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Hymer Van 314 im Test

Klein, aber fein

Mit dem 5,45 Meter kurzen Van 314 reagiert Hymer auf die wachsende Nachfrage nach ultrakompakten Teilintegrierten. Was kann der Kunde von dem Knirps erwarten?

Der Trend geht zu immer kürzeren Reisemobilen, die an Wendigkeit und Alltagstauglichkeit einem ausgebauten Kastenwagen nacheifern, dabei aber mehr Wohnkomfort bieten sollen. Hymer geht diesen Weg konsequent mit dem 5,45 Meter kurzen und ab 48.990 Euro erhältlichen Van 314.

So rollt der Hymer Van 314 auf Fiat-Ducato-Basis mit Al-Ko-Leichtbau-Tiefrahmenchassis und bewährter PUAL-Bauweise zu den Kunden. Hymer schäumt die Wände selbst, verwendet auf der Außenseite Aluminium und innen Sperrholz. Die Außenseite des Alu-Sandwichdaches wird zusätzlich mit einer hagelresistenten GfK-Schicht belegt. Der Boden besteht aus einem robusten GfK-Sandwich.

Hymer ummantelt den Frisch- und Abwassertank mit isolierten, beheizten Wannen, was den kurzen Van winterfest macht.

Karosserie

Die Entscheidung für ein teures Al-Ko-Fahrgestell fiel bei Hymer nicht von ungefähr. Außer einem komfortoptimierten Fahrverhalten ist man mit dem Spezial-Chassis, was die Wahl des Radstands betrifft, flexibel. Der Radkasten des Ducato-Serienchassis hätte sonst den Einbau des Sanitärraums behindert. Hochwertige PU-Rahmenfenster von Seitz und eine robuste Aufbautür inklusive Fenster werten die Wohnkabine des kleinen 314ers auf.

Aufbautür und Klappen werden sehr gut eingepasst, was die Spaltmaße gering und einheitlich hält. Sind die Garagenklappen geöffnet, halten sie Gasdruckdämpfer in ihrer Position. An der Verarbeitungsqualität der Kabine gibt es nichts zu mäkeln – auffällig sind auch die nahezu wellenfreien Sandwichwände. Der Heckstoßfänger des Teilintegrierten besteht aus drei Kunststoff-Tiefziehteilen. Das ist äußerst reparaturfreundlich.

Gut gelungen ist der Unterbau des Hymer Van. Die Durchbrüche für den Gurtbock zeigen sich feinsäuberlich abgedichtet, die Elektroleitungen fachgerecht in Kabelkanälen entlang des GfK-Sandwichbodens zu den Heckleuchten hin verlegt.

Küche und Bad

Trotz 320 Zentimeter kurzem Wohnraum geht es im Interieur des Van 314 geräumiger zu als in einem vergleichbaren Kastenwagen. Das liegt eindeutig an dem rund zehn Zentimeter breiteren Wohnaufbau – und kommt der Bewegungsfreiheit zugute.

Die 80 mal 56 Zentimeter große Längsküche bietet dank abklappbarer Arbeitsplatte ausreichend Arbeitsfläche und hat mit zwei Schubfächern und einem Oberschrank genug Stauraum für Vorräte und Kochgeschirr. Im Vergleich zur Bordkombüse eines ausgebauten Kastenwagens ist sie aber kaum größer. Nicht so das gegenüber eingebaute Bad mit einer Grundfläche von 95 mal 70 Zentimetern. Der vollwertige Sanitärraum bietet mit seiner durchdachten Einrichtung mit dem großen Klappwaschbecken über der Kassettentoilette auch kräftigeren Mobilisten ausreichend Platz.

Innenausbau

Bei der Einrichtung bedient sich der Hersteller aus dem Möbelregal der bewährten und hochwertigen Exsis-Baureihe. Hellbraune Möbel mit silberfarbenen Zierleisten und weißer Möbelklappe über der Küche sowie Oberschränke mit großen chromfarbenen Griffen zieren auch die moderne Einrichtung des neuen Hymer Van.

Die einzelnen Möbelelemente sind bestens eingepasst und fachgerecht verarbeitet. Langlebige bündige Kunststoffumleimer sowie robuste Metallaufsteller und -scharniere ergänzen den gelungenen Innenausbau.

Um Schimmelbildung vorzubeugen, hinterlüftet Hymer die Schränke. Insgesamt punktet der kleine Hymer mit nützlichen Details, die den mobilen Alltag erleichtern. So integrieren die Hymer-Entwickler einen herausnehmbaren Abfalleimer in das ausziehbare Küchenschubfach (Unterschrank). Außerdem kommt anstatt einer nach außen öffnenden Badezimmertür eine platzsparende Lamellenschiebetür zum Einsatz.

Für einen ausgewachsenen Kleiderschrank im Wohnraum reicht der Platz aber nicht aus. Deshalb findet der für die Bedürfnisse von zwei Personen dimensionierte Kleiderschrank (77 mal 56 mal 88 Zentimeter) unter dem Heckbett Platz. Er verfügt über eine Ladeklappe nach hinten zur Garage hin. So lassen sich auch sehr lange Gegenstände über die Heckklappe bis in den Wohnraum durchladen.

Sitzen & Schlafen

Vierzehn Zentimeter dicke, gut ausgeformte Rückenpolster gewährleisten zusammen mit dem 48 Zentimeter tiefen Sitzpolster ein hohes Maß an Komfort auf der Sitzbank. Die schmale Tischplatte (99 mal 43 Zentimeter) lässt sich um 43 Zentimeter verlängern, sodass auch der Passagier auf dem Beifahrersitz an ihr tafeln kann.

Um in das quer eingebaute, hochklappbare Heckbett zu gelangen, muss das Eignerpaar einen Höhenunterschied von 125 Zentimetern überwinden (auf Wunsch niedriger). Eine hölzerne Einhängeleiter erleichtert den Einstieg, blockiert dann jedoch gleichzeitig den Eingang ins Bad. Der Einstieg in das 200 Zentimeter lange und sich am Fußende von 145 auf 130 Zentimeter verjüngende Doppelbett erfordert ein gewisses Maß an Gelenkigkeit.

Elektrik, Gas & Wasser

Gut gelungen ist den Hymer-Technikern die Elektro-, Gas- und Wasseranlageninstallation. So punktet der Van 314 mit einem Außen-Elektro-Servicefach, in dem bis zu zwei Bordbatterien, die Sicherungen sowie das Ladegerät gut erreichbar montiert werden. Winterfest ist der Van dank isoliertem Frisch- und Wassertank. Die Gasabsperrhähne im Küchenschubfach sind leicht und ohne Verrenkungen zu greifen. Das Öffnen und Schließen erfordert dennoch wegen beengter Platzverhältnisse etwas Geschick.

Zum Gasflaschenwechsel braucht es Kraft und einen gesunden Rücken. Denn der Flaschenkasten steht weit oben in der Garage. Das Reinwuchten der Gasflasche macht auch noch eine Seitwärtsdrehung nötig.

Sicherheit

So kurz wie der Hymer Van ist, so knackig lässt er sich auch fahren. Er ist äußerst wendig und dank kurzem Hecküberhang (134 Zentimeter) leicht zu manövrieren, fast so wie ein Kastenwagen. Fast, denn der Wohnaufbau des Vans ist eben rund zehn Zentimeter breiter.

Die Serienausstattung des kleinen Teilintegrierten fällt vorbildlich aus. ABS und EBD (elektronische Bremskraftverteilung) sind genauso serienmäßig wie ESP und ASR mit Hill-Holder-Funktion sowie Fahrer- und Beifahrerairbag. Ein echter Hymer eben, der die markentypischen Tugenden in sich vereint. Auf den ersten Blick scheint er zwar noch nicht ausgewachsen, auf den zweiten Blick zeigt der Kleine seine wahre Größe.

Unser Fazit

Kurz und knackig: Treffender kann man den neuen Hymer Van 314 kaum beschreiben. Der kleine Hymer ist kompakt und alltagstauglich, ohne auf markenspezifische Qualitätsmerkmale wie den hochwertigen Fertigungsstandard des Auf- und Innenausbaus, die üppige Serienausstattung und zahlreiche nützliche Details zu verzichten. Im Vergleich zu einem Kastenwagenmodell bietet er eine bessere Isolierung und mehr Platz. Und das für unter 50.000 Euro.

Infobox

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Redaktion
Juan Gamero
Juan Gamero ist seit Juli 1991 bei der Reisemobil International. Er testet Reisemobile & Co. und ist Experte für Technik.
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