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Elnagh Baron 700

Preisbrecher

Der Elnagh Baron 700 wurde vor zwölf Jahren über einen Discounter vertrieben. Ob solche Modelle auch als Gebrauchte lohnend sein können, zeigt dieses Mobil im Test.

Die Marke Elnagh führt in Deutschland ein Schattendasein. Ein Blick auf das aktuelle Vertriebsnetz der Marke zeigt, dass das Heimatland Italien der stärkste Markt ist. Auch Spanien verfügt noch über eine ordentliche Zahl an Vertragshändlern. In den meisten anderen Ländern sind Händler eher in homöopathischen Dosen verteilt.

Um den Gebrauchtwagenmarkt für Elnagh richtig beurteilen zu können, muss man wissen, dass diese Marke zur SEA-Gruppe gehört. Die Italiener sind dafür bekannt, ihre Reisemobile unter anderem Label anzubieten. Wer eine gewisse Mindeststückzahl abnimmt, kann sich so mit wenig Aufwand seine Eigenmarke fertigen lassen. Gerade im Discounterbereich war diese Vorgehensweise gang und gäbe.

Das gilt auch für den hier getesteten Elnagh Baron 700, der bei CBRW im niedersächsischen Barrien zum Verkauf steht. Das Fahrzeug wurde einst über die Firma Palmowski in Bielefeld unter der Eigenmarke NobelArt angeboten wurde.

Elnagh Baron 700: Kleiner Motor

Für den Antrieb sorgt ein Multijet Dieselmotor Typ 4HV von PSA, der aus 2,2 Liter Hubraum 74 kW (100 PS) generiert. Für normales Reisen sind Leistung und Drehmoment ausreichend, für regelmäßige Ausflüge in die Berge sollte man sich nach einer stärker motorisierten Alternative umsehen. Leider war die kleinste Motorisierung bei Fiat nur mit dem 5-Gang-Schaltgetriebe erhältlich, was höhere Motordrehzahlen bei Autobahnfahrten zur Folge hat. Ansonsten bietet der Antrieb des Elnagh keinen Anlass zur Kritik.

Die einzige Flüssigkeit außerhalb von Motor, Schläuchen und Gefäßen ist Regenwasser, das in den Vertiefungen des Ventildeckels steht. Davon abgesehen ist der Motor oben wie unten trocken, alle Gummiteile sind frei von Rissen. In Anbetracht der geringen Laufleistung von rund 5.000 Kilometer pro Jahr verwundert auch der teilweise fast neuwertige Zustand des Unterbodens nicht.

Einzig die Heckstoßstange gibt, wie bei vielen Gebrauchtwagen-Checks, Anlass zur Beanstandung. Auch beim Elnagh kam es offensichtlich auf einer der Reisen zu einem Parkrempler. Aufgrund der geringen Größe der Risse kann man davon ausgehen, dass der Aufbau keinen Schaden genommen hat. Dies bestätigt nicht nur eine genaue Sichtkontrolle, sondern auch die Dichtigkeitsprüfung.

Kompakte Sitzgruppe

Der Wohnbereich ist beim Elnagh auf eine Dinette mit zwei Sitzbänken reduziert. Mit vier Sitzplätzen ist für eine normale Familie ausreichend Platz. Zusammen mit den beiden Fahrerhaussitzen können sogar sechs Personen reisen. Für gemeinsame Mahlzeiten ist die Sitzgruppe dann allerdings zu klein. Positiv fallen die Polster auf, sie sind in einem fast neuwertigen Zustand. Auch der Tisch ist frei von Dellen, Löchern und Rissen. Regentage werden im Wohnbereich bei 4-Personen-Belegung zur Herausforderung. Daher ist das Fahrzeug eher für Reisende mit Aktivitäten außerhalb der rollenden Behausung geeignet.

Von der Gesamtbreite von 2,35 Meter profitieren auch die beiden fest verbauten Querbetten im Heck und im Alkoven. Mit 2,15 Meter fallen sie sogar deutlich länger aus als zu Hause. Gerade große Camper werden dies, zusammen mit der großzügigen Kopffreiheit des Alkovens, zu schätzen wissen. Bei einer Breite von rund 1,40 Meter finden jeweils zwei Personen vorn und hinten einen bequemen Schlafplatz. Die Matratzen beider Betten sind sauber und noch nicht durchgelegen.

Zwei Schlafzimmer

Doch auch für Paare kann dieser Grundriss interessant sein, wenn es darum geht, den schnarchenden Lebenspartner möglichst weit weg einzuquartieren. Laut Hersteller lässt sich die Dinette ebenfalls zu einem Doppelbett umbauen – bei einer Länge von 1,80 Meter und einer Breite von 1,20 Meter eher ein Notbett für Kinder.

Dass der Elnagh als Discounter-Fahrzeug konzipiert wurde, merkt man besonders am Bad. Die Ausstattung ist schlicht, trotzdem ist der Sanitärbereich komplett ausgestattet. Sogar auf eine separate Dusche muss man nicht verzichten, was besonders bei Reisen mit mehreren Personen angenehm ist. Die Duschtasse verfügt über zwei Abläufe, allerdings fehlt eine Acrylglastür, nur ein Vorhang trennt die Dusche ab. Anstelle eines Badezimmerschrankes gibt es lediglich ein doppeltes Regal, das sich aber gut nutzen lässt. Ein großer Spiegel über dem Waschbecken vergrößert den Raum optisch.

Das Bad befindet sich in gutem Pflegezustand und ist hygienisch einwandfrei. Dennoch gibt es einige Gebrauchsspuren am Verschluss der Toilettenkassette. Wer sich daran stört, kann für wenig Geld bei Thetford ein Fresh-up-Set ordern. Neben einer neuen Toilettenbrille gibt es dann auch eine neue Kassette.

Lange Küche

Der Küchenblock im Elnagh Baron 700 ist in Längsrichtung auf der Beifahrerseite verbaut. Auffallend ist das große Platzangebot auf der Arbeitsfläche. Hier lassen sich auch größere Mahlzeiten für die Familie problemlos zubereiten. Der dreiflammige Herd und die Edelstahlspüle sind für ihr Alter in Bestform. Auf eine elektrische Zündung muss man aus Kostengründen ebenso verzichten wie auf die automatische Energiewahl (AES) des Kühlschranks aus dem Hause Dometic.

Leider scheint die Verriegelung der Kühlschranktür als Sollbruchstelle ausgelegt zu sein. Zu häufig ist dieses Kunststoffteil gerade beim gebrauchten Reisemobil defekt. Selbstverständlich wird dies vor der Übergabe durch die Werkstatt instandgesetzt. Nicht zu verhindern sind die Scheuerspuren in den Ablagen der Kühlschranktür. Ansonsten gibt auch die Küche keinen Anlass zur Klage.

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