1484) in Michelstadt
Foto: Kulturamt Michelstadt

Erbach & Michelstadt: Romantik im Odenwald

Nach kurzem Zwischenstopp wartet mit Michelstadt die größte und älteste Stadt im Odenwald. Zusammen mit Erbach, das durch sein Ensemble von gräflichem Barockschloss mit mittelalterlichem Wehrturm, Lustgarten und Orangerie geprägt ist, bildet Michelstadt das Zentrum der Region. Die verwinkelten Gassen und schönen Fachwerkhäuser laden zum Schlendern ein. Wahrzeichen ist das spätgotische Fachwerk-Rathaus von 1484, das den Marktplatz zu einem der schönsten in ganz Deutschland macht. Auf ihn sind die Michelstädter zu recht stolz.

Wer einer süßen Verführung nicht abgeneigt ist: Nur wenige Meter die Fußgängerzone bergauf befindet sich das Café Siefert, eine der renommiertesten und am höchsten dekorierten Konditoreien Deutschlands. Kein Wunder, dieser Laden voller Leckereien ist die Heimat des Konditor-Weltmeisters Bernd Siefert. Der Stellplatz liegt unweit der Stadtmauer auf einem großen Parkplatz, wenig romantisch, aber praktisch für die Stadtbesichtigung und mit entsprechender Infrastruktur ausgestattet – daher entsprechend stark frequentiert.

Nach wenigen Kilometern auf der B45 lohnt nicht nur, aber insbesondere in der kalten Jahreszeit, ein wohltuender Stopp in Bad König. Die Odenwald-Therme mit Bad und Sauna sowie Meersalzgrotte speist heilkräftiges Thermalwasser aus 300 Metern Tiefe. Passend hierzu ist der Stellplatz vor der Therme – bei größerer Auslastung nur für kurze Fahrzeuge geeignet.

Foto: Dieter Schütz_pixelio.de

Welterbe Grube Messe: Fenster zur Urzeit

Etwas mehr als ein Katzensprung entfernt ist das nächste Ziele der Tour, aber es lohnt sich, die Minuten länger hinter dem Steuer zu investieren. Vom Stellplatz in Messel sind es mit dem Fahrrad rund 15 Minuten zur Fossillagerstätte Grube Messel. Nicht ohne Grund wurde sie 1995 als erstes deutsches Naturdenkmal in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen.

Die Grube ist ein Fenster zur Urzeit, gestattet Besuchern einen Einblick in die frühe Evolution der Säugetiere und dokumentiert die Entwicklungsgeschichte der Erde vor 48 Millionen Jahren. Schon das moderne Besucherzentrum beeindruckt, dessen preisgekrönte Architektur die Schichtstruktur des Ölschiefers widerspiegelt. Das Foyer mit den Themen Welterbe und Industriegeschichte sowie das Bistro mit Sonnenterrasse und Seerosenteich sind frei zugänglich, eine Besichtigung der Grube ist nur im Rahmen einer vorangemeldeten Führung möglich.

Russische Kapelle auf der Mathildenhöhe
Foto: Wissenschaftsstadt Darmstadt/Alex Deppert

Darmstadt: Zentrum des Jugendstils

Fans des Jugendstils kommen im nahe gelegenen Darmstadt auf ihre Kosten. Zunächst überwiegt allerdings die Ernüchterung: Die Wissenschaftsstadt lässt sich nicht gerade als wohnmobilfreundlich bezeichnen. Ein offizieller Stellplatz existiert nicht, daher wird der Messe-Großparkplatz angesteuert. Enttäuscht über diesen Umstand kann keine Stellplatz-Empfehlung ausgesprochen werden. Hessens viertgrößte Stadt ist dank Jugendstilbad (1907 bis 1909) mit historischen Umkleidekabinen und vor allem wegen der Mathildenhöhe einfach zu interessant, um es links liegen zu lassen.

Erst in diesem Jahr hat die UNESCO diese Künstlerkolonie in die Liste der Welterbestätten aufgenommen. Die Mathildenhöhe zählt zu den bedeutendsten Baudenkmälern des Jugendstils und ist ein Gesamtkunstwerk aus markanten Gebäuden wie dem Hochzeitsturm und Künstlerhäusern, dem Platanenhain und dem Museum. Das zeigt Werke der 23 Künstler – darunter namhafter Zeitgenossen wie Joseph Maria Olbrich und Peter Behrens –, die von 1899 bis zum Ende des Ersten Weltkriegs hier wirkten und unübersehbare Impulse zur Entwicklung der Moderne setzten.

Die Tester verlassen Darmstadt und passieren auf dem Westhang des Odenwalds die Burg Frankenstein – richtig gelesen: Das ist jener Ort, der mit Dr. Viktor Frankenstein und seinem selbst erschaffenen Monster in Verbindung gebracht wird. Der Name der Burg hat es durch das vielfach in Literatur und Film variierte Motiv der Engländerin Mary Shelley (1793 bis 1851) zu internationaler Bekanntheit gebracht. Ziel ist der schön gelegene Stellplatz an der Kuralpe Kreuzhof mit Blick ins Grüne und in die Ferne. Das großzügig angelegte Areal mit sechs Plätzen verfügt über Strom- und Wasseranschluss und Einkehrmöglichkeit. Prima.

Foto: Odenwald Tourismus GmbH_lebensform GmbH

Felsenmeer: Zeugnisse der Vergangenheit

Unweit von hier zieht sich ein steinerner Strom aus mächtigen Felsbrocken rund einen Kilometer lang durch den Wald hinab und bietet einen grandiosen Anblick. In der Antike diente die Steinlandschaft im Lautertal als Steinbruch. Davon zeugt eine über neun Meter lange und 27 Tonnen schwere Granitsäule, die vermutlich zu Beginn des 4. Jahrhunderts entstanden ist, allerdings nie den Weg zu ihrem Ziel finden sollte.

Erlebnispfad „Wein und Stein“
Foto: DWI

Heppenheim & Lorsch: Wein und Kultur

Szenenwechsel: Von den Höhen des Odenwalds geht es hinab in die Rheinebene. Die Hänge der Bergstraße sind von Weinbergen geprägt. Die Altstadt von Heppenheim mit dem von Fachwerkhäusern gesäumten Marktplatz hat sich den Charme alter Winzerorte bewahrt. Nicht zu übersehen ist die Pfarrkirche St. Peter, die weit über die Dächer der umliegenden Häuser und Gassen emporragt und daher auch den Spitznamen Dom der Bergstraße trägt.

Wein ist hier allgegenwärtig. Sieben Kilometer lang schlängelt sich der Erlebnispfad „Wein und Stein“ durch die Weinberge und erläutert an 70 Stationen anhand von Tafeln und Steinskulpturen das Zusammenspiel von Natur, Erdgeschichte, Kultur und regionaler Identität. Wenige Fahrminuten entfernt erwartet die Reisenden das Weltkulturerbe Kloster Lorsch. Es hatte als bedeutendes Macht-, Geistes- und Kulturzentrum im Mittelalter großen Einfluss auf die Geschichte des Odenwalds und der Bergstraße. Vom gut ausgestatteten Stellplatz am Stadtrand sind es rund 15 Minuten zu Fuß bis zum Klosterareal. Noch heute sind auf dem Hügel die Königshalle, Reste der Klosterkirche und -mauer, ein Kräutergarten und Markierungen ehemaliger Gebäude zu sehen. Das gesamte Ensemble gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Weinheim: herrlicher Schlosspark

Weiter auf der Bergstraße und der B3 entlang passiert der Integrierte von Carthago nach kurzer Zeit das Ortsschild Weinheim. Marktplatz und Gerberviertel der Zwei- Burgen-Stadt versprühen auch im Winter ein besonderes Flair. Ebenso besonders wirkt das Schloss, das sich mit seinem weitläufigen Schlosspark und den hohen Mammutbäumen von seiner herrschaftlichen Seite präsentiert. Ganz anders der Stellplatz. Er ist quasi eine Parkbucht an der Straße und daher wenig einladend und erst recht nicht herrschaftlich. Dafür überzeugt seine Lage direkt am Schlosspark – und der Preis.

Bildergalerie

Ladenburg: Römer & Benz

Etwas abseits, aber dank des großen, schön angelegten Stellplatzes einen Abstecher wert, ist Ladenburg. Von den parzellierten Stellplätzen am Ortsrand genießen mobile Gäste den Blick auf den Odenwald und sind in wenigen Fußminuten in der von den Römern gegründeten Stadt. Aber auch ein anderes Erbe wird hier hochgehalten: die Erfindung des Automobils. Das Wohnhaus von Carl Benz und die älteste Garage der Welt sind hier zu finden und für Fahrzeugenthusiasten ein Muss. Ein Juwel ist der Ladenburger Weihnachtsmarkt vor historischer Kulisse, einer der schönsten und stimmungsvollsten der Region. Das Beste kommt immer zum Schluss? Stimmt: Heidelberg bildet das geografische Ende der Bergstraße.

Heidelberger Schloss
Foto: Jan Becke/Heidelberg Marketing GmbH

Heidelberg: romantisches Schloss und Winterzauber

Das Heidelberger Schloss zählt zu den bedeutendsten deutschen Kulturdenkmälern und ist mit jährlich einer Million Besuchern die wohl bekannteste Schlossruine der Welt. Dazu kommen die Lage über der Stadt, die markante Silhouette und der leuchtend rote Neckartaler Sandstein. Im Winter ist die Stimmung in der Altstadt vor dem Schloss und der Alten Brücke besonders romantisch. Der Weihnachtsmarkt ist auf verschiedene Plätze verteilt, so das „Heidelberger Winterwäldchen“ am Kornmarkt, die Bürgerhütte am Marktplatz oder die Schlittschuh-Eisbahn am Karlsplatz.

Wer das erleben will, der findet auf dem neuen Stellplatz eine gute Übernachtungsmöglichkeit. Für den komfortablen Platz muss der Gast allerdings etwas tiefer in die Tasche greifen. Durch die dezentrale Lage sind öffentliche Verkehrsmittel das Mittel der Wahl, die unweit des Platzes abfahren.

Rückblickend lässt sich sagen, dass die Region für Reisemobilisten ein lohnendes Ziel ist. Die Anzahl der Stellplätze ist in Ordnung – mit Luft nach oben siehe Darmstadt. Bei der Qualität und Ausstattung ist hier und da sicher noch Potenzial vorhanden. Es darf schon mehr sein als Stellflächen auf Großparkplätzen ohne Infrastruktur. Ein solches Plus würde der reizvollen Region gerechter.

Redaktion
Philipp Pilson
Philipp Pilson unterstützt das Team der Reisemobil International seit Oktober 2018 und ist Online- und Social Media-Experte.
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