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Laika Ecovip H 2109 und Malibu I 441 LE im Vergleichstest

Kompakt integriert

Integrierte sind groß und unhandlich? Nicht diese zwei Exemplare von Laika und Malibu. Wer Wohnkomfort und Handling besser zusammenbringt, klärt der direkte Vergleich.

Mal angenommen, es gäbe das ideale Wohnmobil, es würde zwei scheinbar gegensätzliche Eigenschaften kombinieren: viel Wohnraum einerseits, kompakt und handlich zu Fahren andererseits. Mit einem Kastenwagen entscheidet man sich mehr für kompakt und handlich, mit einem Integrierten für den Fokus auf maximalen Wohnraum. Und es gibt Fahrzeuge, die versuchen beide Attribute so gut es geht zusammenzubringen. Heraus kommt dabei wohl selten das ideale Wohnmobil, aber vielleicht doch der bestmögliche Kompromiss.

Eine solche Möglichkeit sind kompakte Integrierte mit kurzem Radstand, wie unsere beiden Testmobile von Laika und Malibu. Der Achsabstand von 3,45 Meter entspricht dem Wert des 541er-Ducato Kastenwagens, so beträgt der Wendekreis nur knapp über zwölf Meter. Die breitere Kabine mit geraden Wänden und ein üppiger Hecküberhang sorgen trotzdem für ordentlich Wohnraum.

Reisemobil International hat den schicken Italiener Laika Ecovip H 2109 mit dem eleganten Oberschwaben Malibu I 441 LE aus dem Hause Carthago verglichen, der sich bereits seit März in unserem Dauertest beweisen muss. Beide Fahrzeuge bleiben deutlich unter sieben Meter Länge, verfügen aber über den beliebten Grundriss mit Einzelbetten über der Heckgarage. Zudem sind die Mobile hochwertig gebaut und solide ausgestattet – die Grundpreise liegen allerdings auch bereits jenseits der 90.000 Euro.

Bildergalerie

Aufbau

Dieser Preisklasse entsprechend, lassen beide Hersteller beim Thema Aufbaukonstruktion nichts anbrennen. Die gut verarbeiteten Kabinen bestehen aus Alu- Sandwich-Wänden, für Boden und Dach kommen gegen Witterungseinflüsse besonders widerstandsfähige GfK-Außenseiten zum Einsatz. Laika und Malibu isolieren mit hochwertigem, wasserabweisendem XPS-Schaum. Rahmenfenster sind stets Serie. Pluspunkt Malibu: Die (aufpreispflichtige) Aufbautür ist 62 Zentimeter breit, sieben mehr als im Laika, was den Zugang insbesondere mit Gepäck erleichtert. Pluspunkt Laika: Fahrer- und Aufbautür sind serienmäßig an die Zentralverriegelung angeschlossen.

Kennzeichen beider Fahrzeuge ist der isolierte und beheizbare Doppelboden. Frisch- und Abwassertanks sowie die Leitungen sind hier frostgeschützt untergebracht. Beim Wintercamping freuen sich Camper dank der Heizungsrohre im Doppelboden über warme Füße.

Praktischen Stauraum bietet der doppelte Boden natürlich auch. Der Zugang ist über Außenklappen ebenso möglich wie über Bodendeckel und -klappen vom Innenraum aus. Hier bietet der Malibu die ausgefeiltere Lösung: Seine 57 mal 54/36 Zentimeter große Bodenklappe öffnet an soliden Scharnieren. Die Bodendeckel im Laika gewähren nur über 21 Zentimeter breite Öffnungen Zugang – zu wenig, um hier bequem Getränkekisten einzuladen.

Laika Ecovip H 2109
+ hochwertige Kabine mit XPS-Isolierung
– Deckel zum Doppelboden schmal
Malibu I 441 LE
+ hochwertige Kabine mit XPS-Isolierung
+ große Klappe zum Doppelboden

Innenausbau

Laika setzt im Interieur des Ecovip auf elegantes Design mit dunklen Möbelfronten, weißglänzenden Schrankklappen und cremefarbenen Polstern. Auch der Malibu-Innenraum wirkt stimmig designt, erscheint im Vergleich etwas klassischer und konservativer – was freilich je nach Geschmack kein Nachteil sein muss. Eine solide Verarbeitung der Möbel mit hübschen Details wie gerundeten Schließblechen und Klappen mit Soft-Close-Mechanismus können beide Kandidaten vorweisen.

Beim Blick durchs Fahrzeug fällt ein markanter Unterschied der Raumgestaltung sofort auf: Laika verbaut den Kühlschrank im Ecovip im Küchenblock unterhalb des Herdes, so bleibt die Sichtachse ins Heck frei, das Raumgefühl wirkt trotz Längsbetten in der vergleichsweise kurzen Kabine sehr offen. Im Malibu bildet der raumhohe Kühlschrank zwischen Küche und Bett eine Trennung, bietet mit 133 zu 106 Litern dafür mehr Volumen und den leichteren Zugang.

Die Einzelbetten im Heck der beiden Integrierten verfügen über vergleichbare Abmessungen und dank dicker Matratzen und Lattenrosten über guten Liegekomfort. Jeweils ein Bett erreicht rund zwei Meter Länge. Beim Hubbett vorn hält der Malibu die größere und damit besser nutzbare Liegefläche bereit.

Jeweils eigene Wege gehen die beiden Hersteller bei der Gestaltung der Schränke unter den Fußenden der Betten. Malibu verbaut rechts wie links eine Kleiderstange zum Hängen der Garderobe. Die Schränke sind in den Doppelboden vertieft, 105 Zentimeter Höhe reichen auch für Jacken. Aufklappbare Deckel erleichtern den Zugang.

Bei Laika sind die Deckel fest verschraubt, dafür hält der Kleiderschrank unter dem rechten Bett eine ausziehbare Kleiderstange bereit. In die Knie gehen muss man trotzdem, die Höhe im Schrank ist mit 92 Zentimetern deutlich geringer als beim Malibu mit Öffnung zum Doppelboden.

Toll im Laika: Unter dem linken Bett fährt ein Wäscheauszug mit drei Fächern hervor, zusätzlich gibt es hier noch eine Schublade. Für T-Shirts, Unterwäsche und Co. ist das sehr willkommen, denn die Oberschränke seitlich und am Kopfende der Betten sind bescheidene 12 bis 15 Zentimeter tief. Im Malibu erreichen die Oberschränke 26 bis 27 Zentimeter Tiefe.

Den L-Sitzgruppen im Bug merkt man die geringe Aufbaulänge durchaus an. Recht steile Rückenlehnen schränken den Sitzkomfort ein, doch angenehm feste Polster verbessern ihn. Im Malibu stört das sehr knapp vor der Sitzbank positionierte Tischbein. Dafür ist die Kniefreiheit auf dem gedrehten Fahrersitz großzügig.

Im Laika ist es umgekehrt. Das liegt vor allem daran, dass sich der gedrehte Fahrersitz hier nicht weit genug Richtung Lenkrad zurückschieben lässt, denn von der B-Säule bis zur Badwand ist die Sitzgruppe des Laika 17 Zentimeter länger als die des Malibu. Auch ist der Seitensitz im Laika als solcher nutzbar, das deutlich schmalere Pendant im Malibu ist hingegen mehr hinderlich als nützlich.

Laika Ecovip H 2109
+ stilvolles Ambiente, gute Verarbeitung
– Oberschränke im Heck sehr flach
Malibu I 441 LE
+ klassischer Ausbau in guter Verarbeitung
– Seitensitz sehr schmal

Hübsche Rücken: Dem schlichten Heck des Malibu hält Laika eine Variante mit flachen Rückleuchten und umlaufender Beklebung entgegen. Im Vergleich fällt auf, dass der Ecovip fast zehn Zentimeter schmaler ist.

Küche und Bad

Hauptunterschied der Küchen beider Testkandidaten ist besagte Position des Kühlschranks mit den bereits beschriebenen Vor- und Nachteilen. Mehr Stauraum bietet die Malibu-Küche, weil der Kühlschrank keinen Platz im Unterschrank wegnimmt. Auch platziert Malibu die Gasabsperrhähne vorbildlich in Hüfthöhe in der Besteckschublade, Laika versteckt sie tief im Unterschrank.

Punkten kann der Italiener dafür mit mehr Arbeits- und Ablagefläche. Das liegt am Klappbrett an der Stirnseite, das der Malibu nicht bietet, vor allem aber an der geschickteren Anordnung von Dreiflamm- Kocher und Rundspüle, sodass vor dem Waschbecken eine 19 mal 55 Zentimeter große Fläche verbleibt.

Im Bad setzen Laika wie Malibu auf eine flexible Lösung: Die Waschtischwand lässt sich um 90 Grad zur Seite über die Kassettentoilette schwenken, wodurch eine Duschkabine entsteht. Den einfacher zu bedienenden Mechanismus verbucht dabei der Malibu für sich. Die Größe der Duschkabinen ist vergleichbar, hier wie dort hat der Camper ausreichend Platz für die Körperpflege. Pluspunkte Malibu: die größere Dachhaube zum Lüften.

Markanter Unterschied: Das Bad des Laika wird bei Bedarf von einer Lamellen- Schiebetür verschlossen, die geöffnet keinen Platz wegnimmt, aber auch keine Trennung zum vorderen Wohnbereich ermöglicht. Selbst auf einen Vorhang vor den Heckbetten verzichten die Italiener. Beim Malibu schwenkt die sehr breite Badtür bei Bedarf über den Gang und trennt Bad und Schlafzimmer zum Wohnbereich hin ab. Das Handling der Tür ist aber recht sperrig. Vor allem bei zum Doppelbett ausgezogener Liegefläche muss man sich um die Tür herumfädeln.

Laika Ecovip H 2109
+ Küche mit viel Arbeitsfläche
+ variables Schwenkbad
Malibu I 441 LE
+ Küche mit viel Stauraum
+ variables Schwenkbad

Elektrik, Gas und Wasser

Bei der Bordtechnik bieten beide Fahrzeuge einen guten Standard. Frisch- und Abwassertanks stecken frostsicher im Doppelboden, Druckpumpen fördern das Nass zu den Hähnen. Laika punktet hier mit einem Ausgleichsbehälter, der das häufige, geräuschvolle Anspringen der Druckpumpe verringert. Das Ablassen des Abwassers funktioniert beim Italiener elektrisch per Knopfdruck in der Heckgarage. Im Malibu öffnet der Camper die große Bodenklappe zum Doppelboden und findet dort gut erreichbar den Ablasshahn sowie das Frostschutzventil der Truma-Heizung.

Beide Mobile überzeugen mit einer umfangreichen direkten wie indirekten LED-Beleuchtung des Wohnraums. Wahre Extreme tun sich bei der Ausstattung mit heutzutage unverzichtbaren USB-Steckdosen auf. Während Malibu im Wohnraum nur eine einzige solche Lademöglichkeit verbaut – und das auch nur gegen Aufpreis, hält der Laika gleich zehn USB-Buchsen bereit. Allein im Heckbereich sind es sechs: jeweils eine in den Sockeln der beiden Leselampen, dazu je eine Doppelsteckdose rechts und links in der offenen Ablage. Hier wäre weniger mehr, zumal diese Doppelsteckdosen bei Nutzung blau beleuchtet sind und lichtempfindliche Schläfer stören können.

Laika Ecovip H 2109
+ Abwasser-Ablass elektrisch
+ zahlreiche USB-Steckdosen
Malibu I 441 LE
+ Abwasser-Hahn gut erreichbar
– USB-Steckdose am Bett kostet extra

Infobox

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Basisfahrzeuge und Preise

Wie erwartet präsentieren sich Laika und Malibu wegen des kurzen Radstandes sehr handlich. Die Italiener spendieren dem Ecovip serienmäßig bereits den 140-PS-Turbodiesel des Fiat Ducato, Malibu verlangt für dieses Upgrade zum 120-PS-Basismotor 995 Euro Aufpreis. Mit 140 PS sind beide angemessen motorisiert und Verbräuche um die zehn Liter Diesel je 100 Kilometer erzielbar.

Beim Manövrieren gilt es freilich, die üppigen Hecküberhänge zu beachten, die in der Kurve ausschwenken. Ebenso fordert die bis ganz vorn maximal breite Integriertenkabine Gewöhnung. Auch mit kurzem Radstand wird aus einem Integrierten kein Kastenwagen. Der kleine Wendekreis lässt Ecovip H 2109 und I 441 LE in Verbindung mit der neuen elektrischen Servolenkung des Fiat Ducato, die leichtgängig wie präzise agiert, trotzdem sehr behände durch die Kurven gehen.

Den leicht höheren Grundpreis kompensiert der Laika mit der etwas besseren Serienausstattung. Beim Malibu sind trotz verbesserter Grundausstattung des Basisfahrzeugs mehrere Pakete nötig. Die wichtige USB-Steckdose am Bett versteckt sich ebenso im 3.430 Euro teuren Komfort- Paket wie das digitale Bedienpanel der Truma-Heizung. Dennoch bleibt das Preisniveau von Laika und Malibu vergleichbar und der Preis der beiden Integrierten wird rasch sechsstellig.

Testfazit

Das Beste aus zwei Welten: Kleine Integrierte wie der Laika Ecovip H 2109 und der Malibu I 441 LE kombinieren handliche Fahreigenschaften mit jeder Menge Platz und Wohnkomfort. Klar, der Handlichkeit setzen die breite Kabine und der lange Hecküberhang Grenzen und das Raumangebot eines 7,5-Meter-Mobils erreichen die beiden auch nicht, doch bieten sie einen sehr guten Kompromiss aus den zwei scheinbar konträren Anforderungen. Der Laika gibt dabei den schicken Südeuropäer, punktet mit offenem Raumeindruck und cleveren Details wie dem Wäscheauszug unterm Bett. Nachteil des offenen Raumkonzepts: der kleine Kühlschrank. Hier bietet der im Vergleich konservativer eingerichtete Malibu mehr, ohne dass es ihm wirklich an Bewegungsfreiheit mangelt. Für rund 100.000 Euro bieten beide ein stimmiges Paket aus Platz und Handling.

Technische Daten Laika Ecovip H 2109

Basisfahrzeug: Fiat Ducato 35 light mit originalem Tiefrahmenchassis,
Einzelradaufhängung mit McPherson-Federbeinen
vorn, Starrachse an Längsblattfedern hinten, Turbodiesel 103
kW (140 PS), Sechsgang-Schaltgetriebe und Frontantrieb
Maße und Massen: (L x B x H) 659 x 225 x 296 cm, Radstand
345 cm, Stehhöhe 205 cm, zul. Gesamtmasse 3.500 kg, Masse fahrbereit 2.932 kg
Betten: Einzelbetten 199 x 82 und 188 x 82 cm; Hubbett 190 x 145 cm
Füllmengen: Frisch-/Abwasser 100/100 l, Gas 2 x 11 kg, Kühlschrank 106 l,
Diesel 60 l, AdBlue 19 l
Aufbau: Wände Alu-Sandwich 34 mm, Dach GfK-Sandwich 38 mm, Boden GfKSandwich
42 mm, Isolierung XPS, Doppelboden, Rahmenfenster
Serienausstattung: ABS, ESP, Fahrer- u. Beifahrerairbag, 140-PS-Diesel, Tempomat,
Klimaanlage Fahrerhaus, Zentralverriegelung für Fahrer- und Aufbautür,
Abwassertank im Doppelboden beheizt, Heizung Truma Combi 6
Grundpreis: 94.664 €
Testwagenpreis: 103.054 €

Technische Daten Malibu I 441 LE

Basisfahrzeug: Fiat Ducato 35 light mit originalem Tiefrahmenchassis,
Einzelradaufhängung mit McPherson-Federbeinen
vorn, Starrachse an Längsblattfedern hinten, Turbodiesel
89 kW (120 PS), Sechsgang-Schaltgetriebe und Frontantrieb
Maße und Massen: (L x B x H) 667 x 234 x 294 cm, Radstand
345 cm, Stehhöhe 198 cm, zul. Gesamtmasse 3.500
kg, Masse fahrbereit 2.925 kg
Betten: Einzelbetten 201 x 82 und 189 x 82 cm; Hubbett 195 x 155 cm
Füllmengen: Frisch-/Abwasser 125/90 l, Gas 2 x 11 kg, Kühlschrank 133 l,
Diesel 90 l, AdBlue 19 l
Aufbau: Wände Alu-Sandwich 33 mm, Dach GfK-Sandwich 33 mm, Boden GfKSandwich
33 mm, Isolierung XPS, Doppelboden, Rahmenfenster
Serienausstattung: ABS, ESP, Fahrer- u. Beifahrerairbag, 120-PS-Diesel,
Tempomat, Klimaanlage Fahrerhaus, Armaturenbrett nach vorn tief abgesenkt,
Abwassertank im Doppelboden beheizt, Heizung Truma Combi 6
Grundpreis: 92.820 €
Testwagenpreis: 105.300 €

Infobox

Weitere spannende Einblicke in den Vergleichstest zwischen Laika Ecovip H 2109 und Malibu I 441 LE, wie etwa Ladetipps, Techniktipps und besondere Fahrzeugdetails, finden Sie in der Juli-Ausgabe 2022 von Reisemobil International – jetzt in unserem Online-Shop bestellen oder PDF herunterladen.

Hier finden Sie weitere Informationen zu Laika und Malibu.

 

Redaktion
Simon Ribnitzky
Simon Ribnitzky ist seit August 2019 Teil des Teams der Reisemobil International und wurde 2022 Chefredakteur.
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