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Test des neuen Automatikgetriebes für den Fiat Ducato mit einem Knaus Live I

Auf völlig neuem Niveau

Für den Fiat Ducato gibt es endlich eine Wandlerautomatik. Wie sie sich fährt, hat Reisemobil International mit einem Knaus Live I getestet.

Das war aber auch Zeit. Für den Fiat Ducato gibt es seit diesem Herbst eine Wandlerautomatik. Sie löst das bei vielen ungeliebte, automatisierte Schaltgetriebe namens Comformatic ab. Für einen Test hat Knaus einen großen Knaus Live I zur Verfügung gestellt und zwar mit dem stärksten Motor, der 178 PS leistet. Sein maximales Drehmoment: 450 Nm bei 1.500-3.000 U/min. Weil die Neungang- Wandlerautomatik robust ausgelegt ist, lässt Fiat sogar ein um 50 Nm höheres Drehmoment zu als mit dem Sechsgang- Schaltgetriebe.

Entwickelt hat das Automatikgetriebe ZF in Friedrichshafen, gefertigt wird es in Nordamerika und hat sich schon hunderttausendfach in Fahrzeugen des FCA-Konzerns bewährt – etwa im aktuellen Jeep. Es hat drei Schaltprogramme: Eco, Normal und Power. Um den Schlupf und damit den Verbrauch zu minimieren, hält das Getriebe für bestimmte Fahrzustände eine Wandlerüberbrückung bereit.

Unterwegs mit der neuen Automatik

Wie fährt es sich nun? Motor starten, Automatikhebel auf D und los geht‘s. Fast ohne Zugkraftunterbrechung, wie von einem Gummiband gezogen, beschleunigt der große Knaus. Schaltvorgänge nimmt der Fahrer kaum wahr: Am deutlichsten noch durch den nach wie vor kernigen Sound des Motors, der sich je nach Drehzahl ändert, oder durch die Nadel des Drehzahlmessers. Das gleiche gilt auch beim Zurückschalten. Gerade bei solchen fahrdynamischen Änderungen wird der Vorteil der Wandlerautomatik deutlich: Die unangenehmen Nickbewegungen sind vorbei.

Beim Halten an der Ampel schaltet die Start-Stopp-Automatik den Motor aus und springt beim Lösen der Bremse sofort wieder an. Diese Funktion ist serienmäßig nur beim 160-PS- sowie 178-PS-Motor an Bord, beim 140-PS-Motor muss sie zugekauft werden. Die 120-PS-Maschine ist ohnehin nicht mit Automatik lieferbar.

Um zu verhindern, dass der Motor etwa im Stadtverkehr ständig ausgeht, kann die Start-Stopp-Funktion mit einem Schalter deaktiviert werden. Als besonderer Vorteil erweist sich die Neungang-Automatik beim Rangieren, vor allem am Berg oder beim Auffahren auf Keile. Schon im Leerlauf zuckelt der große Knaus-Integrierte an die gewünschte Position. An der ersten Kante von Auffahrkeilen bleibt er stehen. Durch vorsichtigen Einsatz des Gaspedals schiebt er sich in die gewünschte Position. Die alte Comformatic quittierte solche Manöver mit ruckartigem Anfahren, Zurückrollen beim Gaswegnehmen und stinkender Kupplung.

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Die drei Fahrprogramme unterscheiden sich vor allem durch unterschiedliche Schaltpunkte. Auf Power gestellt, schaltet das Mobil deutlich später und beschleunigt besser. Normal entpuppt sich als der angenehmste Fahr-Modus, im Eco-Modus schaltet der Ducato sehr früh hoch und bleibt auch im Schubbetrieb lange im großen Gang und reduziert deutlich die Geräuschkulisse, aber selbst der stärkste Motor in unserem Testfahrzeug wirkt hier lahm.

Zwischen Power-und Eco-Modus liegen nach ersten Fahrten gut 1,5-Liter Spritverbrauch auf 100 Kilometer. Das spricht für die Fahrstellung Eco. Aber auch hier gilt, dass der intelligente Einsatz aller drei Fahrmodi das beste Ergebnis erzielen wird.

Vom Gewicht her schenken sich beide Automatiken nichts. Zum leichteren Sechsgang- Schaltgetriebe im 140-PS-Ducato beträgt das Mehrgewicht 18 Kilogramm. Zum schwereren Sechsgang-Schaltgetriebe im 160 und 178-PS-Ducato beträgt das Mehrgewicht allenfalls ein bis zwei Kilo.

Für das neue Getriebe verlangen die Reisemobilhersteller rund 3.330 Euro. Sieht auf den erst Blick viel aus, aber auch schon die unbefriedigende Comformatic hat den Endverbraucher gut 2.000 Euro gekostet.

Redaktion
Heiko Paul
Heiko Paul ist Chefredakteur von Reisemobil International und prägt schon seit über 20 Jahren das Magazin mit.
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