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Carthago Highliner 59 LE im Test

Starlight Express

Eine Urlaubsfahrt mit dem Carthago Highliner 59 LE lehrt: Der Liner auf Iveco polarisiert – und ist überraschend einfach zu fahren.

Campingpark Kühlungsborn an der Ostsee, mitten im Sommerurlaub. Vorne gluckert das Grauwasser aus unserem Testwagen, einem Carthago Highliner 59 LE. Das dauert bei 205 Liter Tankvolumen. Ein Liner ist kein Durchschnittsmobil mehr. Ein Liner polarisiert ganz offensichtlich. Für mich, der bislang keinen Liner bewegt hatte, eine weitere und neue Erfahrung. Die ganz neutral zu werten, aber auch gut zu wissen ist. Der Linerfahrer campt exponierter. Bei ihm wird genau hingesehen: Wie kann der sich das Mobil leisten? Kann er damit umgehen? Und was kann der Liner besser als mein eigener Integrierter?

Vielleicht zur Frage zwei. Ja, der Highliner fährt sich mit seinen 8,59 Meter Länge und 3,27 Meter Höhe doch etwas anders als die klassischen Teilintegrierten auf Ducato, der zu Recht als Sportwagen unter den Basisfahrzeugen gilt. Hochherrschaftlich thronen Pilot und Copilot auf dem von Meier umgebauten Iveco-Chassis, mit weitem Überblick über den Verkehr. Mit der elitären Höhe einher geht eine gewisse Wankneigung. Der Fahrkomfort ist gut, vor allem mit der im Testwagen montierten Vollluftfederung. Weil das alles so gar nichts mehr mit einem Pkw zu tun hat, wird der Stil noch defensiver, noch entspannter. Wozu auch die Achtgang-Automatik mit hellwachen und dennoch butterweichen Gangwechseln maßgeblich beiträgt. Ein klarer Fortschritt gegenüber dem alten, automatisierten Schaltgetriebe, mit dem Fahrer mit sensiblem Gasfuß und Gefühl für Last- und Schaltvorgänge dennoch gut leben können. Überraschend gut sind Übersichtlichkeit und Handlichkeit des Highliners. Schmale A-Säulen und eng anliegende Busspiegel lassen den Liner – dessen Karosserie überschaubare 2,27 Meter Breite misst – auch auf ostdeutschen Alleen stressfrei funktionieren.

Und der Heckantrieb des Iveco Daily ist jedem frontgetriebenen Ducato-Reisemobil in zwei Disziplinen überlegen: Die Traktion ist fabelhaft und der Lenkwinkel gigantisch. In Kombination mit der Rückfahrkamera habe ich persönlich mit dem Highliner 59 LE besser rückwärts einrangieren können als mit manch kleinerem Teilintegrierten.

Angst vor den Nebenwirkungen der schieren Dimension also muss kein Reisemobilist haben, der des Wohnwertes wegen mit einem Liner liebäugelt.

Und der ist durchaus beachtlich, auch wenn ein klassischer Sommerurlaub im Gegensatz zum Wintercamping die Vorzüge von 52-Millimeter-Bodenplatte und Wandstärken von 47 Millimetern kaum zur Geltung bringt.

Auch Nicht-Winterurlauber profitieren vom üppigen Raumangebot des Doppelbodens (32 Zentimeter Höhe), der dank Busklappen mit ausgefeilter Kinematik (schwenken komplett nach oben an die Karosse) auch sehr gut zugänglich ist. Prima: Alle Klappen inklusive Aufbautür sind an die Zentralverriegelung angeschlossen.

Schick aussehen tun die bündig abschließenden Klappen mit ihren eleganten Beschlägen übrigens allemal. Gelungen ist auch die große, vor allem hohe Heckgarage, unter deren Klappen übrigens der Grill auch bei Regen gut zu betreiben ist – ausprobiert in Kühlungsborn.

Und der Innenraum des Highliners? Er bietet ordentlichen Schlafkomfort und angemessene Platzverhältnisse. Sehr gut sind beispielsweise die beiden Kleiderschränke vor den Einzelbetten, in denen Jacken hängend und ohne Verrenkungen zugänglich sind.

Allerdings ist der Highliner 59 LE nicht völlig durchgängig hochwertig – was auch Carthago weiß. So haben die Aulendorfer im neuen Jahrgang Küche und Dusche aus der C-Line übernommen. Funktional ist das völlig in Ordnung, aber vor allem die Dusche mit Plexi- statt Echtglas stammt erkennbar aus der niedrigeren Klasse. Ob das der anspruchsvolle Liner-Käufer widerstandsfrei akzeptiert?

Diese Schwäche ist schade, weil weite Bereiche des Innenraums gut und hochwertig konzipiert sind mit dem erkennbaren Willen, hier etwas Besonderes zu bieten. Angefangen bei den schönen Rundinstrumenten oberhalb der Tür und die Leder-Sitzlandschaft mit integriertem Fernseher bis zum Armaturenbrett mit viel Holz und Furnier.

Als wolle Carthago da eine echte Landyacht für Stell- und Campingplätze im Programm haben. Und auch bei Yachten ist der Neidfaktor bekanntlich oft groß.

Fazit

Liner-Interessenten sollten sich den Carthago Highliner 59 LE ansehen: Das Fahrzeug ist trotz seiner Größe handlich und übersichtlich, der Iveco darunter spielt seine Stärken aus: Technisch ist der Highliner top, die Zuladung reicht dicke. Das Konzept mit den bündigen Außenklappen ist formschön, das Armaturenbrett mit Holz sehr besonders. Nur die Dusche sollte Carthago wertiger anbieten – dann passt alles.

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