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Ahorn Kentucky Country LG, Chausson Flash 627 Limited und Bürstner Nexxo t 690 G

Multikulti

Wider den Einheitsbrei: Ford und Renault stellen sich dem Marktführer Ducato. Wie schlagen sich der italienische Kentucky Country LG auf Master-Basis und der französische Chausson Flash 627 auf Transit gegen den deutschen Bürstner Nexxo t 690 G auf Ducato?

Die Rollenverteilung ist klar. Fiat beherrscht mit dem Ducato seit Jahren den Reisemobilmarkt. Ein Marktanteil von rund 75 Prozent spricht Bände. Trotz der Marktdominanz von Fiat gibt es sie aber noch: Hersteller, die ihre Reisemobile auf Renault Master und Ford Transit produzieren.

Reisemobil International testet deshalb drei Teilintegrierte aus drei Ländern, die auf Basisfahrzeugen aufbauen, die ebenfalls aus drei verschiedenen Ländern stammen. So treten der italienische Kentucky Country LG, der auf dem französischen Renault Master über den Asphalt rollt, und der französische Chausson Flash 627 Limited auf Ford Transit (in der Türkei gefertigt) gegen den deutschen Bürstner Nexxo t 690 G auf italienischem Fiat Ducato an. Nahezu identische Grundrisse mit beliebten Einzelbetten im Heck, Längsbad, Längsküche und Sitzgruppen mit Längsbank gegenüber erleichtern den direkten Vergleich.

Trotz vielerlei Gemeinsamkeiten gibt es, abgesehen von den Basisfahrzeugen, auch einige Unterschiede. So fährt der von Ahorn-Wohnmobile in Speyer vermarktete, 7,47 Meter lange Kentucky Country (ab 39.800 Euro) aus dem traditionsreichen italienischen Haus Rimor (Trigano-Gruppe) mit hagelresistentem GfK-Sandwichdach- und -wänden (holzfrei) aus der Fertigungshalle. Der 6,99 Meter lange und ab 47.990 Euro erhältliche Chausson Flash 627 Limited tut dies ebenfalls. Der teurere (ab 53.990 Euro) und 6,99 Meter lange Bürstner Nexxo t 690 G besitzt holzfreie Alu-Sandwichwände mit XPS-Schaumisolierung, einen verrottungsfreien GfK-Sandwichunterboden und ein GfK-Sandwichdach.

Innenausbau

Innen gehen die drei Hersteller teils unterschiedliche Wege. Während Bürstner auf dunkle Polster und helle Möbel setzt, richtet Chausson das Interieur des Flash in dunkleren Brauntönen und weißen Möbelklappen ein. Den Country LG möblieren die Kentucky-Entwickler mit hellen Polstern und hellbraunen Möbeln. Elegant sind alle drei Stilrichtungen. Es dürfte deshalb am individuellen Geschmack liegen, welcher Farbkombination man den Vorzug gibt.

Qualitativ liegen alle drei Teilintegrierte innen wie außen auf Augenhöhe. Die Kabinen sind bestens an die jeweiligen Fahrerhäuser angepasst, die Übergänge wurden sauber abgedichtet. Im Interieur punkten die Testkandidaten mit fachgerecht eingebauten und gut eingepassten Möbeln, die während der Fahrt kaum klappern oder quietschen. Das kommt dem Fahrkomfort entgegen.

Raumangebot

Das größere Raumangebot hat der längere Kentucky zu bieten. Hinter einer Holztür in Wagenmitte verbirgt sich ein großes Schlafzimmer, das die Italiener mit zwei 80 Zentimeter breiten Einzelbetten inklusive Holzlattenrosten und zwölf Zentimeter dicken Matratzen ausstatten, auf denen es sich bequem liegt. Zusammengelegt ergeben die Einzelbetten ein 220 mal 150 Zentimeter breites Doppelbett. Davor findet eine Sanitärzeile ihren Platz, die sich aus einer geräumigen Duschkabine (80 mal 80 Zentimeter) und einem gegenüber eingebauten Bad zusammensetzt. Letzteres beherbergt elegante Holzmöbel, einen Waschtisch mit ausreichend dimensioniertem Waschbecken sowie eine drehbare Kassettentoilette.

Auch an den Dimensionen und der Ausstattung der L-Küche (88 mal 53/93 Zentimeter) in Wagenmitte gibt es nichts auszusetzen. Dreiflammkocher mit elektrischer Zündung, ausreichend Ablagefläche und Stauraum sowie ein 100-Liter-Kühlschrank sind Standard. Eine L-Sitzbank sowie eine Zweier-Längsbank und drehbare Frontsitze bieten bis zu sechs Personen Platz für die gemütliche Runde. Die in alle Richtungen verschiebbare Tischplatte lässt sich auf ansehnliche 115 mal 61 Zentimeter vergrößern. Über der Sitzgruppe kommt ein elektrisch absenkbares Hubbett (650 Euro) zum Einsatz, das mit 123 Zentimetern nicht sehr breit ausfällt.

Mit 93 Zentimetern ist das serienmäßig erhältliche und manuell absenkbare Hubbett des Chausson Flash 627 Limited noch schmaler. Allerdings ist es auch nur für eine Person konzipiert. Darunter steht eine Halbdinette mit Einzel-Längsbank und praxisgerecht dimensionierter Tischplatte.

Auch im Nexxo t 690 G von Bürstner, der als reines Zwei-Personen-Mobil ohne Hubbett auskommt, verhält es sich so. Die L-Küche des Nexxo und die Längsküche des Flash besitzen ausreichend Ablagefläche und Stauraumkapazität sowie Schubfächer mit Selbsteinzug und große Kühlschränke (Bürstner 145 Liter, Chausson 141 Liter). Die breiteren Einzelbetten besitzt mit 90 Zentimetern allerdings der Flash (Nexxo 74 und 80 Zentimeter). Den bequemeren, weil tieferen Betteneinstieg bezahlt der Chausson-Teilintegrierte mit dem Fehlen einer vollwertigen Garage, an deren Stelle ein geräumiger Stauraum tritt. Separate und praxisgerecht proportionierte Duschen bieten alle drei Testkandidaten.

Technische Ausstattung

Bürstner stattet den Nexxo auf Ducato ab Werk mit einem Werkstiefrahmenchassis, breiterer Hinterachsspur und 115-PS-Maschine aus. Der Flash von Chausson rollt serienmäßig ebenfalls mit verbreiterter Hinterachse und mit satten 155 Pferdestärken über den Asphalt, der Renault des Kentucky Country LG mit 125 PS.

Chausson bietet die Transit-Basis des Flash Limited ab Werk in Vollausstattung mit ABS, ESP, Fahrer- und Beifahrerairbag, höhenverstellbare Frontsitzen, Fahrerhaus-Klimaanlage, Tempomat, Bluetoothradio und Lederlenkrad an. Der Ducato des Nexxo verlässt die Fertigung mit ABS und Fahrerairbag sowie höhenverstellbarem Fahrersitz, elektrischen Fensterhebern und elektrisch verstellbaren Außenspiegeln. Kentucky liefert den Master in Serie mit ABS, Doppelairbag, Tempomat, Zentralverriegelung und MP3-Radio aus.

An den Volants von Ford und Renault sitzt es sich Pkw-ähnlicher als im Ducato, was ein Plus an Fahrkomfort bedeutet. Ergonomisch geformte Armaturen mit leicht zu bedienenden Schaltknäufen und Reglern sind in allen drei Basisfahrzeugen Standard. Auch in puncto Laufruhe geben sich die Triebwerke nicht viel. Den Nutzfahrzeugcharakter kann zwar keiner der drei verhehlen, die Störgeräusche aus dem Motorraum halten sich jedoch in erträglichen Grenzen.

Fazit

Grundsätzlich gibt es einige Argumente, die für Ford und Renault als Alternative sprechen. Zum einen ist zumindest der Transit günstiger als der Ducato (circa 2.000 Euro), zudem werden Ford und Renault auch mit Heckantrieb und damit optimierter Traktion produziert.

Infobox

Den vollständigen Vergleich von Juam Gamero inkl. genauer Gewichtsangaben und Ladetipps finden Sie in der Reisemobil International-Ausgabe 08/2015.

Redaktion
Juan Gamero
Juan Gamero ist seit Juli 1991 bei der Reisemobil International. Er testet Reisemobile & Co. und ist Experte für Technik.
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