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Die Donau entlang mit dem Wohnmobil: Obere Donau, von der Quelle bis nach Ulm

Im Tal der jungen Donau

Steil abfallende Kalkfelsen, durch die Europas zweitlängster Fluss mäandert: Der „Schwäbische Grand Canyon“ ist ein Filetstück im jungen Donautal – für aktive Naturliebhaber wie auch für mobile Reisende.

Dieser Fluss gibt Rätsel auf. Das fängt schon bei der Frage an, wo er genau entspringt. Geeinigt hat man sich auf Donaueschingen. Hier fließen seine zwei Quellflüsse Brigach und Breg zusammen, die beide im Mittleren Schwarzwald entspringen. Aber wo mündet er denn nun? Fließt die Donau wirklich ins Schwarze Meer? Ja. Auch. Über 2.800 Kilometer schlängelt sich der zweitlängste Fluss Europas durch zehn Länder bis dorthin. Die Donau fließt aber auch in die Nordsee. Magie? Nein, aber einzigartig in Europa: Zwischen Immendingen und Möhringen verschwindet der noch junge Fluss plötzlich im Boden. In der sogenannten Donauversickerung landet das Wasser eine Etage tiefer und fließt durch ein bis heute kaum erforschtes Höhlensystem. Je nach Jahreszeit trocknet das darüberliegende Flussbett dann komplett aus. Ein Teil des Wassers kommt zwölf Kilometer weiter südlich als Aachquelle im Hegau wieder an die Oberfläche und fließt von dort erst in den Bodensee und dann mit dem Rhein bis in die Nordsee. Der andere Teil speist ab Möhringen wieder das Flussbett der Donau mit Wasser. Das zu sehen, ist beeindruckend. Vor allem, wenn man weiß, wie mächtig und prägend sich der Strom später in Städten wie Passau, Wien oder Budapest präsentiert.

Für den Stellplatz-Check folge ich dem faszinierenden Fluss von seinem Ursprung in Donaueschingen, wo er noch ungestört und jugendlich durch eine herrliche Landschaft mäandert. Der Streckenabschnitt im jungen Donautal führt in die Hochebene Baar, die idyllisch zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb liegt, vorbei am romantischen Donaudurchbruch, dem Schwäbischen Grand Canyon bei Beuron, und über die Ausläufer Oberschwabens bis in die quirlige Stadt Ulm. Wer kann, sollte unbedingt ein Fahrrad mitnehmen oder sich eines leihen. Einige der schönsten Abschnitte sind nur zu Fuß oder mit dem Drahtesel erreichbar. Nicht umsonst gehört diese Region zu den Filetstücken des beliebten Donauradwegs, der in Donaueschingen beginnt und bis zum Donaudelta in Rumänien führt. Gesäumt wird der Weg durch das junge Donautal von beeindruckenden Felsformationen, Burgen, Schlössern und Klöstern. Es lohnt sich also, etwas mehr Zeit für die Erkundung der zahlreichen Sehenswürdigkeiten links und rechts vom Fluss einzuplanen.

Donaueschingen: Wo sich Brigach und Breg treffen

Zum Auftakt der Wohnmobiltour geht es direkt an den Ort, der historisch als Ursprung festgehalten wird – in den weitläufigen Park des Fürstlich Fürstenbergischen Schlosses. 1875 wurde die Quelle des kleinen Donaubachs dort als kreisrundes Becken gestaltet. Über dem kunstvoll gefassten Quelltopf thront die von Franz Xaver Reich gestaltete allegorische Skulptur „Mutter Baar“. Sie weist der „jungen Donau“ den Weg zum Schwarzen Meer. Der malerische Ort ist einer der touristischen Hauptanziehungspunkte für Donau-Entdecker. Der gratis nutzbare Stellplatz liegt nur 15 Spazierminuten entfernt im Grünen am Rande des Parks. Ausgestattet mit Strom und Wasser ist er ein idealer Ausgangspunkt für einen gemütlichen Aufenthalt in der ehemaligen Residenzstadt, die mit ihren farbenfrohen Jugendstilgebäuden wie dem Blauen Rathaus, dem regen Kulturleben, interessanten Museen und urigen Lokalen zum Bleiben verführt.

Kanufahrt auf der Donau
Foto: Donaubergland GmbH

Geisingen: Toller Stellplatz für Aktivurlauber

Nächster Stopp ist etwa 15 Kilometer östlich in Geisingen. Der moderne Stellplatz bietet Platz für 37 Wohnmobile jeglicher Größe und liegt idyllisch im Grünen am Altarm der Donau und am Rande des Freizeitgeländes Danuterra. Wer Dusche und Toilette an Bord hat, kann sich hier gut für länger einrichten. Das Freizeitangebot ist schier unerschöpflich. Etwa 300 Meter entfernt wartet die Arena Geisingen. In der ersten überdachten Inlineskating-Anlage Deutschlands trainieren nicht nur Profis, es gibt auch eine Reihe von Angeboten für Einsteiger. Wer mit Offroad-Wohnmobil unterwegs ist, kann sich außerdem im Offroadpark auf speziellen Parcours austoben. Es geht aber auch auf zwei Beinen – der Platz bietet Anschluss an das 125 Kilometer lange Wanderwegenetz, das unter anderem das Naturschutzgebiet „Unterhölzer Wald“ erschließt. Sehenswert ist auch der Blick vom Wartenberg. Wer den Drahtesel nutzt für die Erkundung des Flusses, steigt hier direkt in den Donauradweg ein und kann sich anschließend bequem mit der Bahn zurückbringen lassen. Wem das alles noch nicht reicht, kann hier auch Fußball spielen, Tennis, Boule, angeln, Gleitschirm fliegen oder seinen Vierbeiner trainieren auf dem Hundesportplatz. In die historische Altstadt mit Lokalen und Einkaufsmöglichkeiten sind es ebenfalls nur ein paar Minuten zu Fuß.

Honberg Zinnenturm Tuttlingen
Foto: Donaubergland GmbH

Tuttlingen: Industriestadt mit Charme

Auf dem Weg nach Tuttlingen begutachte ich die Versickerungsstelle bei Immendingen. Es ist zwar Sommer, das Flussbett der Donau aber immer noch gut gefüllt, vermutlich wegen des letzten Hochwassers. Der Stellplatz im Zentrum liegt direkt am Donaupark auf dem Festplatz in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt. Die Übernachtung ist gratis. Es gibt zwar keinen Strom, aber Wasser und ein neues sauberes WC. Am Platz führen mehrere Radwanderwege vorbei. Die Strecken donauaufwärts bis Immendingen und donauabwärts nach Fridingen eignen sich zudem perfekt zum Inline-Skaten. Wer nicht in der Donau baden will, nutzt das 200 Meter entfernte Thermalbad TuWass mit Heilquelle und Saunalandschaft. Ein Bummel durch die Innenstadt führt an einer sehr schönen Jugendstilkirche vorbei zu Museen und Galerien und weiter auf den Honberg mit der Ruine einer ehemaligen Festungsanlage. Das Bauwerk auf dem dicht bewaldeten Hausberg gilt als Wahrzeichen der Stadt und bietet einen tollen Ausblick. In der warmen Jahreszeit dient es außerdem als imposante Kulisse für das Open-Air-Festival Honberg-Sommer, bei dem sich musikalische Größen wie Steve Winwood, Nena oder The Boss Hoss die Ehre geben. Und es gibt einen weiteren Kulturort der besonderen Art, das ehemalige Krematorium: Das architektonisch interessante Gebäude wurde durch eine Bürgerinitiative vor dem Abriss bewahrt und bietet nun Raum für ein feines Kulturprogramm mit Kammermusik und anspruchsvollen Filmen.

Schloss Bronnen
Foto: Donaubergland GmbH_Fotograf_Frank_Riedinger

Beuron: Kloster im Schwäbischen Grand Canyon

Schroffe, steil abfallende Kalkfelsen, dazwischen die Donau, die sich hier über Jahrmillionen in das Karstgebirge der Schwäbischen Alb eingegraben hat. Auf dem Weg nach Beuron schlängelt sich die Straße vorbei an hübschen Fachwerkstädtchen wie Mühlheim durch eine eindrucksvolle Landschaft, die nicht von ungefähr „Schwäbischer Grand Canyon“ genannt wird. Wanderer genießen traumhafte Ausblicke von oben, Radfahrer das Wasser und das verwunschene und üppig blühende Tal vom Ufer aus. Wer sich traut, schwimmt ein paar Meter in der Donau oder nutzt die Strömung, um sich mit dem Kajak oder dem Schlauchboot treiben zu lassen. Im Ortsteil Hausen im Tal ist die erste Einstiegsstelle für Paddler. Mobile Reisende haben die Qual der Wahl zwischen drei sehr schönen und für jegliche Freizeitaktivität geeignete Übernachtungsmöglichkeiten: Direkt unterhalb des Benediktinerklosters stehen Wohnmobile nachts ruhig und gut versorgt mit Wasser und Strom auf einem extra Parkplatz. Wer keine eigene Toilette dabei hat, nutzt das gepflegte öffentliche WC-Häuschen des Klosters. Für den stimmungsvollen Ort, das eindrucksvolle Kloster und die Ausstellung im „Haus der Natur“ im alten Bahnhof sollte man sich unbedingt mindestens einen Tag Zeit nehmen. Entspannung gibt es hier wie auf Knopfdruck. Etwa sechs Kilometer flussabwärts im Ortsteil Hausen wartet ein weiterer Stellplatz. Autarke Mobile stehen ganz ursprünglich auf einer Wiese direkt am Fluss. Wer kein eigenes Rad dabei hat, kann sich beim Betreiber eines mieten. Wanderer finden hier die schönsten Wege. Nur einen Katzensprung entfernt liegt der Camping Wagenburg in einer traumhaften Lage am Wasser mit Blick auf die Hausener Zinnen und Schloss Werenwag, das hoch oben auf einem Felssporn thront. Tipp: Die hausgemachten Maultaschen im Biergarten beim Kanuverleih – etwa fünf Gehminuten entfernt – schmecken einfach himmlisch. Tolle Qualität, toller Service.

Teufelsbrücke in Inzigkofen
Foto: Jutta Neumann

Sigmaringen: Kleine Stadt, große Geschichte

Wer nach Sigmaringen will, kommt um das namensgebende Schloss nicht herum. Der prächtige Stammsitz der Hohenzollern thront unübersehbar mitten in der Stadt, 35 Meter hoch über der Donau auf einem einsamen Kalkfelsen. Sehenswert ist das mit märchenhaften Türmchen, Erkern und Kaminen ausgestattete Schloss aber nicht nur von außen. Im Inneren wartet die fürstliche Waffenhalle, mit rund 3.000 Exponaten eine der größten Europas. Im Marstallmuseum präsentiert sich eine Oldtimersammlung mit Kutschen, Sänften und Schlitten. Literaturliebhaber bestaunen die imposante Hofbibliothek mit 200.000 Bänden. Sie zählt zu den größten Privatsammlungen Baden-Württembergs. Unterhalb des Schlosses breitet sich die Altstadt aus, die mit ihren verwinkelten Gassen, den historischen Gebäuden und vielen Geschäften zum Shoppen verführt. Frisches Obst und Gemüse gibt es auf dem Wochenmarkt. Der Stellplatz ist zu Fuß in fünf Minuten erreicht und bietet eine tolle Aussicht auf das Schloss – ideal für autarke Reisemobilisten. Wer mehr Luxus und moderne Sanitäranlagen wünscht, ist auf dem daneben liegenden Stadtcamping „Out&Back“ besser aufgehoben. Nette Gastgeber bieten eine gepflegte Anlage mit einem Hochseilgarten, Kanutouren, einer Minigolfanlage, Bogenschießen und Fahrradverleih. Nicht verpassen: Ausflug in das Felsen- Reich Inzigkofen (siehe Tipp der Autorin).

Riedlingen: Auf dem Rathaus residieren die Störche

Nächstes Etappenziel ist Riedlingen. Die denkmalgeschützte historische Altstadt schmiegt sich in eine Bilderbuchlandschaft mit weiten Wiesen und Feldern zwischen Bussen und Schwäbische Alb. Mit ihren Türmen, Toren und Gassen, den hübschen Bürgerhäusern und Fachwerkgiebeln gehört sie auf jeden Fall auf die Liste der schönsten Städte an der jungen Donau. Das finden offenbar auch die Störche, die jedes Jahr auf dem Rathaus ihre Jungen großziehen. Kultur- und Kunstinteressierte besuchen das Heimatmuseum, das in dem prächtigen Fachwerkgebäude „Schöne Stiege“ residiert, sowie die städtische Galerie, die im spätgotischen Klosterspeisesaal eine Skulpturensammlung mit Werken bedeutender Riedlinger Künstler des 18. bis 20. Jahrhunderts zeigt. Der Stellplatz liegt auf der anderen Donauseite auf einem Parkplatz, ist gut erreichbar, gratis nutzbar, mit einer Versorgungsstation ausgestattet und für eine Stadtbesichtigung absolut in Ordnung.

Datthausen: Schöner wohnen auf dem Bauernhof

Der nächste Schlafplatz liegt urig auf einen Bauernhof in Datthausen im Obermarchtal – vor dem Kuhstall und mit einem Wahnsinnsblick von oben auf die Donau und in die Landschaft. Der nette Landwirt freut sich über den unerwarteten Besuch und bietet spontan ein Plätzchen am Lagerfeuer an – herrlich. An heißen Tagen genießen die Gäste den Eisautomaten und eine Dusche. Eine Toilette sollte man aber besser selber dabei haben. Wasser und Strom sind da. Das berühmte barocke Kloster in Obermarchtal ist etwa fünf Autominuten entfernt.

Bildergalerie

Ehingen: Die Stadt der vielen Biere

53 verschiedene Biersorten – gekocht in den Sudkesseln von fünf traditionellen Brauereien – hat Ehingen den Titel „Bierkulturhauptstadt“ eingebracht. Wer sich für Bierkultur interessiert, kann sie hier auf vielfältige Weise erleben: Bei einer Brauereiführung, einem Brauseminar, im Bierhotel oder im Lifestyle Wirtshaus. Auf der Route des 14 Kilometer langen Bierwanderwegs liegen alle fünf Brauerei- Gaststätten sowie zahlreiche Biergärten – und ein paar stimmungsvolle Abschnitte entlang der Donau. Beliebt ist auch der Audio-Stadtrundgang, der die Gäste mit informativen und witzigen Geschichten über die Ehinger Bierkultur unterhält. Ganz nebenbei erkundet man die urige Altstadt. Der gratis nutzbare Stellplatz liegt aussichtsreich, etwas abseits am oberen Stadtrand auf dem Parkplatz am Stadion.

Ulmer Münster
Foto: Pixabay

Ulm: Einstein und der höchste Kirchturm der Welt

Natürlich gibt es auch in Ulm einige Brauereien. Viel spannender ist hier aber natürlich das einzigartige Münster. Der über 160 Meter hohe Kirchturm gilt als der höchste der Welt. Wer die 768 Stufen bis auf 141 Metern zur obersten Aussichtsplattform hinaufklettert, hat einen tollen Rundblick über die Stadt und bei klarem Wetter bis zur Alpenkette von Säntis bis Zugspitze. Vielleicht hat das ja auch Einstein zu seinen genialen wissenschaftlichen Höhenflügen inspiriert. Der berühmteste Sohn Ulms sagte über seinen Geburtsort, den er schon mit 15 Monaten verließ: „Auch der Geburtsstadt verdanken wir einen Teil unseres Wesens. So gedenke ich Ulms in Dankbarkeit, da es edle künstlerische Tradition mit schlichter und gesunder Wesensart verbindet.“

Die finden Besucher hier auf Schritt und Tritt: In der Altstadt mit dem romantischen Fischer-und Gerberviertel, am historischen Rathaus mit der astronomischen Uhr, auf dem Wochenmarkt, in der modernen Kunsthalle, dem Ulmer Museum, der markanten „Neuen Mitte“, dem Donau- Ufer und vielem mehr – dafür bräuchte es eine eigene Reisegeschichte. Der neue, vorbildlich angelegte Stellplatz liegt etwa 30 Gehminuten entfernt am Donaubad in Neu-Ulm und bietet 49 Plätze auch für große Mobile. Perfekter Service auf der letzten Station einer rundum wohnmobilfreundlichen Donau-Reise.

Infobox

Viele weitere Reiseziele und Wohnmobiltouren in Deutschland finden Sie in unserem Tourenführer Die 20 besten Wohnmobiltouren in Deutschland – Band 1.

Weitere Wohnmobilstellplätze finden Sie im BORDATLAS oder bei BORDATLAS Online.

Redaktion
Jutta Neumann
Jutta Neumann nimmt seit Oktober 2017 als begeisterte Camperin reisemobilfreundliche Routen und Stellplätze unter die Lupe.
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