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Praxistest

Charaktertyp – Carthago

Mit seiner markanten Front tritt der neue Carthago Chic C-Line T 4.9 aus dem Ducato-Einerlei vieler Mitbewerber deutlich hervor. Die Nähe zum integrierten, ebenfalls überarbeiteten Pendant Chic C-Line I ist hierbei unverkennbar.

Es gibt Reisemobile, deren Optik bleibt einem lange im Gedächtnis, etwa der selige Hobby 600 aus erster Serie mit seinem bauchigen Aufbau und eigenwillig geschnittenen Seitenfenstern.

Auch der integrierte Carthago Chic C-Line I mit seiner unverwechselbaren dynamischen Frontpartie mit verchromten vertikalen Kühlergrillstreben, den der Aulendorfer Hersteller zur Saison 2015 vorstellte, ist so ein Typ.

Der Schöne kommt bei der Kundschaft gut an. Und so haben die Oberschwaben für das Modelljahr 2017 die Teilintegrierten der Baureihe Chic C-Line T an diese Optik angepasst. Zusätzlich hat Carthago viele Details verbessert; so glänzt auch diese Baureihe, wie alle übrigen der Saison 2017, mit einem neu gestalteten Doppelboden, bei dem der Camper direkt am Einstieg eine Bodenklappe zu einem großen, beleuchteten Stauraum öffnet. Hier sind fortan auch das Frostschutzventil für die Gasheizung Truma Combi 6 und auch der Hebel für den Ablassschieber des Abwassertanks untergebracht. So lässt sich, die Hand am Hebel, sehr gut kontrollieren, ob das Grauwasser aus dem Stutzen vorm rechten Hinterrad auch sauber in den Schacht der Entsorgungs-
station fließt. Frisch- und Abwassertank sind im separat beheizten Doppelboden untergebracht und über einen Bodendeckel  im Gang zwischen Toilettenraum und Dusche ebenfalls sehr gut zugänglich. Weitere Verbesserungen, etwa der Tisch, der sich nun mittels Fußpedal noch einfacher als vorher verschieben und drehen lässt, oder der neue Euro-6-Motor des Basisfahrzeugs Fiat Ducato machen neugierig auf den hübschen Chic C-Line T.

Zum Praxistest rollt der Carthago Chic C-Line T 4.9 vor die Redaktion. Mit Längs-Einzelbetten im Heck, Raumbad, Winkelküche und Sitzgruppe im Bug ist er auf reisende Paare zugeschnitten. Wer zu dritt oder zu viert loszieht, ordert die Sitzgruppe umbaubar oder das Hubbett. Der Testwagen kam ohne Hubbett, dafür aber mit zwei Dachfenstern und mit optionalem 4,5-Tonnen-Chassis von Al-Ko nach Stuttgart. Das verspricht üppige Zuladung, die sich bei der Fahrt auf die Waage auch bestätigt.

Aufbau

Doch noch vor der ersten Tour steht ein Rundgang ums Mobil an. Exakt angepasste Karosserieteile zeugen von gekonnter Verarbeitung des Aufbaus. Typisch Carthago: die gerundeten, bis ins Dach reichenden Seitenwände. Alle Seitz-Rahmenfenster sind sauber eingepasst, und an der Aufbautür gefallen die beiden Verriegelungen, Fenster und Insektenschutztür. Alles Serie, allerdings ist der Türdurchgang mit rund 56 Zentimetern nicht besonders breit. Nicht ganz überzeugen die beiden 104 mal 113 Zentimeter großen Garagentüren: Zwar schließen sie mit ihrer doppelten Dichtung sehr gut, und auch die bündigen Scharniere gefallen hier wie an allen anderen Klappen. Doch öffnen die an Dämpfern geführten Garagentüren nur etwas mehr als 90 Grad und ragen geöffnet in den Verkehrsraum, wobei die untere Abschlussleiste noch zusätzliche Zentimeter heraussteht. Doch auf diese Punkte beschränkt sich die Kritik am Aufbau. Der Unterboden ist an seinen Durchbrüchen gut versiegelt. Auch sind hier alle elektrischen Kabel sicher und ohne Scheuerstellen befestigt.

Im Innenraum fällt die ansprechende, üppig gepolsterte Halbdinette ins Auge. Hier findet jeder ein bequemes Plätzchen. Der Tisch lässt sich nun nach Treten eines Fußtasters sehr einfach drehen und verschieben. Er verriegelt danach sofort wieder, sodass die Tischplatte nicht mehr ungewollt hin- und herrutschen kann.

Küche

Gut kombiniert: Die Arbeitsplatte der Winkelküche belegt der Hersteller gewichtsparend mit einem Dekor und schließt sie nach vorne mit einer Schwallkante aus Mineralwerkstoff ab. Die beiden Glasdeckel des elektrisch zündenden Dreiflammkochers ermöglichen, die gut abgedichtete Arbeitsfläche variabel zu nutzen. Praktisch: die ausziehbare Armatur der großen Spüle und der Auszug für eine optionale (Nespresso-)Kaffeemaschine samt Küchenrollenhalter. Der Stauraum in Ober- und Unterschränken ist großzügig bemessen, zudem baut Carthago neben dem 160-Liter-Kühlschrank einen Apothekerauszug ein. Abfall wandert in die zwei Mülleimer in einem Auszug im Unterschrank.

Raumbad

Grund zur Freude gibt auch das Raumbad. Die Duschkabine ist groß genug, um der Körperpflege ohne blaue Flecken nachzugehen. Die Duschtüren lassen sich einfach bedienen und schließen zuverlässig. Zwei Abläufe in der Duschtasse, LED-Licht sowie eine Handtuchstange im Rahmen der Dachhaube komplettieren das Ensemble. Auch im WC-Raum gegenüber ist an alles gedacht: Genügend Bewegungsfreiheit auf der drehbaren Thetford-Toilette, großes Waschbecken mit Unterschrank samt Schmutzwäsche-Korb, Stauraum in den Spiegelschränken und ansprechende LED-Beleuchtung. Die Tür schließt dicht ab und dient um 90 Grad geschwenkt als Trenntür zur Küche.

Bett

Die beiden Betten im Heck des Carthago Chic C-Line T 4.9 messen 204 und 189 mal 80 Zentimeter. Die Sieben-Zonen-Kaltschaummatratzen ruhen auf einem Unterbau von Caravinx, das stabile GfK-Streben mit daran befestigten Federtellern kombiniert. Entsprechend gut ist der Liegekomfort – besser als zuweilen zu Hause. Zwischen den Betten liegt ein Füllpolster. Ein weiteres ermöglicht, eine nahezu durchgehende Liegefläche zu bauen. Besonderes Highlight: das Treppchen zu den Betten. Einfach am Griff entriegeln und beide Stufen in einem nach vorne ziehen. So bleibt es auch beim Doppelbett nutzbar. Viele Mitbewerber legen fürs umgebaute Bett eine teils kippelige Leiter bei, weil die starre Treppe vom Bett überbaut ist.

Vor der Abfahrt noch schnell die Gasflaschen checken: Der Flaschenkasten ist sehr gut zugänglich und mit Stahlblechkorpus ohne störende Schwelle konstruiert. Der Sicherheits-Gasregler Truma Duo Control CS für den Betrieb der Gasheizung während der Fahrt ist einer der vielen Positionen des in der Tat üppigen Super-Pakets für 4.290 Euro; er ist aber auch einzeln erhältlich.

Der neue Euro-6-Turbodiesel des Fiat Ducato mit 150 PS bringt den Carthago auch aus niedrigen Drehzahlen heraus flott voran. Hierbei zeigt sich der Teilintegrierte bei Seitenwind angenehm stabil.

Der Carthago Chic C-Line T 4.9 kostet ab 79.880 Euro, der Testwagen mit seinen Extras 90.835 Euro.

Fazit

Der neue Carthago Chic C-Line T 4.9 sieht gut aus. Doch mehr noch, der neue Teilintegrierte ist auch richtig gut und wird seinem Anspruch gerecht, ein Oberklasse-Teilintegrierter zu sein.

An der neuen Generation gefällt mir neben der geänderten Frontpartie besonders, dass Carthago intensive Modellpflege betrieben hat. Der ohnehin schon ausgeklügelte Doppelboden war dem Hersteller offensichtlich nicht ausgeklügelt genug, als dass man ihn nicht noch besser, noch praktischer machen könnte. So behält der Käufer selbst bei gleich gebliebenem Namen und Grundriss das gute Gefühl, stets ein wirklich aktuelles Fahrzeug zu wählen.

Infobox

Den vollständigen Praxistest inkl. aller technischen Daten und einer Ladetipps-Tabelle lesen Sie in der Reisemobil International 11/2016.

Redaktion
Mathias Piontek
Mathias Piontek ist seit Juli 2006 im Team von Reisemobil International und für die Fahrzeugtests zuständig.
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