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Malibu I 440 im Test

Tiefstapler

Das Mittelklasse-Mobil vereint in Wahrheit viele Attribute eines Oberklasse-Modells auf sich. So gesehen hat der Malibu echte Carthago-Gene.

Komisch. Sieht aus wie ein Carthago. Ist aber keiner. An der Dachhutze über der großen Frontscheibe steht „Malibu“. Allerdings handelt es sich bei dem Mobil um einen Integrierten.

Karosserie

Den 6,99 Meter langen und ab 70.450 Euro erhältlichen Malibu I 440 montiert der Hersteller auf ein Fiat-Ducato-Chassis mit Fiat-Tiefrahmen (nicht wie Carthago mit Al-Ko-Fahrgestell) und Fiat-Breitspurhinterachse.

Der Aufbau kommt ohne Holzfachwerk aus. Dach und Boden bestehen aus robustem GfK-Sandwich, die Wände sind außen mit Aluminium beplankt. Isoliert wird mit geschlossenzelligem RTM-Hartschaum, der nahezu kein Wasser aufnimmt. Solide PU-Profile, die miteinander auf der gesamten Länge verzahnt und vollflächig verklebt werden, verbinden Dach, Wände und Boden. Auf eine Mischbauweise mit Aluminium auf der Innenseite der Wände, wie in den Carthago-Modellen üblich, verzichtet Malibu.

Ein weiteres Plus in Sachen Aufbautechnik stellt der beheizte und isolierte Doppelboden dar, in dem der Abwassertank und nützliche Schuhfächer ihren Platz finden. Passend zum Aufbau montiert Malibu wertige Seitz-S4-PU-Rahmenfenster. Auch kleine Parkrempler sind kein Drama. Der vierteilige Heckrahmen mit integrierter Stoßstange lässt sich partiell wechseln.

Küche und Bad

Malibu integriert das Sanitärteil in das Heckschlafzimmer des Malibu. Der oberschwäbische Hersteller stattet das Bad mit eleganten Holzmöbeln, großem Spiegelschrank, Waschtisch mit Unterschrank, großem Waschbecken (38 mal 30 Zentimeter) sowie zahlreichen Ablagen aus. Dunst aus dem 100 mal 70 Zentimeter großen Bad entweicht über eine Dachhaube.

Die Beinfreiheit auf der Toilette ist für groß gewachsene Reisemobilisten bei geschlossener Lamellentür etwas knapp. Die gegenüber liegende Duschkabine (80 mal 70 Zentimeter Grundfläche) hingegen eignet sich dank einer Stehhöhe von 198 Zentimetern auch für den groß gewachsenen Camper. Eine hölzerne Schiebetür trennt den Schlaf- und Sanitärtrakt vom vorderen Wagenteil ab.

In Wagenmitte befindet sich die große Längsküche (80 mal 55/90 Zentimeter) des Integrierten. Die Techniker statten sie mit Dreiflammkocher inklusive elektrischer Zündung, tiefer Rundspüle sowie sechs Schubfächern aus. Wie schon im Badezimmer: An Ablage- und Arbeitsfläche mangelt es nicht.

Innenausbau

Reichlich Platz steht der maximal vierköpfigen Bordcrew im Wohnraum des Malibu I 440 zur Verfügung. Die Mindestdurchgangsbreite im Mittelgang beträgt 65 Zentimeter.

Die Einrichtung des Integrierten ist schnörkellos gehalten. Graubraune Möbeltorsi mit silbern glänzenden Zierleisten an den Klappen und großen, leicht bedienbaren Griffen kennzeichnen das Interieur. Die einzelnen soliden Möbelelemente passen die Techniker sehr gut ein. Der Malibu belohnt das während der Fahrt: Es sind kaum Quietsch- oder Knarzgeräusche zu hören.

Sitzen und Schlafen

Um Platz im Schlafzimmer zu sparen, die Bewegungsfreiheit und den Liegekomfort zu erhöhen, lässt sich die Matratze samt Lattenrost nach hinten schieben. Dabei stellt sich das Kopfende des Queensbettes (195 mal 146 Zentimeter) auf. Darunter verbergen sich eine Wäschetruhe und ein großes Wäscheschubfach. Links und rechts verbleiben 40 Zentimeter Platz, um ins Bett zu gelangen.

Im manuell absenkbaren Hubbett (195 mal 160 Zentimeter) sorgen Holzlattenrost und Mehrzonen-Kaltschaummatratze für Liegekomfort. Die 13 Zentimeter dicken Polster der Sitzgruppe sind gut ausgeformt. Wer auf der Längsbank Platz nimmt, findet dank beweglicher Tischplatte (90 mal 62 Zentimeter) ebenfalls Platz an der Tafel.

Elektrik, Gas und Wasser

An der Installation des Malibu gibt es nichts auszusetzen. Bordbatterie, Ladegerät und Sicherungen haben einen guten Platz, leicht zugänglich unter dem Fahrersitz. Die Ausleuchtung des Wohnraums erfolgt ausschließlich über LED-Spots. Außerdem spendiert Carthago dem Malibu genügend Steckdosen.

Einfach bedienen lassen sich die in Hüfthöhe an einer Holzblende montierten Gasabsperrhähne in der Küchenschublade. Das gilt auch für das Ablassventil des Boilers, das zusammen mit der Combi-6-Heizung in der Längsbank sitzt.

Der Gasflaschenkasten ist ordnungsgemäß entlüftet, zum Wohnraum hin sauber abgedichtet und tief montiert, was den Flaschenwechsel erleichtert. Den Abwassertank integriert Malibu in den isolierten und beheizten Zwischenboden. Der dazugehörige Ablasshahn sitzt ebenfalls im beheizten Bereich in einer Serviceklappe. Das Mobil ist damit wintertauglich.

Sicherheit

Windgeräusche bei schneller Fahrt und Knarzgeräusche auf schlechten Straßen sind Mangelware. Die Übersicht auf den nachfolgenden Verkehr behält der Fahrer dank großer und elektrisch verstellbarer Omnibus-Außenspiegel mit Weitwinkelapplikationen. Dank weit nach unten gezogener Frontscheibe hat der Fahrzeugführer gute Sicht auf den unmittelbar vor ihm fahrenden Verkehr oder auf Gegenstände und Personen auf der Fahrbahn.

Zu klein sind die Sonnenblenden ausgefallen. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase ist das Handling des I 440 kein Problem. Beim Rangieren darf der Fahrer aber den stattlichen Hecküberhang von 203 Zentimetern nicht außer Acht lassen.

Fazit

Der Malibu I 440 ist ein Tiefstapler. Zwar gibt er sich als Mittelklasse-Mobil aus, in Wahrheit vereint er jedoch viele Attribute eines Oberklasse-Modells auf sich. So gesehen hat der Malibu echte Carthago-Gene, ist in der Anschaffung allerdings deutlich günstiger. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist deshalb absolut ausgewogen.

Infobox

Den vollständigen Profitest von Juan J. Gamero inkl. aller technischen Daten, Übersicht aktueller Konkurrenten und Ladetipps finden Sie in der Reisemobil International-Ausgabe 01/2016 in unserem Magazin-Archiv.

Redaktion
Juan Gamero
Juan Gamero ist seit Juli 1991 bei der Reisemobil International. Er testet Reisemobile & Co. und ist Experte für Technik.
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