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Hymer Tramp 704 SL im Test

Überflieger

Auf 7,79 Meter Außenlänge baut Hymer seinen Tramp 704 SL und verwendet serienmäßig ein 4,5-Tonnen-Chassis von Al-Ko. Ein Sahnestück: der doppelte Boden.

Teilintegrierte der Baureihe Tramp CL von Hymer sind gute Bekannte. Für Kunden, die mit dem Tramp CL liebäugeln, aber auf einen beheizten Doppelboden nicht verzichten möchten, stellte der Reisemobilproduzent aus Bad Waldsee 2014 auf dem Caravan Salon Düsseldorf die neue Baureihe Tramp SL vor.

Bei der Konstruktion des doppelten Bodens geht Hymer unkonventionelle Wege. Die isolierte Bodenwanne der Heckgarage ist als selbsttragendes GfK-Sandwichteil ausgeführt. So stören am Hecküberhang keine tief liegenden Rahmenteile. Korrosion ist hier unmöglich, und mit 350 Kilogramm Traglast ist sie mancher herkömmlich gebauten Heckgarage überlegen.

Der zwölf Zentimeter hohe isolierte und beheizte Doppelboden mit vertieftem Bodenfach nimmt die Tanks für Frisch- und Abwasser auf – zugänglich über Deckel im Fußboden. Schönes Detail am Rande: Deckel und Bodenausschnitte sind an den Schnittkanten mit Lack gegen Wasserschäden geschützt.

Zusammen mit dem ohne tragende Holzelemente konstruierten Sandwich-Aufbau, bestehend aus GfK-Dach und -Boden sowie den Wänden in Hymers PUAL-Bauweise (Aluminium-Polyurethanschaum-Sperrholz) ergibt sich ein technisch interessantes Fahrzeug.

Weil technisch interessant als Kaufargument allein nicht ausreicht und sich ein Wohnmobil auch hinsichtlich der Verarbeitung und Praktikabilität bewähren muss, stellt sich der Hymer Tramp 704 SL dem Profitest. Das mit 7,79 Metern ausgesprochen lange Mobil ist mit Längs-Einzelbetten im Heck auf zwei Personen ausgelegt. Vor dem Schlafzimmer steht das Raumbad, davor die Winkelküche mit dem Kühlschrank gegenüber. Im Bug bringt Hymer die große Halbdinette mit Seitensitzbank unter.

Von außen springen zwei Dinge ins Auge. Einmal die gestreckte Silhouette – der Tramp 704 SL weist einen Radstand von 4,50 Meter sowie einen 2,50 Meter langen Hecküberhang auf – und das sehr gute Finish des Aufbaus. Stöße am Aufbau deckt Hymer mit passgenauen weißen Gummiprofilen ab, der Übergang von der Dachhutze zum Fahrerhaus ist sauber verfugt, die unteren Schürzen bestehen aus weiß lackiertem Aluminium und das Dach gibt mit abgerundeten Ecken ohne störende Profile Wasserpfützen keine Chance. Weniger gefällt der Heckstoßfänger. Zwar ist er schön anzusehen und auch mehrteilig ausgeführt, doch reicht der untere Teil über die gesamte Fahrzeugbreite, ist also bei seitlichen Remplern als Ganzes fällig.

Der Gasflaschenkasten ist unterhalb der Seitensitzbank von außen gut zugänglich. Eine Schwelle aus Blech gegen Verrutschen gestaltet der Hersteller abklappbar, so dass der Flaschenwechsel sehr einfach und dank der großen Tür auch einzeln gelingt.

Die riesige Heckgarage ist ein weiterer Leckerbissen des Hymer. Sie bietet ein gut nutzbares Format und lässt sich über die beiden 109 mal 115 Zentimeter großen Türen einfach beladen. Gut gemeint, aber unpraktisch: Damit beim Öffnen der Garagentüren die unteren Aluminiumschürzen von Tür und Seitenwand nicht kollidieren, begrenzt Hymer den Öffnungswinkel per Gasdruckdämpfer. Dadurch ragen die geöffneten Türen 85 Zentimeter weit in den Verkehrsraum.

Branchenweit immer wieder ein Ärgernis und so auch hier: Dem Schacht der Toilettenkassette fehlt jegliche Abdichtung gegen Wasser – kein Spaß, wenn überschwappender Kassetteninhalt hinter die Einbauten läuft.

Innen fallen die großzügigen Platzverhältnisse auf. Die L-Sitzbank mit zwei Dreipunktgurten und stabilen, höhenverstellbaren Kopfstützen ist fünf bis zehn Zentimeter weiter hinten angeordnet als bei vielen Konkurrenten – das schafft mehr Platz am Tisch der Halbdinette. Auch zeigt sich die große Aufbaulänge am seitlichen Zweisitzer. Die Vordersitze sind drehbar; so kommen an der Halbdinette sechs Leute unter.

Ein Blickfang und sehr gut durchdacht ist die Küche. Sofort fällt die trapezförmig in die Arbeitsplatte aus Mineralwerkstoff (Option) eingelassene Spüle mit Edelstahlboden auf. So ist sie dem Koch trotz L-Form der Arbeitsplatte zugewandt. Prima: der per Drehknopf fernbedienbare große Ablauf im Spülenboden. Und genauso erwähnenswert: der integrierte Überlauf – ein Detail, auf das die Konkurrenz fast ausnahmslos verzichtet. Eine Tropfkante vorn an der Arbeitsfläche verhindert, dass verschüttete Flüssigkeit in die Auszüge im Unterschrank läuft.

Hinter der Küche bringt Hymer – typisch für diesen Grundriss – das Raumbad unter. Die Dusche verschließt der Camper mit einer Kunststoff-Gliedertür. Dann bleibt ihm eine Grundfläche von rund 73 mal 78 Zentimetern. Praktisch: die den Raum querende Handtuchstange unterhalb der Dachhaube. Den Toilettenraum jenseits des Mittelgangs verschließt eine stabile Tür, die, um 90 Grad nach vorn geschwenkt, das Bad zur Küche hin abtrennt. Vor der drehbaren Thetford-Toilette bleibt genügend Platz für die Füße, und das ansprechende Waschbecken übernimmt die Optik der Küchenarbeitsplatte.

Im Schlafzimmer platziert Hymer zwei Längsbetten, die sich wie üblich zum Doppelbett erweitern lassen. Nicht ganz so üblich ist die durchdachte Ausführung: In einem mit Pushlock gesicherten Fach befindet sich eine Ausziehlade mit daran befestigter abklappbarer Holzleiter. Weniger überzeugt der Unterbau der beiden hochwertigen, 13 Zentimeter starken Matratzen: Statt Holzlattenrost oder Federteller zu montieren, legt Hymer hier lediglich Abstand-Gewirkematten unter und listet das Tellerfedersystem bei den Extras. Dennoch ist der Liegekomfort gut.

Mit zwei Seitenfenstern, einer Dachhaube, Oberschränken und offenen Ablagen überm Bett ist das Schlafzimmer ansonsten in üblicher Weise ausgestattet. Positiv fällt das Licht der beiden schwenkbaren LED-Leselampen mit schaltbarer blauer Nachtbeleuchtung auf: hell und dennoch mit warmer Lichtfarbe. Der Kleiderschrank im Fußende des beifahrerseitigen Betts ist per Gasdruckdämpfer aufstellendem Deckel und an dieser Stelle unterteilter Matratze gut zugänglich. Prima: die LED-Schrankleuchte. Viele Mitbewerber muten dem Kunden hier vor sich hin glimmende Batteriefunzeln zu.

Unterm fahrerseitigen Bett bringt Hymer hinter einer Gliedertür ein Wäschefach mit mehreren Böden unter. Doch damit nicht genug – zwischen Schlafzimmer und Dusche bleibt noch Platz für einen schmalen, hohen Kleiderschrank mit Dachlüfter und LED-Leuchtband, das bei geöffneter Tür alle drei Fächer gleichmäßig ausleuchtet.

Unterwegs fährt der Tramp auch dank seines 4,50 Meter langen Radstandes sauber geradeaus und ist nicht zuletzt wegen seiner elektronischen Assistenzsysteme gut beherrschbar. Bei Stadtfahrten oder auf kurvigen Straßen fordern die üppige Gesamtlänge samt langem Radstand und großem Hecküberhang Eingewöhnungszeit. Die Rundumsicht für den Fahrer ist gut, insbesondere dank der bereits angesprochenen Fenster. Der eingebaute 148-PS-Turbodiesel treibt den Tramp 704 SL ausreichend voran. Der Verbrauch pendelte sich im Test bei 11,3 Litern Diesel ein.

Infobox

Der Hymer Tramp 704 SL verlässt das Werk in Bad Waldsee Richtung Kunde ab 66.990 Euro. Das getestete Exemplar kam mit Extras wie dem 150-PS-Turbodiesel, dem Komfort-Line-Paket, dem Alde-Arktis-Paket und zahlreichen weiteren Extras auf einen Gesamtpreis von 84.580 Euro.

Redaktion
Mathias Piontek
Mathias Piontek ist seit Juli 2006 im Team von Reisemobil International und für die Fahrzeugtests zuständig.
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