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Camping im Schwarzwald

Wohnmobiltour mit Ausblick

Von Nord nach Süd: Wer den Schwarzwald im Wohnmobil erobert, findet beim Camping im Schwarzwald zuerst auf 150 Kilometern vier der schönsten mittelalterlichen Klöster im westlichen Baden-Württemberg. Danach lockt weltlicher Genuss – mit wanderfreudigen Eseln und beim Urlaub auf dem Bauernhof.

Geheimnisvoll erhebt sich der Schwarzwald auf der anderen Seite der Windschutzscheibe und macht seinem Namen alle Ehre: Aus der Ferne sieht Deutschlands höchstes und größtes zusammenhängendes Mittelgebirge vor allem dunkel aus.

Je näher das Wohnmobil seinem Ziel kommt, desto weniger bestätigt sich dieser erste Eindruck. Hell und freundlich, von Wiesen und Lichtungen durchzogen und dadurch geradezu filigran flankieren Wälder die geschlängelte Landstraße abseits der Autobahn 8, die den Nordschwarzwald zwischen Stuttgart, Pforzheim und Karlsruhe begrenzt.

Zu dem landschaftlichen Erlebnis steht jedoch zunächst eine Themenroute an: die Klosterroute Nordschwarzwald. Sie führt durch den nördlichen und mittleren Schwarzwald – und zum UNESCO-Weltkulturerbe Kloster Maulbronn, zu Kloster Hirsau, Kloster Maria Reuthin bei Wildberg und Kloster Alpirsbach.

Vier Klöster als Ziel

Idealer Startpunkt der Klosterroute ist Kloster Maulbronn nordöstlich von Pforzheim. Die Anlage liegt zwar nicht direkt im, aber doch am Schwarzwald, zählt aber seit 1993 als das besterhaltene mittelalterliche Zisterzienserkloster nördlich der Alpen zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist schon deshalb eine Reise wert.

Außerdem, und das dürfte nicht nur für Schwaben wichtig sein, stammen von hier die Herrgottsbscheißerle – die angeblich nach dem Kloster benannten Maultaschen. Diese Teigtaschen ermöglichten es findigen wie sparsamen (schwäbischen) Mönchen, Fleisch freitags und in der Fastenzeit vor den Augen des lieben Gottes vorbei auf den Teller zu schmuggeln. Der soll milde gelächelt haben.

Foto: ssg-pressebild

Tatsächlich reichen die Wurzeln von Kloster Maulbronn zurück bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts. Die noch heute unversehrten Gebäude der kirchlichen Anlage werden benutzt – wenn auch zweckentfremdet: In der Anlage finden sich mehrere Restaurants, die Polizeistation, das Rathaus und Verwaltungsämter von Maulbronn. In einigen Klostergebäuden residiert ein evangelisches Gymnasium mit Internat.

Wer nun knapp 50 Kilometer über Bundesstraßen gen Süden kurvt, gelangt nach Calw und damit in den Nordschwarzwald. Geprägt ist die Hermann-Hesse-Stadt, der Dichter wurde hier 1877 geboren, vom mittelalterlichen Grundriss aus dem 13. und 14. Jahrhundert sowie von 200 denkmalgeschützten Fachwerkhäusern des späten 17. Jahrhunderts.

Vier Kilometer vor den Toren dieses Kleinods wartet Kloster Hirsau. Das frühere Benediktinerkloster St. Peter und Paul gilt als das in der Klosterbewegung von Cluny im 11. und 12. Jahrhundert bedeutendste deutsche Reformkloster nördlich der Alpen. Doch es überlebte nicht: 1692 zerstörten französische Truppen im Pfälzischen Erbfolgekrieg die göttliche Anlage.

Zu sehen gibt es heute baugeschichtlich äußerst wichtige Ruinen. Dazu gehören die romanische Säulenbasilika, einst größte romanische Kirche Südwestdeutschlands, der gotische Kreuzgang, die spätgotische Marienkapelle und die Ruine eines Renaissanceschlosses. In deren Mauern stand bis 1989 die von Ludwig Uhland besungene Ulme zu Hirsau. Wer all das sacken lassen möchte, findet im Klosterhof ein Café.

Danach geht’s weiter südwärts. Durch das Nagoldtal rollt das Mobil vorbei an der Wallanlage Rudersberg aus der Bronzezeit und der Burgruine Waldeck. Nach 18 Kilometern schon ist Wildberg erreicht. Die Schäferlaufstadt in einer Nagoldschleife hat ihre vielen Fachwerkhäuser herausgeputzt und bewahrt ihre Burgruine.

Auf der anderen Seite des Flusses steht Kloster Maria Reuthin, zu erreichen über eine Brücke. Das Dominikanerkloster geht auf seinen Ursprung 1252 zurück. Es wirtschaftete über Jahrhunderte stabil, wurde aber im Bauernkrieg 1525 geplündert. Die Nonnen verweigerten nach 1535 das reformatorische Bekenntnis, dennoch begann ab 1599 eine profane Nutzung – bis ein Feuer 1824 Kirche und Hauptgebäude zerstörte.

Foto: Stadt Wildberg

Schöne Stellplätze allerorten

Heute beherbergt der Fruchtkasten der Anlage das städtische Heimatmuseum. Nebenan ist eine Polizeiwache untergebracht. Dazu kommen Musikschule und andere Kulturstätten. Tipp: Gleich vor dem Gelände erstreckt sich der Stellplatz direkt entlang der Nagold.

Via Altensteig und Freudenstadt richtet sich das Wohnmobil knapp 60 Kilometer nach Südwesten aus. Dann ist Kloster Alpirsbach erreicht. Der Ort ist besonders durch seine Brauerei bekannt. Beides, Bier und Benediktinerkloster, ist vom Stellplatz aus gleich gut zu erreichen.

Der Orden hat sich hier im Kinzigtal verewigt: Sein Kloster wurde am 16. Januar 1095 vom Konstanzer Bischof Gebhard III. geweiht und dominiert seither das Städtchen. Noch heute beeindruckt der spätgotische Kreuzgang. Das Klostermuseum zeigt Alltagsdinge von Klosterschülern aus dem 16. Jahrhundert, darunter Schuhe und sogar eine Hose. Eine tolle Zeitreise, hier im Schwarzwald.

Foto: Simon Ribnitzky

Eselwandern bis Bogenschießen

Als Abwechslung nach so viel geistiger und kultureller Nahrung lockt eine Wanderung in der Natur des Schwarzwalds. Perfekt dafür geeignet: eine Eselwanderung mit Andreas Harr in Freudenstadt-Grüntal.

„Es gibt noch ein Leben jenseits des hektischen Alltags“, lautet sein Motto. Reiten dürfen auf Jule und Nelly, Jack und Eddi nur Kinder, Erwachsene führen die Tiere an einer Leine. So durch den Schwarzwald zu wandern entschleunigt unglaublich.

Gut 800 bis 900 Eselfreunde zählt Harr inzwischen pro Jahr, darunter viele Familien. „Die Kinder laufen die vier Kilometer lange Strecke, ohne zu meckern, die merken das gar nicht“, lacht Harr. Und wenn es doch mal zu anstrengend wird, klettern die Kleinen zumindest für ein Stück des Weges auf Jules Rücken.

Einziger Wehrmutstropfen für Wohnmibilisten: Stellplätze bietet Andreas Harr nicht an. Die nächsten Übernachtungsmöglichkeiten finden sich in Baiersbronn, Freudenstadt oder, wie erwähnt, unweit von Kloster Alpirsbach.

Foto: Simon Ribnitzky

Von dort geht die Fahrt weiter in Richtung Südschwarzwald. Teils auf gut ausgebauten Bundesstraßen, teils auf kleineren Straßen durch dichten Tann führt die Route über Königsfeld und Unterkirnach (beide mit schön gelegenen Stellplätzen) nach Titisee-Neustadt.

In Panoramalage etwas außerhalb liegt der Haberjockelshof von Familie Heizmann, der einen Stopp lohnt. Wer fragt, verbringt hier eine Nacht mit dem Wohnmobil und genießt dann einen fantastischen Blick ins Tal bis zum Titisee.

Lustige Sprüche auf dem Gägweg

Michael Heizmann hat aus seinem Bauernhof einen Erlebnishof gemacht. Kinder helfen, Tiere zu füttern und kraulen das Hausschwein am Bauch. Einblick in den Stall bietet ein großes Fenster vom Frühstücksraum aus: „Kuh-TV“, nennt das der Landwirt.

Rund um seinen Hof hat Heizmann einen Wanderweg angelegt, der an Stationen Natur mit Unterhaltung verbindet. Auf dem Gägweg können Wanderer ihr Handy mit dem Hammer zerstören, werden auf einer Toilette in der Holzhütte von einem wasserspritzenden Benutzer begrüßt und stoßen auf Schilder mit allerhand lustigen Sprüchen. Der Haberjockelshof wirbt nicht zu Unrecht mit seiner „Schwarzwaldgaudi“.

Wer sich lieber kulinarischen Genüssen hingibt, probiert auf dem Hof echtes Wagyu-Rindfleisch. Heizmann ist einer der wenigen Züchter der japanischen Edelrinder in der Region. Der Kilopreis liegt bei mehr als 300 Euro. Einmal pro Woche bietet Heizmann ein Wagyu-Tasting an.

Von Titisee-Neustadt ist es nicht weit nach Freiburg, in Spitzkehren führt die Straße in die Universitätsstadt, die allein eine Reise wert ist. Doch auch rund um die Großstadt, in den Ausläufern des Schwarzwalds und der Weinberge am Kaiserstuhl lassen sich ein paar entspannte Tage mit dem Wohnmobil verbringen.

In Horben oberhalb Freiburgs vermittelt der Reeshof von Familie Zimmermann Urlaub auf dem Bauernhof in zahlreichen Facetten. Kinder bekommen ein Pflegetier, helfen beim Ausmisten und schauen Küken beim Schlüpfen zu.

Für die Nacht bietet sich auf der anderen Seite Freiburgs, bereits in den Weinbergen rund um den Kaiserstuhl gelegen, Ferienhof Walter an. Einfache Stellflächen für Wohnmobile hat der Hof in Freiburg-Opfingen eingerichtet, eine Erweiterung und Ausbau mit Duschen ist geplant.

Foto: Simon Ribnitzky

Kurzweil verspricht das Outdoor Escape Erlebnis Eduardo & das Weingeheimnis. Dabei geht es auf einer drei Kilometer langen Wanderung durchs Dorf und in die Weinberge von einem kniffligen Rätsel zum nächsten. Tipp: Wer nach dem Rätselspaß hungrig ist, genießt in der Griestal-Strauße regionale Küche, etwa das badische Trio: Wurstsalat, Brägele (Bratkartoffeln) und Bibeliskäs (Kräuterquark).

Konzentration beim Bogenschießen

Wieder hinein in den Schwarzwald, setzt sich die Tour ins Elztal und weiter nach Mühlenbach im Wohnmobil fort. Dort wartet der Bogenparcours von Elke und Paul Buchholz. Auf einem 4,5 Kilometer langen Rundweg hat der leidenschaftliche Bogenschütze Paul Buchholz 32 Ziele vom Wildschwein bis zum Schaf im Wald versteckt, Besucher gehen mit Pfeil und Bogen auf die Jagd.

Konzentration und eine ruhige Hand sind gefragt, um die 20 bis 30 Meter entfernten Ziele zu treffen. Zum Glück sind die Tiere aus Kunststoff, obwohl sie mitunter täuschend echt aussehen. Direkt am Startpunkt hat Buchholz drei einfache Stellplätze für Wohnmobile eingerichtet.

Wer noch nicht genug vom Schwarzwald hat, fährt weiter entlang der Kinzig. Nach einem Stopp in der Marktscheune in Berghaupten, die Produkte von Bauern aus der Region anbietet, geht es rechts ab ins Tal des Flüsschens Rench. Über die hübschen Orte Oberkirch und Bad Peterstal-Griesbach schließt sich bei Freudenstadt die Runde. Schön gelegene Stellplätze entlang der Route laden dazu ein, den Urlaub noch ein bisschen zu verlängern. Der Schwarzwald bietet dafür Attraktionen und Erlebnisse genug.

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