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Wohnmobilstellplätze an Oberbayerischen Seen

Durch und durch se(h)enswert

Türkisblaue Seen vor markanter Alpen-Kulisse, an flachen Ufern Stell- und Campingplätze. Reisemobilurlauber finden in Oberbayerns Fünfseenland südwestlich von München eine prima Auswahl.

Segelschiffe durchkreuzen das klare Wasser, auf Liegewiesen und Kiesstränden sonnen sich Urlauber, bevor sie ein erfrischendes Bad im See nehmen. Nur einen Katzensprung von München entfernt breitet sich das Oberbayerische Fünfseenland aus, dessen größtes Gewässer der Starnberger See ist. Weiter südlich in Alpennähe buhlen vor allem die durch die Künstlergruppe Blauer Reiter bekannt gewordenen Kochel- und Staffelsee um Gäste.

Die Region lockt nicht nur Wassersportler, sondern auch Wanderer und Radler an. Ebene Wege rund um die Seen eignen sich für wenig Trainierte, Bergtouren und Mountainbike-Routen für aktive Sportler.

Auch Kultur und Geschichte stehen im Fokus: Der Lieblingsberg von König Ludwig II., der Herzogstand über dem Walchensee, zieht ebenso Gäste an wie jene Stelle im Starnberger See, an welcher der Kini ertrank.

In dieser von Natur beherrschten Region dominieren Campingplätze, Reisemobil-Stellplätze bilden die Minderheit. Die meisten Campingareale bieten bei den Sanitäranlagen überwiegend Standard, ebenso bei Service-Einrichtungen. SB-Laden und Gasthaus fehlen häufig. Doch bei den vielen urigen Gasthäusern und Biergärten der Umgebung stellt dies kein Manko dar. Zudem entschädigen auf Übernachtungsplätzen die Ausblicke auf Alpengipfel.

Reisemobil International hat die fünf besten Campingplätze und einen Top-Reisemobilstellplatz im Fünfseenland sowie Auflugsziele in der Region für Sie zusammengestellt.

Utting/Ammersee

Die Stellplatz-Tour startet am nördlichsten See der oberbayerischen Region „Fünfseenland“ westlich von München, am Ammersee. Das Adelsgeschlecht der Wittelsbacher ließ damals den Ammersee („Bauernsee“) im Gegensatz zum geliebten Starnberger See („Fürstensee“) links liegen. Bis heute meiden Promis und Reiche, die es nach Starnberg und Umgebung
zieht, den Ammersee. Zum Vorteil von Einheimischen wie Urlaubern: Kaum private Villen verbauen die Ufer. Rund um den Ammersee sind noch alte Strukturen der Bauern- und Fischerdörfer zu erkennen. Dennoch kann das Gewässer mit einem Rekord auftrumpfen: Die zehn Kilometer lange Seepromenade mit Badestegen gilt als längste Deutschlands – unterbrochen nur von Biergärten unter Kastanien.

Dießen/Ammersee

Den Ortskern von Dießen säumen gelb, hellblau und ocker getünchte, teilweise mit Erkern und Balkonen versehene Häuser, überragt vom Zwiebelturm des barocken Marienmünsters aus dem 17. Jahrhundert. Das Innere der Kirche zieren Deckenfresken mit Szenen aus der Geschichte des Chorherrenstiftes. Wer die Seelandschaft vom Wasser aus erkunden möchte, legt mit dem Schaufelraddampfer am Dießener Landesteg Richtung Herrsching am Ostufer ab oder bucht die große Seerundfahrt.

Es lohnt sich auch, vom Dampfersteg durch den Ortsteil Fischerei zum Schacky-Park zu spazieren. Der Landschaftspark wurde ab 1900 vom königlichen Kämmerer Freiherr von Schacky angelegt. Besucher spazieren durch einen Laubengang mit Jugendstilkandelabern. Eine Eichenallee führt sie zu einem Monopteros, einem Rundtempel mit Säulen. Mit Moos bewachsene steinerne Putten schauen verträumt auf Streuobstwiesen und zum Teehaus.

Andechs/Ammersee

Richtung Ostufer entlang des Vogelschutzgebietes weisen Hinweisschilder schon von weitem zum Kloster Andechs. Im hinteren seitlichen Bereich des großen Besucherparkplatzes sind gebührenpflichtige Stellflächen für Reisemobile ausgewiesen. Direkt neben dem Stellplatz lädt ein Kräutergarten ein, die heimischen Nutzpflanzen zu entdecken.

Fußwege führen auf den Heiligen Berg zum Kloster Andechs. Wallfahrer pilgern zum Gnadenbild im Hauptaltar der überladen wirkenden Wallfahrts-Klosterkirche. Als Reliquien verehren sie drei Hostien aus dem Heiligen Land. Das Priorat (Kloster, von einem Prior geführt, nicht von einem Abt) der Benediktiner fungiert seit 1850 als Wirtschaftsgut. Nicht nur die größte Kloster-Brauerei Deutschlands, auch eine ökologische Landwirtschaft ist hier beheimatet. Und das Geschäft mit dem Bier läuft: in den Gaststuben, im großen Biergarten, im Klostershop.

Seefeld/Pilsensee

Wenige Kilometer nördlich setzt der kleinere Pilsensee türkise Akzente in der Landschaft. Eine eindrucksvolle Silhouette drückt Schloss Seefeld der Region auf. Der Hausherr Hans Caspar Graf zu Toerring-Jettenbach hat im Schloss jede Menge Kultur angesiedelt: Ateliers, Werkstätten, Brauereigaststätte und Kino.

St. Heinrich/Starnberger See

Südwärts steuern die Stellplatztester den zweitgrößten See Bayerns an. Am Ostufer gibt es zwei Campingplätze – kein einziger Reisemobil-Stellplatz am gesamtenStarnberger See.

In Berg nahe der Nordspitze des Sees legen die Tester einen Zwischenstopp ein. Sie spazieren zur Votivkapelle über dem See, die zu Ehren König Ludwig II. errichtet wurde. Ein Holzkreuz im See markiert die Stelle, an der der Märchenkönig im Jahr 1866 umgekommen sein soll. Manchen Besuchern ist anzusehen, dass sie noch immer rätseln: Selbstmord oder Attentat? Wenig beeindruckt von dem tragischen Ort vergnügen sich Wasserratten an einer nahen Badestelle am Berger Schlosspark.

Auf dem markierten Fahrradweg rund um den Starnberger See (50 km) durchstreifen Urlauber unter anderem die Orte Tutzing und Starnberg. Prima Bademöglichkeiten gibt es im Possenhofener Paradies, einer Liegewiese mit Strand, Steg und Kiosk mit Ausschank.

Bernried birgt ein wahres Highlight: Das Buchheim-Museum zeigt Werke des Malers, Fotografen und Schriftstellers Lothar-Günther Buchheim sowie Kunstwerke des Expressionismus, afrikanische Kultgegenstände und Bayerische Volkskunst. Faszinierend: Der zwölf Meter lange Museumssteg schwebt über dem See und bietet einen tollen Ausblick zu den Alpen. Wer eine noch grandiosere Sicht erleben möchte, wandert auf die Ilkahöhe bei Tutzing.

  • Campingplatz-Tip

    Campingplatz beim Fischer, 82541 St. Heinrich (Starnberger See), Buchscharnstr. 10. 77 Plätze, ab 22 €. Sehr ruhiger Platz am Südost-Ufer, durch Straße und Wald vom See getrennt, Surf- und Katamaran- Schule 50 m, frischer u. geräucherter Fisch bei der Betreiberfamilie, nächster Ort Seeshaupt in 3 km.

Spatzenhausen/Riegsee

Südwärts führt die Tour ins „Blaue Land“. Wegen seiner oft bläulichen Lichtstimmungen der Berge und Seen besonders bei Dämmerung gaben Maler der Region zwischen Murnau und Kochel diesen Namen. Die Künstlergruppe um Wassily Kandinsky und Franz Marc gründete hier den „Blauen Reiter“, der dem Expressionismus wichtige Impulse gab.

Das Nordufer des Riegsees nördlich von Murnau birgt eine Besonderheit: die Schwimmenden Inseln. Wasser unterspült die moorige Uferzone so lange, bis sich immer wieder schwimmende Stücke lösen, teils mit Bäumen bewachsen. Langsam bewegen Wind und Wellen diese Abschnitte über den See. Die größte schwimmende Insel ist immerhin 1.000 Quadratmeter groß, darf jedoch wegen der Gefahr des Einsinkens in den morastigen Boden nicht betreten werden.

  • Campingplatz-Tip

    Camping Brugger, 82447 Spatzenhausen-Hofheim (Riegsee), Seestraße 2. Geöffnet von 15. April bis 16. Oktober. 135 Plätze auf Wiese, Schotterrasen. Ab 27,50 €. Teilweise terrassiertes Gelände am See, sehr ruhig, große Liegewiese, Rezeption und V/E neu, Gasthof, Reisemobil-Stellplatz vor
    der Schranke (geöffnet im Juli und August), Ortsmitte Hofheim in 800 m.

  • Stellplatz-Tipp

    Stellplatz am Camping Brugger, 82447 Spatzenhausen (Riegsee), Seestraße 2, www.camping-brugger.de. Geöffnet im Juli und August. 18 Plätze auf Wiese. 12,50 € bis 16,50 €. V/E auf Campingplatz 1 €, Strom 2,80 €, Dusche 0,50 €/Pers. Leicht ansteigende Wiese vor dem Campingplatz, Reisemobile bis 8,50 m, sehr ruhig, schöner Blick auf den Riegsee und die Alpen.

Murnau/Staffelsee

Hier arbeiteten und lebten die expressionistischen Maler Gabriele Münter und Wassily Kandinsky von 1909 bis 1914 in einem Landhaus mit Bauerngarten, dem Münter-Haus. Das Gebäude mit gelbem Sockel und himmelblauen Fensterläden diente zugleich als Treffpunkt vieler Künstler: August Macke, Paul Klee und der Komponist Arnold Schönberg. Heute stehen in dem Münter-Museum noch Teile der Original-Ausstattung mit von den Künstlern bemalten Möbeln sowie Grafiken und Gemälde. Eine reiche Auswahl an den typischen Gemälden mit flächiger, auf die Grundformen reduzierter Darstellungsweise mit leuchtenden Farben zeigt das Schlossmuseum Murnau.

Seehausen/Staffelsee

Das hügelige Campinggelände züngelt mit einer felsigen Spitze in den Staffelsee. Die erste Reihe am Wasser ist fast ausschließlich von Dauercampern belegt. Badende schwimmen hinüber zur kleinen Jacobinsel, bevor sie sich abends im Biergarten der Campinggaststätte Burgstüberl stärken. Im Sommer feiern die Bewohner Seehausens Seefeste und das traditionelle Fischerstechen. In der Nähe des Campingplatzes befinden sich Strandbäder und Bootsverleih, Dampfer Anlegestellen und ein Minigolfplatz.

  • Campingplatz-Tipp

    Camping Halbinsel Burg, 82418 Seehausen (Staffelsee), Burgweg 41. Geöffnet von 1. April bis 8. November. 130 Plätze auf Wiese, Schotterrasen. Ab 19 €. Kleines, überwiegend hügeliges Gelände auf einer Halbinsel zwischen Seehausen und Murnauer Bucht am Ostufer des Staffelsees, sehr ruhig, langer Uferstreifen, Ortsmitte Seehausen in 600 m.

Uffing/Staffelsee

Am flach abfallenden Nordwestufer des Staffelsees breitet sich der leicht hügelige Campingplatz Aichalehof aus, der größte Campingplatz der Region. Von hier aus lässt sich der See per Fahrrad auf 22 Kilometern bequem umrunden. Drei Kilometer südlich des Campingplatzes lockt eine leckere Station: An einem Milchautomat am Hof von Familie Hirschvogl (Eglfinger Straße 18) zapfen auch Urlauber selber die kühle Köstlichkeit.

  • Campingplatz-Tipp

    Campingplatz Aichalehof, 82449 Uffing (Staffelsee), Aichalehof 4. Geöffnet von Mai bis 3. Oktober. 120 Plätze. 23 €. Langgestrecktes, leicht hügeliges und ruhiges Gelände am Westufer des Staffelsees, einem der wärmsten Seen Bayerns, Liegewiese, Badebuchten, durchgängig Einheitspreis, Ortsmitte Uffing in 1,5 km.

Großweil/Kochelsee

Auf dem Weg zum Kochelsee lohnt sich ein Abstecher zum Freilichtmuseum Glentleiten oberhalb des Ortes. Reisemobile dürfen im hinteren Bereich des Besucherparkplatzes auch über Nacht stehen. Mehr als 60 historische, auf das Museumsgelände versetzte Bauernhöfe, Mühlen und Werkstätten, Bienenhäuser und Forsthütten geben einen Eindruck davon, wie sich das Leben auf dem Land im letzten Jahrhundert abspielte. In den Hausgärten schnattern Gänse, auf Feldern wiegen sich alte Getreidesorten im Wind, auf den Weiden grasen Brillenschafe und alte Rinderrassen.

Kochel am See/Kochelsee

In Kochel parken Urlauber parken ihr Reisemobil auf dem gebührenpflichtigen Parkplatz unterhalb des Franz-Marc-Museums. Auf einem Hügel an der Stelle, wo der expressionistische Maler viele Sommer verbrachte, zeigt das Museum des Künstlers farbenfrohe Werke. Etwa die Weidenden Pferde, bei dem der Maler die Tiere in unterschiedlichen Rot- und Braun-Tönen gehalten hat.

Walchensee/Walchensee

Die letzte Etappe führt zum höchst gelegenen See der Gegend, dem Walchensee. Er dient als Speicherbecken für das unterhalb nahe dem Kochelsee gelegene Walchenseekraftwerk.

Die Fahrt entlang des Ostufers mit Ausblicken auf den See führt vorbei an Gasthäusern und Surf-Spots zum Camping Walchensee. Hier machen sich vor allem Segler breit, die ihre Katamarane und Segelboote am Ufer liegen haben.

Eine Fahrt mit der Herzogstandbahn am gegenüberliegenden Ufer eröffnet herrliche Aussichten – gleichzeitig auf den Kochel- und Walchensee. Der Blick schweift vom Wetterstein über den Karwendel bis zu den Tiroler Bergen. Der Panorama-
Naturlehrpfad (beginnend an der Bergstation) erklärt Wanderern die gewaltigen Verschiebungen der Erdkruste, die am Herzogstand besonders gut zu sehen sind.

Beim Blick von der Sonnenterrasse des Herzogstandhauses nahe der Seilbahn nehmen die Stellplatzreisenden Abschied vom Blauen und Fünfseenland Oberbayerns. Ein ganz besonderer Platz im Alpenvorland, der richtig seensüchtig macht.

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