Mercedes-Benz Sprinter 2018

Fahrpremiere in Amsterdam

Weg vom reinen Fahrzeughersteller, hin zum Anbieter ganzheitlicher Mobilitätslösungen. Mit der neuen, strategischen Neuausrichtung adVANce hat Mercedes die Weichen in Richtung maßgeschneiderte Lösungen für unterschiedlichste Kundenbedürfnisse aus dem gewerblichen Transportgewerbe gestellt – mit andern Worten: Der neue, ab Juli erhältliche Sprinter, ist mit den vielzitierten 19.900 Euro Einstiegspreis (Fahrgestell, Einzelkabine, zuzüglich Mehrwertsteuer) ein absolutes Schnäppchen. Die Zielgruppe sind Spediteure, Handwerker und Paketdienste – Branchen die jetzt und in Zukunft boomen und einen großen Bedarf an preiswerten und zuverlässigen Transportern haben. Das Thema Reisemobil spielte in der Entwicklung eine eher untergeordnete Rolle. Das in der Vergangenheit oft als gautschig bezeichnete Fahrwerk wurde erfolgreich überarbeitet. Außerdem ermöglicht der komplett neue Antriebsstrang mit Frontantrieb ganz neue Anwendungen, bis hin zum Triebkopf. Die erwartete Mercedes Premiumklasse sucht man aber vergebens.

Wir fuhren die front- und die heckgetriebene Version des überarbeiteten 2,1 l Vierzylinders mit 105 kW (143 PS) und einem Drehmoment von 330 Nm in den verschiedenen Getriebevarianten. Neben dem für den Frontantrieb überarbeiteten 6-Gang-Schaltgetriebe, waren wir natürlich besonders auf die 9-Gang-Tronic Plus gespannt. Für den Heckantrieb gibt es weiterhin das bekannte 6-Gang-Schalt- oder das 7-Gang- Automatikgetriebe, welches jetzt erstmals auch mit dem Allradantrieb bestellt werden kann.

Das Fahrverhalten des Sprinters ist gut, wobei natürlich auffällt, dass nicht allzu großer Wert auf die Motordämmung gelegt wurde. Der Turbodiesel ist deutlich zu hören und der erhoffte Overdrive des 9-Gang-Getriebes bleibt leider aus. Die für den Stopp and Go-Verkehr im Verteildienst sicher optimale Spreizung, macht auf langen Strecken keine Freude – die Drehzahl ist einfach zu hoch. Auch bei den Assistenzsystemen lehnt sich Mercedes nicht zu weit aus dem Fenster: Auf eine Stereo-Kamera, welche für einen aktiven Lenkeingriff, wie im PKW-Bereich oder wie bei den Mitbewerbern üblich, verzichtet Mercedes. Der neue Sprinter kann also nur am Lenkrad vibrieren und einseitig abbremsen – aber nicht zurücklenken. Auch beim Parkassistent wurde gespart: Abstandssensoren und eine 360 Grad-Kamera – aber kein selbstständig einparkender Parkpilot oder Anhängerassistent.

Beim neuen Sprinter dreht sich alles um Konnektivität und clevere Anwendungen für den Gewerbekunden. Der Fahrer kommt erst an zweiter Stelle. Er kann zwar mittels Sprachbefehl „Hallo Mercedes“ die Sitzheizung anmachen hat aber keine zwei einstellbaren Armlehnen.

So hundert Prozent hat uns der Sprinter als Basisfahrzeug für hochpreisige Camper noch nicht überzeugt. Es steckt vermutlich viel unentdecktes Potenzial in dem neuen Konzept, auf den ersten Blick fallen aber zuerst die negativen Aspekte, wie das Armaturenbrett aus Hartplastik oder die verbesserungswürdige Geräuschdämmung auf. Allerdings sind wir nur den Kastenwagen und nicht den Personentransporter gefahren.

Alles Details, Daten und einen ausführlichen Fahreindruck der verschiedenen Antriebskonzepte und Assistenzsysteme lesen Sie im nächsten Heft.

Technische Daten des Mercedes-Benz Sprinter:

  • Frontantrieb: max. 5,5 t, 130 kW
  • Hinterradantrieb: max. 5,5 t, 140 kW
  • Allradantrieb: max. 5,0 t, 140 kW
  • Sechsgang-Schaltgetriebe und Siebengang-Automatik für Modelle mit Allrad- und Hinterradantrieb
  • Neungang-Automatik nur für Frontantrieb
  • Vierzylinder-/Sechszylinder-Turbodiesel, Direkteinspritzer
  • Hubraum: 2.287 cm./3.000 cm.
  • Leistung: 105 kW (143 PS), 120 kW (163 PS), 140 kW (190 PS)
  • Drehmoment: 330 Nm, 360 Nm, 440 Nm
  • Text: Andreas Güldenfuß

  • Bilder: Andreas Güldenfuß, Timo Großhans

2018-04-25T11:22:07+00:00 Premieren|0 Kommentare

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