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Wohnmobilstellplätze im Thüringer Wald

Über allen Wipfeln

In der kalten Jahreszeit lockt der Thüringer Wald mit verschneiter Berglandschaft, vielfältigen Sport- und Kulturangeboten. Reisemobilisten wählen zwischen einfachen Stellplätzen und komfortablen Campings.

Durch tiefe Täler winden sich murmelnde Bäche und rauschende Flüsschen. An steilen Hängen streben kerzengerade Fichten himmelwärts. In grünen Auen strecken bemooste Eichen knorrige Äste aus. Von kargen Hochebenen schweift der Blick weit über gerundete Mittelgebirgsrücken. „Über allen Gipfeln ist Ruh, in den Wipfeln spürest Du kaum einen Hauch.“ So beschrieb Johann Wolfgang von Goethe seine Eindrücke auf dem 861 Meter hohen Kickelhahn bei Ilmenau. Der Dichterfürst soll die Verse, die als „Wanderers Nachtlied“ Berühmtheit erlangten, mit Bleistift an die Holzwand der Jagdaufseher-Hütte auf dem Berg geschrieben haben. Dort übernachtete er, „um dem Wuste des Städgens, den Klagen, den Verlangen, der Unverbesserlichen Verworrenheit der Menschen auszuweichen“.

Im Thüringer Wald kann man auch heute die Seele baumeln lassen. Hier im Zentrum Deutschlands wurde über Jahrhunderte Geschichte geschrieben. Auf der Wartburg bei Eisenach übersetzte Martin Luther die Bibel vom Altgriechischen ins Deutsche und schuf dabei aus der Fülle der Dialekte die deutsche Hochsprache. Neben Eisenach bieten auch die Goethe-Stadt Ilmenau und die Theaterstadt Meiningen eine Vielfalt an Kultur. Ruhla, Lauscha und viele andere Orte zeugen von hervorragender Handwerkskunst und Erfindungsgeist.

Kultur, Traditionen und reizvolle Natur sind im Thüringer Wald eng verwoben. Liebevoll renovierte Dörfer mit grauen Schindeldächern, historischen Fachwerk- oder Schieferfassaden schmiegen sich in romantische Täler. Das herausragende Rückgrat des Naturparks bildet der Rennsteig, ein Höhenweg, der über den Kamm des Thüringer Waldes und des Thüringer Schiefergebirges bis in den nördlichen Frankenwald führt. Bei Schnee mutiert der Wanderweg zum Eldorado für Ski-Tourengeher und Langläufer. Liebhaber des Abfahrtslaufs finden vielerorts Liftanlagen, Schlittenfreunde bevölkern zahlreiche Rodelhänge.

Wir haben den Thüringer Wald im Zickzackkurs von Nordwest nach Südost durchfahren und dabei den Rennsteig per Wohnmobil mehrfach gekreuzt. Die Straßen sind teilweise sehr steil. Zahlreiche Kisten mit Streugut am Wegesrand lassen erahnen, dass es hier bei Schnee glatt sein kann. Winterreifen sind obligatorisch – Schneeketten sollten im Gepäck sein.

Eisenach

Startpunkt unserer Tour ist Eisenach, inmitten von vier Tälern malerisch zu Füßen der Wartburg gelegen. Die reiche kulturelle Tradition der Stadt ist mit Luther und Bach, mit dem Wirken der Heiligen Elisabeth, mit Telemann, Goethe, Wagner und Liszt eng verbunden. Im wohl ältesten Fachwerkhaus Thüringens soll Martin Luther den schönsten Teil seiner Schulzeit verbracht haben. Johann Sebastian Bach wurde in Eisenach geboren. Von seinem Leben kündet das weltweit größte Museum für den Komponisten.

Eisenach gilt auch als Autostadt. Wo einst der berühmte Wartburg vom Band rollte, präsentiert heute eine Ausstellung die bewegte Geschichte des Automobilbaus – vom Dixi bis zum Opel.

Die Wartburg mit einer Führung durch die Gemächer des UNESCO-Welterbes und die Lutherstube bildet den Höhepunkt des Eisenach-Besuchs. Für eine Stadtbesichtigung eignet sich der Stellplatz in der Karl-Marx-Straße. Von hier erreichen wir in wenigen Minuten die Altstadt an der Stelle zu Fuß, wo Busse zur Wartburg starten.

Wer zur Feste wandern möchte, stellt sein Wohnmobil auf dem ausgewiesenen Stellplatz im Marienthal ab. Vom Parkplatz des ehemaligen Ausflugslokals Phantasie aus führen drei verschiedene Wanderwege nach oben. Die kürzeste Route über Heerleins Grab ist drei Kilometer lang und in 45 Minuten zu bewältigen. Allerdings ist der Weg teilweise schlecht ausgeschildert, an manchen Stellen steil und deshalb bei Schnee nicht zu empfehlen.

Einen schönen Wartburgblick, Ver- und Entsorgung sowie Shuttle-Service zum Zentrum und zur Wartburg bietet der Stellplatz von Wohnmobile Waldheim im Gewerbegebiet Stregda, vier Kilometer nördlich von Eisenach.

Wilhelmsthal

Acht Kilometer südlich von Eisenach liegen Schloss und Park Wilhelmsthal. Die Sommerresidenz der Herzöge von Sachsen-Weimar-Eisenach besteht aus mehreren barocken und klassizistischen, pittoresk in einem Landschaftspark aus dem späten 18. Jahrhundert gelegenen Gebäuden. Zentraler Bestandteil der Gartenanlage ist der zu einem See angestaute Bach Elte.

Auch der Campingpark Eisenach breitet sich rund um ein Naturgewässer aus, den Altenberger See. Vom Campingplatz aus führen Wanderwege durch idyllische Landschaft zur Wartburg.

Ruhla

Östlich von Wilhelmsthal liegt die ehemalige Bergbau- und Industriestadt Ruhla eingebettet ins enge Erbstromtal. Sehenswert sind das Pfeifen- und Uhren-Museum sowie der Miniaturen-Park „mini-a-thür“ mit detailgetreuen Modellen Thüringer Bauwerke (Saisonbeginn 28. März). Gemütlich und romantisch erweisen sich Pferdeschlittenfahrten durch den verschneiten Winterwald. Aktiv erholen können sich Urlauber auf zehn Kilometern gespurter Loipen sowie gut geräumten Skiwanderwegen. Unterhalb der Schanzenanlage Alte Ruhl gibt es einen Skigarten mit Rundspur, auf der Urlauber Langlauf-Techniken erlernen. Der nahe Rodelhang ist in den Abendstunden beleuchtet. Weitere Rodelhänge liegen bei der Ruhlaer Skihütte und hinter der Geißenalm.

Die rustikale Alm abseits vom Ort am Waldrand bietet Stellplätze hinter dem Gasthaus. Hier krähen Hähne, meckern Ziegen und stolzieren Pfauen umher. So urig wie seine Alm zeigt sich der Bauer und Gastwirt selbst. Dieter Koch serviert in der urigen Schankstube deftige Kost, süffiges Bier und milden Obstbrand. Dabei tischt er Heimat-Geschichten aus DDR- und Nachwendezeiten auf. Bei Schnee bietet der passionierte Hornschlittenfahrer zuweilen eine besondere Gaudi: Gleich hinter dem Haus geht es auf dem Riesen-Rodel bergab.

Brotterode

Die kleine Bergstadt liegt direkt am Rennsteig. Im Winter bieten gespurte Loipen, ein Skilift sowie eine Natureislauffläche gute Sportbedingungen. Der Ort befindet sich am Fuße des 916 Meter hohen Großen Inselsbergs (Entfernung zum Gipfel sechs Kilometer). Oben gibt es zwei unterschiedlich steile Rodelhänge und drei Skipisten verschiedener Schwierigkeitsgrade. Sie sind per Schlepplift zu erreichen.

Für Reisemobile reservierte Flächen befinden sich am Ortsrand Brotterodes auf dem Parkplatz des Schwimmbads Inselsberg. Stellplatzgäste nutzen das WC und duschen gegen Gebühr im Bad. Ob Schwimmhalle und Sauna jedoch auch 2015 noch betrieben werden, war bei Redaktionsschluss unklar. Die Stellplätze in Brotterode-Trusetal, fünf Kilometer südlich auf einem öffentlichen Parkplatz, bieten keinerlei Service. Allerdings gibt es im einen Kilometer entfernten Skigebiet Judenkopf bei Laudenbach einen Schlepplift und eine Piste mittleren Schwierigkeitsgrads.

Tabarz

Sanften Rodel- und Skispaß erleben Wintersportler auch am Datenberg bei Tabarz. Der Skilift mit einer Schlepplänge von 170 Metern liegt im Zentrum des Ortes, überwindet allerdings nur einen kleinen Höhenunterschied. Bei günstigen Schneebedingungen wird Abend-Rodeln unter Flutlicht bei Musik und Leckerem vom Grill angeboten. Heißer Tipp für flotte Rodler und Skifahrer: der acht Kilometer entfernte Große Inselsberg. Langlauf-Liebhaber finden rund um den Berg sowie ab Tabarz gespurte Loipen.

Einen Stellplatz ohne Service gibt es auf dem Parkplatz des Erlebnisbads Tabbs. Ein sehr komfortables, dennoch günstiges Quartier finden Reisemobilisten 14 Kilometer südöstlich von Tabarz auf dem Campingplatz Paulfeld beim Dörfchen Catterfeld im Leinatal. Loipen beginnen direkt am inmitten der Natur gelegenen Platz. Kinder haben Spaß an Spielplätzen und Streichelzoo.

Oberhof

Oberhof ist der bekannteste Wintersportort im Thüringer Wald. Bereits im 19. Jahrhundert flanierten Gäste durch den staatlich anerkannten Luftkurort auf 825 Metern Höhe. Heute sausen Touristen auf Snowboards, Skiern oder Rennschlitten zu Tal, praktizieren Langlauf oder Biathlon für jedermann.

Vom Skilift am Fallbachhang genießen wir die Panoramaperspektive über den verschneiten Wald, eventuell sogar auf das Trainingsgeschehen auf der Bobbahn. Als weitere Attraktionen Oberhofs gelten das Wellness- und Erlebnisbad H2Oberhof und das Exotarium mit Reptilien, Spinnen und Fischen.

In den Genuss der Oberhof All Inclusive Card, die Übernachtungsgästen Rabatte bei mehr als 100 Freizeit-, Sport- und Kultur-Angeboten gewährt, kommen auch Besucher des am Ortsrand gelegenen großen Wohnmobilstellplatzes. Er bietet mit Ver- und Entsorgung, einem Aufenthaltsraum sowie Toiletten schon beinahe Campingplatz-Komfort.

Absolut ruhig mitten im Wald am Lütschstausee versteckt sich Oberhof Camping. Ob die Strecke von hier nach Oberhof sechs oder 21 Kilometer lang ist, hängt von der Schneehöhe ab. Zuweilen kann der kürzere Waldweg im Winter nicht geräumt werden. Dann ist der Platz nur über Frankenhain zu erreichen.

Ilmenau

Ilmenau, 500 Meter hoch am Nordhang des Thüringer Waldes, gilt als Goethe- und Universitätsstadt. Sehenswert sind das Goethe-Museum im Amtshaus und das Goethehäuschen auf dem Kickelhahn. Zwar ist die Schutzhütte, in der der Dichter 1780 übernachtete, bereits vor mehr als 100 Jahren abgebrannt, jedoch originalgetreu wieder aufgebaut. Die berühmten Verse können in dem frei zugänglichen Holzhäuschen in 16 Sprachen nachgelesen werden.

Im Gabelbachtal zwischen Kickelhahn und Lindenberg befindet sich das Wintersportzentrum von Ilmenau. Der örtliche Wintersportverein bietet dort Ski- und Snowboard-Kurse an und einen 300 Meter langen Kleinschlepplift.

Zur Stadtbesichtigung eignet sich der Stellplatz bei der Festhalle, wo es auch Wasser und eine Entsorgungsmöglichkeit gibt.

Wer länger verweilen möchte, fährt den neun Kilometer südwestlich gelegenen Waldcampingplatz Meyersgrund im Ilmtal an. Dort führt der Goethe-Wanderweg vorbei, der die Aufenthaltsorte des beliebten Dichterfürsten zwischen Ilmenau und Stützerbach verbindet.

Schmiedefeld

Wie der Name verrät, gab einst das Erz zum Schmieden den Anlass zur Gründung des Höhenortes. Heute ist Tourismus die wesentliche Einnahmequelle für das im UNESCO-Biosphärenreservat Vessertal gelegene Schmiedefeld. Winters locken Schlittenfahrten – auf der Hochebene von zwei Pferdestärken bewegt oder hangabwärts der Schwerkraft folgend. Am 896 Meter hohen Eisenberg befindet sich ein Ski-Schlepplift mit einer 900 Meter langen Abfahrt. Insgesamt gibt es 35 Kilometer Loipen und Skiwanderwege. Erstmals soll hier ein Skimarathon für jedermann stattfinden. Der 42. Schmiedefelder Schneeschuhlauf und das 16. Schmiedefelder Schneeskulpturenbauen starten am 21. Februar 2015 unter dem Motto „Schmiedefelder Winterzauber“. Einheimische und Gäste sind aufgerufen, eine Winterlandschaft aus Schnee und Eis zu gestalten.

Schmiedefelds Stellplatz liegt im Zentrum des Geschehens am Sportplatzgelände – ohne jeden Service. Wer Komfort wünscht, findet ihn unmittelbar am Rennsteig zwischen Schmiedefeld und Frauenwald. Das Waldhotel Rennsteighöhe hält für Restaurantgäste kostenlose Stellflächen vor, zudem ist es möglich, gegen Gebühr die Duschen des Hauses zu nutzen. Auf dem Gelände der mitten im Wald gelegenen ehemaligen Stasi-Ferienanlage befindet sich ein Bunker aus der Zeit des Kalten Krieges. Er kann bei einer Museumsführung besichtigt werden.

Lauscha

Lauscha gilt als Wiege des lampengeblasenen Glases und genießt Ansehen als Geburtsstadt gläsernen Christbaumschmucks. Einblicke in das Schaffen der Glasbläser geben das Museum für Glaskunst sowie Vorführwerkstätten und Geschäfte. Wichtige Grundlage für dieses Handwerk ist die Farbglashütte, in der nach alter Tradition von Hand farbige Glasstäbe und Röhren für die Glasbläser gefertigt werden.

Für Stadtbesichtigungen eignet sich der gebührenfreie Stellplatz auf dem Großparkplatz P4 Obermühle nahe der Sprungschanzenanlage Marktiegel.

Gemeinsam mit dem Nachbarort Ernstthal war Lauscha bereits 1931 Austragungsort Deutscher Meisterschaften. Die Sommerrodelbahn Ernstthal wandelt sich im Winter zur Skipiste. Der Lift läuft ab einer Schneehöhe von 30 Zentimetern. Es gibt vier Abfahrten und ein gut ausgeschildertes Skiwander-Wegenetz. Auf dem Liftparkplatz dürfen Reisemobilisten kostenfrei stehen. Übrigens: Thüringens größtes alpines Skigebiet, die Skiarena Silbersattel mit Doppelsessellift, zwei Schleppliften, einem Babylift sowie acht Pisten, befindet sich sieben Kilometer südlich bei Steinach.

Meiningen

m Werratal zwischen Thüringer Wald und Rhön liegt Meiningen. Es gehört mit bedeutsamer Musik- und Theatergeschichte zu den Städteperlen Thüringens. Alleen mit repräsentativen Bauten des
19. Jahrhunderts wechseln mit kleinen Gassen und Fachwerkhäusern ab. Romantisch speisen Besucher im historischen Henneberger Haus oder in der Ratsstube am Marktplatz, im Theater finden hochkarätige Konzerte statt. Parks und Wanderwege laden zum Spazieren ein.

Den Weg von Bauerbach nach Meiningen, den Schiller zu Fuß inkognito unternahm, um sich Tinte, Zeitungen und Schnupftabak zu besorgen und soziale Kontakte zu pflegen, ist heute durch Skulpturen geschmückt. Warum der Dichter sich zur Flucht entschloss, erklärt eine Ausstellung in Schloss Elisabethenburg. Das Theatermuseum in der ehemaligen Reithalle vermittelt einen Eindruck von der „Zauberwelt der Kulisse“. Märchenhaft wirkt die Goetz-Höhle, Deutschlands größte begehbare Kluft- und Spaltenhöhle am Westhang der Stadt.

Meiningen bietet Reisemobilisten drei Stellplätze zur Auswahl. Ohne Service, doch wegen der Zentrumsnähe für Stadtbesichtigungen geeignet, ist der große Theaterparkplatz am Volkshaus. Gleiches gilt für den an der Werra gelegenen Stellplatz Großmutterwiesen. Strom für bis zu sechs Mobile gibt es im Stadtteil Rohr am Nordhang, unterhalb vom Schwimmbad und Campingplatz Freizeitzentrum Rohrer Stirn (geöffnet 1. April bis 31.Oktober).

Von hier genießen wir ein letztes Mal den schönen Ausblick über die sanft hügelige Landschaft Thüringens. Wir haben prima Wintersportmöglichkeiten gefunden und jede Menge Kultur erlebt.

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