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Städtetipp: Attendorn im Sauerland

Mehr als gute Lage

Eine Burg, eine Talsperre und eine Höhle – ist das alles, wofür Attendorn steht? Ein Gang durch die Hansestadt im Sauerland beweist das Gegenteil.

Eine Hansestadt im Sauerland? So weit weg von der Küste, wo der mittelalterliche Kaufmannsbund einst sein Netz spann und noch heute bedeutende Städte miteinander verwob? Lübeck, klar. Hamburg und Bremen, sicher. Aber Attendorn?

Tatsächlich ist erst im Mittelalter in der Stadt am Fuß des Ebbegebirges von einer nennenswerten Bevölkerungszahl zu reden. Zudem liegt Attendorn an der Heidenstraße, der mehr als 1.000 Jahre alten und 500 Kilometer langen Heer-, vor allem aber Handelsstraße von Leipzig über Kassel nach Köln. In der Stadt schnitt sie die Königsstraße, eine andere Fernverkehrsstraße.

Hansestädte sind durch überregionalen Handel geprägt. Attendorn trat 1255 als einzige Stadt des Sauerlandes dem Rheinischen Städtebund bei – und gehörte der Hanse an, wenn auch nur als mittelbares Mitglied. Mit Folgen: Der Handel brachte Geld nach Attendorn. Zusätzlich festigten Woll- und Leineweber die heimische Wirtschaft, und die guten Böden begünstigten den Ackerbau.

Bildergalerie

Spuren von dieser Historie sind noch heute bei einem Bummel durch Attendorn im Sauerland sichtbar. Nach nur 900 Meter Fußweg vom Stellplatz an der Atta-Höhle stehen Reisemobilisten vor dem Sauerländer Dom: So heißt die katholische Kirche mitten im Zentrum der Stadt.

St.-Johannes-Baptist hat einen romanischen Turm aus der Zeit um 1200 und ein gotisches Langhaus aus dem 14. Jahrhundert, die Fundamente sind aber wesentlich älter: Erzbischof Anno von Köln stiftete im Jahre 1072 das Kloster Grafschaft und gab die Kirche sowie einen Hof in Attandarra zur Ausstattung des Klosters. Grabungen von 1974 bezeugen drei vorangegangene Bauten, die älteste weist auf das 9. Jahrhundert zurück. Die heutige barocke Ausstattung ist sehenswert, besonders die Kanzel. Der prächtige Hochaltar fiel dem Stadtbrand von 1783 zum Opfer.

Sauerländer Dom
Foto: Heribert Bechen

Viel später, erst am 15. Juni 1945, zerstörte eine Sprengstoffdetonation das Franziskanerkloster der Stadt. Unter dem Rathausplatz, wo es gestanden hatte, entdeckten erst im Juli 2020 Archäologen eine Steinplatte mit Bauinschrift und sieben Bestattungen. Hintergrund: Anlässlich des Stadtjubiläums zum 800-jährigen Bestehen Attendorns im Jahr 2022 werden Teile der Altstadt umgestaltet.

Nur wenige Meter von diesem Fund entfernt, präsentiert das Südsauerlandmuseum im ehemaligen Rathaus Geschichtliches aus der Region, etwa das mittelalterliche Leben in einer Burg. Natürlich nicht ohne Hintersinn: Vor den Toren der Stadt – die Stadtmauer lässt sich nur noch am Bieketurm erkennen, in dem heute das Zeughaus der Schützengesellschaft Attendorn 1222 untergebracht ist – erhebt sich Burg Schnellenberg. Diese Höhenburg über dem Biggetal sicherte einst die besagte Heidenstraße. Heute ist sie Hotel und Tagungsstätte. Tipp: Nach Vereinbarung besichtigen Besucher mittelalterliche Sehenswürdigkeiten in der Schatzkammer.

 

Atta-Höhle

Eine Schatzkammer der Natur indes ist die Atta-Höhle, eine der größten und prachtvollsten Tropfsteinhöhlen Deutschlands. Sie wurde 1907 entdeckt und für Besucher zugänglich gemacht. Die erfreuen sich bei Führungen an Stalagmiten und Stalaktiten, an Tropfsteinen, die aussehen wie Figuren, und an Hallen mit vorhangähnlichem Gestein. Nahe der Höhle steht das Reisemobil und wartet geduldig auf den nächsten Einsatz. Der führt von hier zum Beispiel zum Biggesee. Er wurde 1965 zu einer der größten Talsperren Deutschlands mit einer Fläche von 8,76 Quadratkilometern aufgestaut – und mit riesigem Freizeitangebot. Tipp: Zu erreichen ist der See auch mit dem Biggolino: Die Bimmelbahn pendelt munter zwischen Atta-Höhle und Biggesee.

Wer es jedoch intensiver wissen will: Biggesee Camping in der Waldenburger Bucht ist ein prima Platz, um das Gewässer zu erkunden. Er liegt gut zwei Kilometer vom Zentrum Attendorns entfernt – und nur 700 Meter von der Aussichtsplattform Biggeblick.

Tipp: Die im April 2013 eröffnete Plattform ist immer zugänglich und erlaubt in 90 Meter Höhe eine atemberaubende Aussicht auf den Biggesee und sein Umland. Eintritt frei. Wer nun die tatsächlichen Dimensionen der Talsperre spüren möchte, fährt mit einem Schiff der weißen Flotte auf dem Biggesee. Tipp: Bei Kaffee und Kuchen das Land der tausend Berge an sich vorbeiziehen zu lassen, hat einen ganz eigenen Charme. Fast so schön wie im Reisemobil.

Infobox

Entdeckerziele in und um Deutschland

Weitere Reiseziele und Städtetipps mit Stell- und Campingplatz-Tipps bietet der der Stellplatzführer „die 20 besten Wohnmobil-Touren, Band 4„.

Redaktion
Claus-Georg Petri
Claus-Georg ist seit 1995 bei der Reisemobil International und ist Experte für Reisen und Hintergründe und alles Mögliche.
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