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Cortina d´Ampezzo, Italien

Immer an der Wand lang

Vor gut 150 Jahren legten in Cortina die ersten Bergführer den Grundstein für den Alpin-Tourismus. Nach wie vor locken die Traditionsrouten – auch Reisemobilisten, die Bergschuhe dabeihaben.

Schon die Fahrt nach Cortina ist ein Gedicht. Dann bauen sich Berge und Gipfel wie eine traumhafte Kulisse vor der Windschutzscheibe auf, wechseln ihre Gestalt, protzen mit ihrer Vielfalt. Nicht immer haben Berge so positiv gewirkt. Es ist noch gar nicht so lange her, da fürchteten sie die Menschen. Wenn überhaupt, bewunderten sie mit Abstand und vom Boden aus, was sich Ehrfurcht gebietend am Horizont auftürmte. Das galt jahrhundertelang so – auch in Cortina d’Ampezzo. Bis sich im 19. Jahrhundert die Felsriesen in der Wahrnehmung allmählich zu Naturschönheiten verwandelten.

Als der Alpinismus noch in den Kinder- Kletterschuhen steckte, war es Fulgenzio Dimai, der anno 1871 als erster Bergführer im venezianischen Bergdorf Cortina d’Ampezzo die Zeitenwende einläutete. Berge mutierten damit zu Sehnsuchtsorten. Während die ersten tollkühnen Männer die Herausforderungen annahmen, Wände zu besteigen, legten sie immer mehr Kletterrouten.

Zu denen gehört die Eötvös-Dimai-Route. Sie führt über die imposante Südwand der Tofana di Rozes hinauf zum Gipfel in 3.225 Meter Höhe. Mittlerweile gilt die Strecke als Klassiker und als eine der schönsten wie aussichtsreichsten der mehr als tausend Kletterrouten inmitten des UNESCO-Welterbes der Dolomiten.

Hoch hinaus in den Dolomiten: Wer alpine Vorkenntnisse hat, klettert solche Strecken wie die Eötvös-Dimai-Route. Doch es geht auch leichter in den Cinque Torri. Die Bergführerin Nadia Dimai zeigt, wie das klappt.

Nadia Dimai, Cortinas erste Bergführerin, klettert die Eötvös-Dimai-Führe mit Gästen und erzählt von der alpinen Tradition ihres Heimatortes. Für die 800 Meter braucht sie mit der Gruppe sieben Stunden. Hände und Knie zittern, doch es hat sich gelohnt: Die Route ist geschafft, der Gipfel erreicht.

Wie damals, vor 120 Jahren. Als die ungarischen Adeligen Ilona und Rolanda von Eötvös mit Antonio Dimai, dem Neffen des großen Pioniers, zum ersten Mal über die Südwand nach oben kletterten, nach dem Aufstieg erleichtert auf den Boden sanken und die Sicht bewunderten – einen Anblick, den vor ihnen noch niemand hatte genießen können.

Auch Nadia Dimai, Bergführerin in Cortina, lässt sich auf dem Felsen nieder und zieht den Helm vom Kopf. Sie weiß die Leistung ihrer Ahnen zu schätzen: „Die Eötvös-Dimai-Route ist ein Meisterwerk. Solch eine gigantische Wand zum ersten Mal zu erklimmen und dabei die besten Strecken zu finden, erfordert großes Klettertalent und logisches Denken.“

Die Bergführerin kennt sich aus: Als Mitglied der Scoiattoli (italienisch für Eichhörnchen), einer Gruppe, in der nur die besten Kletterer aufgenommen werden, hat sie schon viele Felswände erklommen und so einige Bohrhaken gesetzt.

Ihre persönliche Lieblingsroute befindet sich hier an der Tofana di Rozes: Die Primo Spigolo – die erste Kante des Berges. Sie ist mit ihren 450 Metern und dreieinhalb Stunden etwa um die Hälfte kürzer als die Eötvös-Dimai-Führe, doch mit den vielen Überhängen und Spalten technisch anspruchsvoll.

„Es geht natürlich viel einfacher“, weiß die Expertin und zeigt auf die Cinque Torri. Die fünf markanten Felstürme zeichnen sich in der Ferne vom Himmel ab: „Dort drüben bin ich gern mit Anfängern unterwegs.“ Der Klettergarten Cinque Torri gilt als einer der besten im Alpenraum. Mehr als 200 abgesicherte Seillängen verschiedener Schwierigkeitsgrade zwischen 3 und 8. Da ist für jeden etwas dabei. Sogar für Neulinge, die im Urlaub in den Bergsport nur mal reinschnuppern möchten.

Wenn Nadia Dimai mit Gästen klettert, bringt sie ihnen die Geschichte ihrer Heimat näher. Sie erzählt von den ersten Siedlern und den Regolieri, den Nachkommen der Ursprungsfamilien. Seit Jahrhunderten sind deren Leitziele in den Regole (Richtlinien) festgehalten: das kulturelle Erbe und vor allem die Natur als Lebensgrundlage für die nächsten Generationen zu bewahren.

Besonders enthusiastisch wird Nadia Dimai, wenn es um die Geschichte des Alpinismus geht. Der hat für Cortina eine große Bedeutung: Kletterer waren hier die allerersten Touristen. „Wir hatten über die Jahre viele begnadete Alpinisten. Dank ihrer oft waghalsigen Unternehmungen haben wir heute so viele fantastische Kletterrouten.“

Gut angekommen: Vor den Toren Cortinas laden vier Campingplätze ein. Stellplätze gibt es nicht.

Auch Nadia Dimai schreibt Geschichte in Sachen Alpinismus in Cortina d’Ampezzo: Sie war hier 1995 die erste Bergführerin. In der „Gruppo Guide Alpine Cortina“, der Bergschule, für die sie arbeitet, gibt es selbst heute nur noch eine weitere Kollegin –
und 20 Kollegen.

„Das liegt wahrscheinlich an der körperlichen Herausforderung und der großen Verantwortung“, mutmaßt die 61-Jährige. „Frauen können zwar genauso viel leisten, trauen sich aber oft weniger zu.“ Oft zieht sich das Bergführer-Gen über Generationen durch die Familien. Oder, wie bei Nadia Dimais, durch einen großen Namen.

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Freizeit-Tipp

Wer die Eötvös-Dimai-Route klettern möchte, schließt sich am besten den Guides der Bergschule „Gruppo Guide Alpine Cortina“ an. Der Schwierigkeitsgrad liegt zwischen 3 und 4, jedoch sollten wegen der Länge von 800 Metern sehr gute Vorkenntnisse vorhanden sein. Anfänger führen die Guides zu den Cinque Torri, das ist sicherer.

www.guidecortina.com

International Camping Olympia

Loc. Fiames 1, Tel.: 0039/0436/5057, www.campingolympiacortina.it

Camping Cortina

Via Campo, 2, Tel.: 0039/0436/867575,
www.campingcortina.it

Camping Rocchetta

Via Campo di Sopra 1, Tel.: 0039/0436/5063,
www.campingrocchetta.it

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Weitere Informationen zu Campingplätzen in Cortina d´Ampezzo finden Sie in unserer aktuellen Ausgabe.

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Redaktion
Claus-Georg Petri
Claus-Georg ist seit 1995 bei der Reisemobil International und ist Experte für Reisen und Hintergründe und alles Mögliche.
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